Markte | Dienstag, 29. Januar 2013, 17:59 Uhr

Rally am Aktienmarkt stockt - Alle blicken auf die Fed

Frankfurt In Erwartung neuer Hinweise zur US-Geldpolitik sind Aktien-Investoren am Dienstag vorsichtig geblieben.

Der Dax ging 0,2 Prozent höher aus dem Handel bei 7848 Zählern. Der EuroStoxx50 lag ebenfalls 0,2 Prozent höher bei 2750 Punkten.

Die US-Notenbank Fed will sich am Mittwoch dazu äußern, wie sie die konjunkturelle Lage der weltgrößten Volkswirtschaft einschätzt. Analysten erhoffen sich Hinweise darauf, ob die Notenbank angesichts zuletzt recht zuversichtlich stimmender Daten ihre Hilfen zurückfahren und absehbar weniger Anleihen aufkaufen wird. Derartige Spekulationen erhielten am Nachmittag allerdings einen Dämpfer, weil das US-Verbrauchervertrauen im Januar unerwartet stark zurückging. Analysten erklärten den Rutsch mit höheren Abgaben, die seit Januar greifen.

Der US-Dollar gab nach den Daten nach: Der Euro profitierte und strampelte sich bis auf 1,3496 Dollar hoch, das ist der höchste Stand seit Dezember 2011. Der Tagesgewinn der als sicher geltenden Bundesanleihen bröckelte bis zum Handelsschluss ab.

DURCHATMEN NACH STEILER RALLY

Die großzügige Geldversorgung durch die Fed und andere Notenbanken weltweit, die Hoffnung auf eine globale konjunkturelle Erholung sowie Signale, dass die europäische Schuldenkrise an Dramatik verliert, hatten Anleger in den vergangenen Monaten an die Aktienmärkte zurückgelockt. Der Dax hat allein seit Mitte November mehr als zwölf Prozent zugelegt, der Dow-Jones-Index der US-Standardwerte mehr als zehn Prozent. Zum Handelsschluss in Europa lag der Leitindex wie auch sein deutsches Pendant 0,2 Prozent höher, die Technologiebörse Nasdaq 0,3 Prozent.

Der Stillstand am Aktienmarkt wird nach Einschätzung von Analysten kurz sein. "Angesichts einer der längsten Rallies seit Jahren sind die Märkte inzwischen überkauft, so dass die Zeit reif ist für eine Konsolidierung", sagte Analyst Philippe Gijsels von BNP Paribas Fortis Global Markets. "Das wird aber wohl nicht dramatisch, denn ein Haufen Geld wartet nur darauf, investiert zu werden." Die Zurückhaltung der Anleger spiegelte sich auch im europäischen Volatilitätsindex wider, er schloss so niedrig wie seit Ende Februar 2007 nicht mehr.

SOFTWARE AG AUF TALFAHRT

Trotz der generellen Zurückhaltung gab es auch Ausreißer am Aktienmarkt: So brachen im TecDax die Titel der Software AG ein, nachdem ein Strategiewechsel dem Konzern die Bilanz verhagelt hat. Die Papiere sackten um 17 Prozent ab und notierten bei 28,895 Euro auf dem niedrigsten Stand seit fast vier Monaten.

Im Dax standen Bayer ganz oben auf der Verliererliste: Eine Herunterstufung von Barclays und die Diskussionen um die Thrombose-Gefahr von Antibaby-Pillen drückten den Kurs um 2,8 Prozent. Infineon folgten mit einem Abschlag von 2,5 Prozent. Der Konzern legt am Donnerstag Zahlen vor, denen Anleger mit einer gewissen Skepsis entgegenschauen.

Positiv fielen ThyssenKrupp auf mit einem Plus von 2,7 Prozent. Händler sprachen von neuen Hoffnungen auf einen baldigen Verkauf des defizitären Amerika-Geschäfts. Genährt wurden die Spekulationen von einem Medienbericht, wonach der potenzielle Käufer - die brasilianische CSN - auf einen Milliarden-Kredit zur Finanzierung hoffen könne.

BANKWERTE ADE

Unter den europäischen Werten fielen die Titel der Royal Bank of Scotland mit einem Minus von sechs Prozent auf. Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge stehen die Verhandlungen der Bank mit britischen und US-Behörden wegen der von ihren Händlern falsch übermittelten Libor-Sätze kurz vor einem Abschluss. Auch gesenkte Anlageempfehlungen von Goldman Sachs und der Espirito Santo Investment Bank drückten Börsianern zufolge den Kurs.

Auch um französische Banken machten Anleger einen Bogen. Aus Furcht vor schwachen Geschäftszahlen trennten sie sich von BNP Paribas, Credit Agricole und Societe Generale (SocGen), die in Folge zwischen 1,4 und 2,7 Prozent nachgaben. Damit zählten sie zu den schwächsten Werten im europäischen Branchenindex.

An der Wall Street straften Anleger Ford für eine unbefriedigende Geschäftsentwicklung ab, so dass die Titel um bis zu 6,5 Prozent abrutschten. Dem zweitgrößten US-Autohersteller macht der schwache europäische Markt zu schaffen. Honoriert wurden dagegen sprudelnde Gewinne bei Pfizer. Die Aktien des Pharmakonzerns gewannen 3,3 Prozent.

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