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Markte | Mittwoch, 13. Februar 2013, 18:57 Uhr

Übernahmespekulationen hauchen Börsen Leben ein

Frankfurt Übernahmespekulationen, Konjunkturdaten und Bilanzen haben den Börsen am Mittwoch auf die Beine geholfen.

Gerüchte, wonach Vodafone an Kabel Deutschland und Apple am deutschen TV-Hersteller Loewe interessiert sein könnten, sorgten für reichlich Diskussionsstoff in den hiesigen Handelsräumen. In Paris erfreute Peugeot und in Amsterdam Heineken die Investoren. Der Dax ging 0,7 Prozent höher bei 7711 Punkten aus dem Handel, der EuroStoxx50 notierte 0,2 Prozent höher bei 2654 Zählern.

Stützend für den Markt wirkten Börsianern zufolge ein deutliches Plus der Industrie im europäischen Währungsraum, eine erfolgreiche Auktion langlaufender italienischer Staatsanleihen und eine Belebung der Einzelhandelsumsätze in den USA. An der Wall Street lag die Technologiebörse Nasdaq zum Handelsschluss in Europa 0,2 Prozent im Plus, der Dow-Jones-Index der Standardwerte hingegen 0,4 Prozent im Minus. Dem leichten Abschlag beim Dow war eine steile Rally vorausgegangen, die nach Meinung von Börsianern noch nicht vorbei ist. Die aktuelle Bewegung sei als Atemholen zu interpretieren.

"Wir erleben gerade eine paradoxe Situation", sagte Analyst Nicolas Cheron vom Brokerhaus FXCM. "Bei den europäischen Indizes sehen wir eine Phase einer nach wie vor sehr fragilen Kurserholung, wohingegen die US-Indizes zur selben Zeit auf Viel-Jahres-Hochs klettern." Ein eindeutiger Trend werde sich wohl erst abzeichnen, wenn Konjunkturdaten auch eindeutige Signale senden. "Ich wäre nicht überrascht, wenn es zunächst an den europäischen Märkten noch ein Stück nach unten geht."

DISKUSSION ÜBER ABWERTUNGSWETTLAUF BESCHÄFTIGT DEVISENMARKT

Am Devisenmarkt blieb die Diskussion um einen internationalen Abwertungswettlauf Thema Nummer Eins. "Jeder hätte gern eine schwächere Währung, aber das ist ein Null-Summen-Spiel", kommentierte Commerzbank-Volkswirt Peter Dixon die jüngsten Schlagzeilen. "Wenn man den Yen abschwächt, hat jemand anderes mit einer dann stärker werdenden Währung zu kämpfen." Nachdem sich die sieben führenden Industrieländer am Vortag für freie Wechselkurse ohne politische Einflussnahme ausgesprochen hatten, verunsicherten immer neue Stimmen am Mittwoch die Anleger und sorgten für eine Berg- und Talfahrt bei Dollar, Yen und Euro.

Bis zum Abend beruhigte sich das Geschäft: Die Gemeinschaftswährung notierte um 1,3435 Dollar und damit knapp unter dem Vortagesschluss, Japaner mussten für einen Dollar etwas mehr als 93 Yen zahlen - ebenfalls in etwa so viel wie 24 Stunden zuvor.

ÜBERNIMMT VODAFONE KABEL DEUTSCHLAND?

Für Wirbel am hiesigen Aktienmarkt sorgten die Schlagzeilen rund um Vodafone und Kabel Deutschland. Nach Informationen von Insidern prüft der britische Mobilfunkriese ein Übernahmeangebot für den hierzulande größten Kabelnetzbetreiber. Entschieden sei aber noch nichts. Börsianer sagten, ein solcher Schritt könnte sinnvoll sein - "weg vom margenschwachen Mobilfunkgeschäft hin zu stabilen Erträgen aus dem Kabelgeschäft". Aktionäre von Kabel Deutschland reagierten euphorisch: Die Titel schnellten um bis zu 14,4 Prozent auf 72,75 Euro hoch. Vodafone-Anleger blieben dagegen zurückhaltend, die Aktien gingen ein Prozent niedriger aus dem Handel.

Übernahmespekulationen befeuerten auch die Anteilsscheine von Loewe: "Angeblich will Apple etwa vier Euro je Loewe-Aktie bieten", sagten mehrere Händler. Loewe-Aktien schossen um bis zu 45 Prozent nach oben. Sie verabschiedeten sich 23,2 Prozent höher bei 3,35 Euro. DZ-Bank-Analyst Thomas Maul gab - wie etliche Börsianer - dennoch nicht viel auf das Gerücht: Die Produktionskapazitäten und das Vertriebsnetzwerk von Loewe seien für Apple viel zu klein. Die Aktien des IT-Konzerns notierten in New York 0,5 Prozent höher.

SOCIETE-ZAHLEN LASTEN AUF FINANZWERTEN

Einen großen Bogen machten Anleger um Finanzwerte, nachdem Societe Generale und ING mit ihren Zahlen enttäuscht hatten. Die französische Bank schrieb angesichts der Schwäche in der Euro-Zone im vierten Quartal rote Zahlen und kündigte weitere Kostensenkungen an. Die Titel verbilligten sich um 3,6 Prozent. Die ING schließt ihr Filialgeschäft in Belgien und den Niederlanden und streicht im Zuge dessen 2400 Stellen. Anleger fanden das wenig vertrauenerweckend und sorgten für einen vierprozentigen Kursverlust der Aktien.

COMCAST-ÜBERNAHME GEFÄLLT ANLEGERN

Zuversicht verbreitete dagegen Peugeot Citroen: Der Opel-Partner sieht sich nach dem höchsten Jahresverlust der Firmengeschichte am Tiefpunkt angekommen und will mit Einsparungen aus der Misere fahren. Anleger wollten es gern glauben und schickten die Aktien um 7,3 Prozent nach oben.

Auch Heineken gab sich optimistisch. Der niederländische Brauerei-Konzern hat im vergangenen Jahr dank guter Geschäfte in Afrika und in Nord- und Südamerika mehr Gewinn eingefahren als erwartet und geht davon aus, den Erfolgskurs im laufenden Jahr fortzusetzen. Die Aktien stiegen in der Spitze um 5,9 Prozent auf ein Rekordhoch von 55 Euro.

An der Wall Street waren Comcast besonders stark gefragt und legten um 5,2 Prozent zu. Der führende US-Netzbetreiber übernimmt für 16,7 Milliarden Dollar die volle Kontrolle beim Medienkonzern NBC Universal. Comcast kauft dafür die 49-Prozent-Beteiligung des Mischkonzerns General Electric. Dessen Aktien verteuerten sich um knapp drei Prozent.

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