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Markte | Montag, 28. Januar 2013, 15:03 Uhr

Durchatmen am Aktienmarkt - US-Daten geben Hoffnung

Frankfurt Europäische Aktieninvestoren sind zurückhaltend in die neue Woche gestartet.

Hatten sie zuletzt bei Dividendentiteln ordentlich zugegriffen, warteten sie nun auf neue Belege dafür, dass die europäische Schuldenkrise tatsächlich abklingt und die Wirtschaft allmählich wieder in Schwung kommt, sagten Händler.

Der Dax notierte am Nachmittag kaum verändert bei 7857 Punkten, nachdem er in der abgelaufenen Handelswoche zwei Prozent gewonnen hatte. Am Vormittag hatte der Leitindex kurz ein neues Fünf-Jahres-Hoch bei 7871 Zählern markiert. Dass ihm dann die Puste ausging, erklärten Händler auch mit Daten der EZB. Demnach haben die Banken der Euro-Zone im Dezember den achten Monat in Folge weniger Kredite vergeben. "Auf der Kreditseite sind noch keine Anzeichen einer Trendwende nach oben zu beobachten. Solange das so bleibt, wird die von uns erwartete konjunkturelle Belebung keine Dynamik entwickeln können", kommentierte Heinrich Bayer von der Postbank.

Unter besonderen Abgabedruck gerieten E.ON mit einem Minus von 1,9 Prozent. Händlern zufolge lastete eine auf "Underweight" gesenkte Anlageempfehlung von JP Morgan auf den Titeln. Größter Gewinner waren VW mit einem Plus von 1,4 Prozent. Hier folgten Investoren einer Kaufempfehlung von Kepler.

ASML ÜBERZEUGT MIT QUARTALSGEWINN

Der EuroStoxx50 notierte 0,1 Prozent höher bei 2746 Zählern. Versorger-, Chemie- und Rohstoffwerte waren europaweit die größten Verlierer. Finanz- und Technologiewerte verbuchten dagegen Zuschläge. So legten zum Beispiel Deutsche Bank 0,8 Prozent zu, Commerzbank 0,4 Prozent. Anleger des weltgrößten Chipzulieferers ASML freuten sich über einen deutlich höheren Quartalsgewinn als erwartet und trieben die Aktien um 3,2 Prozent.

Strategisch gesehen gebe es nach der jüngsten Rally keinen allzu großen Druck, Aktien nachzukaufen, sagte Aktienstratege Ian Williams vom britischen Finanzdienstleister Peel Hunt. Technisch sei der Markt überkauft. "Aber aus Sicht des 'Big Picture' geht es um die Frage der Bewertung, und da kommt man an Aktien nicht vorbei." Während europäische Dividendentitel derzeit im Schnitt vier Prozent Rendite abwerfen, sind es bei den als sicher geltenden Anleihen um die zwei Prozent.

AUFGEHELLTE INVESTITIONSSTIMMUNG IN DEN USA

Einen neuen konjunkturellen Hoffnungsschimmer brachten die Auftragseingänge für langlebige Güter in den USA, die im Dezember um 4,6 (Prognose: 1,8) Prozent anzogen - deutlich stärker als erwartet. Dies spreche für eine "aufgehellte Investitionsstimmung" in der weltgrößten Volkswirtschaft, sagte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg.

Für die US-Börsen zeichnete sich denn auch ein positiver Start ab, sowohl für die Technologiebörse Nasdaq als auch für den Dow-Jones-Index lagen die Futures leicht im Plus. Auch unter den Aktionären des weltgrößten Baumaschinenherstellers Caterpillar war die Stimmung gut. Der Konzern hat - einen Bilanzbetrug bei seiner China-Sparte herausgerechnet - für das abgelaufene Quartal einen höheren Gewinn als erwartet ausgewiesen. Die Aktien zogen vorbörslich um 1,2 Prozent an.

EURO GUT GEPOLSTERT

Am Devisenmarkt blieb der Euro gut nachgefragt. Händler sagten, die Marke von 1,34 Dollar - die für die Gemeinschaftswährung auf dem Weg nach oben so hart zu knacken gewesen war - sei inzwischen eine verlässliche Basis. Wann immer der Kurs falle, setzten auf diesem Level neue Käufe ein. Der Euro kostete 1,3450 Dollar und hielt sich damit knapp unter dem am Freitag erreichten Elf-Monats-Hochs bei 1,3479 Dollar.

Recht schwach lief dagegen der Yen, der zur US-Währung auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren fiel: Ein Dollar kostete zeitweise mehr als 91 Yen. Zu Monatsbeginn war er noch vier Yen günstiger. Hauptgrund ist die Politik von Ministerpräsident Shinzo Abe, die zur Ankurbelung der exportabhängigen Wirtschaft eine schwache heimische Währung anstrebt.

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