Börsen berappeln sich nur zögerlich wieder | Reuters
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Markte | Dienstag, 5. Februar 2013, 15:59 Uhr

Börsen berappeln sich nur zögerlich wieder

Frankfurt Die Anleger an Europas Börsen haben sich am Dienstag nach den Kurseinbrüchen zu Wochenbeginn nur zögerlich aus der Deckung gewagt.

Dax und Euro legten etwas zu, die Börsen in Madrid und Mailand gingen auf Erholungskurs. Auch an der Wall Street deutete sich ein festerer Handelsstart an. Am Montag hatten die Anleger aus Furcht vor politischer Instabilität in Spanien und Italien ihre Gewinne der vergangenen Wochen in Sicherheit gebracht.

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy muss sich mit Korruptionsvorwürfen auseinandersetzen. In Italien wird die Affäre um die Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena (BMPS) zum Politikum. Anleger fürchten, dass der Skandal dem ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi zu einem politischen Comeback verhilft. Ende des Monats soll in Italien gewählt werden.

"Ein Regierungswechsel in beiden Ländern würde die derzeitigen Sparanstrengungen auf die Kippe stellen", warnte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. "Eine Sanierung der Staatsfinanzen und ein nachhaltiger Haushalt sind das A und O in der Lösung der Schuldenprobleme."

Chefanalyst Philippe Gijsels von BNP Paribas Fortis sieht den Aufwärtstrend der vergangenen Wochen aber weiter intakt. Die aktuelle Schwächephase sei lediglich eine Konsolidierung. Die Märkte nutzten die Probleme in Italien und Spanien als Ausrede. "Aber sie hätten auch andere Gründe finden können."

DAX UND EUROSTOXX STABILISIERT - EURO LEICHT ERHOLT

Der Dax notierte 0,2 Prozent fester bei 7655 Punkten, während der EuroStoxx50 0,9 Prozent auf 2649 Zähler gewann. Am Vortag hatten die beiden Indizes 2,5 und rund drei Prozent verloren. Der Mailänder Leitindex, der am Montag sogar um 4,5 Prozent eingebrochen war, überwand seine Anfangsschwäche und legte um 1,1 Prozent zu. Der spanische Ibex (Vortag: minus 3,8 Prozent) notierte sogar 1,6 Prozent fester.

Der Euro verteuerte sich zwar auf 1,3545 Dollar, nach 1,3511 Dollar zum New Yorker Vortagesschluss. Damit lag er aber immer noch knapp zwei US-Cent unter seinem 15-Monats-Hoch vom vergangenen Freitag. Der Bund-Future gab einen Großteil seines Vortagesgewinns ab und notierte 60 Ticks tiefer bei 142,04 Zählern.

STARKE ARM-ZAHLEN AM DEUTSCHEN MARKT OHNE WIRKUNG

Bei den deutschen Aktien gehörten Münchener Rück zu den Favoriten, nachdem der Rückversicherer einen Gewinnsprung bekanntgegeben und eine kräftige Anhebung der Dividende angekündigt hatte. Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research hob vor allem die überraschend positive Schaden/Kosten-Quote von 98,7 Prozent hervor. "Dies deutet darauf hin, dass das Versicherungsgeschäft trotz des Wirbelsturms 'Sandy' gut gelaufen ist." Münchener Rück-Papiere stiegen um 2,5 Prozent auf 137,10 Euro.

In London gehörten ARM zu den Spitzentiteln im Auswahl-Index FTSE. Die Papiere des britischen Chip-Designers stiegen um bis zu 7,8 Prozent auf ein Zwölfeinhalb-Jahres-Hoch von 961,13 Pence. Das Unternehmen hatte bei Umsatz und Vorsteuer-Gewinn die Analystenerwartungen übertroffen. Von den Zahlen profitierten die Aktien der deutschen Chipkonzerne indes nichts. Infineon führten im Dax die Verliererliste mit einem Abschlag von 1,5 Prozent an, Dialog Semiconductor hielten im TecDax mit einem Minus von 3,6 Prozent die rote Laterne, gefolgt von den Titeln des Chipanlagenbauers Aixtron, die 2,9 Prozent verloren.

Das Kursminus bei Infineon begründeten mehrere Händler mit Gewinnmitnahmen, nachdem die Aktie in den vergangenen zwei Monaten rund 14 Prozent an Wert gewonnen hatte. Bei Aixtron wirke der Abgang von zwei langjährigen Aufsichtsratsmitgliedern in der vergangenen Woche nach. Dialog wiederum leide unter der anhaltenden Schwäche des iPhone-Herstellers Apple.

Unter die Räder gerieten in Amsterdam die Anteilsscheine des Telekomkonzerns KPN, die mit einem Minus von 25 Prozent so stark einbrachen wie nie zuvor und mit 3,07 Euro den tiefsten Stand seit Oktober 2001 markierten. Die E-Plus-Mutter kündigte eine Kapitalerhöhung von vier Milliarden Euro an und will damit ihr Wachstum ankurbeln.

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