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Markte | Donnerstag, 7. Februar 2013, 19:33 Uhr

Draghi redet Euro unter 1,34 Dollar

Frankfurt EZB-Präsident Mario Draghi hat die wochenlange Aufwertung des Euro am Donnerstag binnen Minuten mit wenigen Worten zunichte gemacht.

Seine Ankündigung in der Pressekonferenz nach der Zinssitzung des EZB-Rats, den Wechselkurs der Gemeinschaftswährung genau zu beobachten, setzte dieser kräftig zu und drückte den Euro um bis zu zwei Cent deutlich unter die Marke von 1,34 Dollar. Es war der stärkste Kursrutsch seit Juni. Der Dax legte während der EZB-Pressekonferenz zunächst um bis zu 1,1 Prozent zu, schloss dann aber im Sog schwächerer US-Börsen nahezu unverändert.

Draghi betonte zwar, dass die EZB keine Wechselkurs-Ziele habe und der jüngste Euro-Anstieg sicherlich Zeichen des zurückkehrenden Vertrauens in die Stärke der Währungsunion sei. "Aber der Kurs ist wichtig für das Wachstum und die Preisstabilität und wir wollen uns sicher anschauen, ob die Aufwertung dauerhaft ist und ob das unsere Risikoeinschätzung verändert, was die Preisstabilität angeht."

Der französische Präsident Francois Hollande hatte die Wechselkurspolitik zuletzt auf die politische Agenda gesetzt. Traditionell sind die Franzosen in der Euro-Zone eher für eine schwache und die Deutschen für eine starke Währung. Entsprechend war Hollande in den vergangenen Tagen auf Widerstand aus Berlin gestoßen. Auch die EZB ist traditionell gegen eine aktive Wechselkurspolitik.

Der Markt interpretierte die Aussagen Draghis als Beleg dafür, dass die EZB bei Bedarf Maßnahmen gegen eine weitere Aufwertung des Euro ergreifen würde, erklärte Postbank-Analyst Marco Bargel. Volkswirt Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus schränkte aber ein: "Das bedeutet noch lange nicht, dass die EZB in naher Zukunft in irgendeiner Form eingreifen wird. Dennoch nehmen einige Investoren allein die Tatsache, dass man sich die jüngste Aufwertung offenbar genau anschaut, zum Anlass für Verkäufe der Gemeinschaftswährung."

Theoretisch könnte die EZB über den Umweg einer Zinssenkung den Euro abwerten. Draghi trug zu dieser Spekulation mit seiner Aussage bei, dass die Inflationsrisiken derzeit ausgewogen seien, die Teuerungsrate in den kommenden Monaten aber unter zwei Prozent fallen dürfte. Damit läge die Teuerung unter dem Planziel der EZB, was zu Überlegungen im EZB-Rat führen könnte, den Leitzins unter die aktuellen 0,75 Prozent hinaus weiter zu senken, um ein Abgleiten in eine Deflationsspirale zu verhindern.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer rechnet nicht damit, dass die EZB ihre Leitzinsen in diesem Jahr ändert. "In den kommenden Monaten dürfte Euro-Dollar vermutlich weiter unter Aufwertungsdruck bleiben. Abwerten dürfte der Euro wohl erst in der zweiten Jahreshälfte, wenn die US-Notenbank ihr Anleihekaufprogramm drastisch reduzieren wird und die Staatsschuldenkrise weitgehend ausgepreist sein sollte." Der Euro fiel auf bis zu 1,3369 Dollar nach 1,3577 Dollar im frühen Handel.

AUCH US-BÖRSEN LEIDEN UNTER EURO-SCHWÄCHE

Die Talfahrt der Devise führte auch an den Aktienmärkten zu spürbarer Zurückhaltung. Der EuroStoxx50 schloss 0,7 Prozent niedriger bei 2598 Zählern. In New York fiel der Dow Jones mit den 30 Standardwerten um ein Prozent auf 13.852 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 sackte 0,9 Prozent auf 1498 Zähler ab. Der Nasdaq notierte 0,9 Prozent schwächer bei 3140 Punkten.

Bei den deutschen Einzelaktien trieben Übernahmespekulationen die Aktien des Chemieunternehmens Lanxess um 3,7 Prozent auf 63,61 Euro in die Höhe. "Angeblich will Dow Chemical 70 bis 80 Euro je Lanxess-Aktie bieten", sagte ein Händler. Lanxess und Dow Chemical wollten sich dazu nicht äußern. In New York verloren die Aktien von Dow Chemical 2,2 Prozent.

Gesucht waren zudem HeidelbergCement, die mit einem Plus von 5,1 Prozent den Dax anführten. Der Baustoffkonzern hat 2012 unter anderem von der Erholung der Baukonjunktur in Nordamerika profitiert und seine Margen im Kerngeschäft verbessert. "Die Zahlen waren ganz in Ordnung und könnten sich positiv auf die Bewertung auswirken", sagte ein Händler.

Für reichlich Gesprächsstoff sorgte Daimler mit der Vorlage von Jahres- und Quartalszahlen. Analysten und Börsianer zeigten sich zufrieden. "Die Zahlen zum vierten Quartal und der Ausblick für 2013 liegen im Rahmen der Schätzungen", erklärte Equinet-Analyst Tim Schuldt. DZ Bank-Experte Michael Punzet zeigte sich hinsichtlich des Ausblicks etwas skeptisch, den er zu optimistisch fand. Beide Analysten bekräftigen aber ihre "Halten"-Empfehlungen. Der Aktienkurs stieg um 2,8 Prozent auf 44,20 Euro.

- von Tom Körkemeier und Andreas Framke

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