Konjunkturpessimismus und Währungsdebatte belasten Börsen | Reuters
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Markte | Freitag, 15. Februar 2013, 18:03 Uhr

Konjunkturpessimismus und Währungsdebatte belasten Börsen

Frankfurt Die Furcht vor einer lang anhaltenden Rezession in Europa und die Diskussion um einen drohenden Währungskrieg haben die Anleger an den internationalen Börsen am Freitag beunruhigt.

Viele blickten auf das Finanzminister- und Notenbanker-Treffen der 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G20) in Moskau und warteten vor allem auf Aussagen zum Thema Wechselkurse. Überraschend gute Konjunkturdaten aus den USA stützten die Aktienkurse nur kurz.

"Der Euroraum steckt in der Rezession fest", schrieben die Analysten der National-Bank mit Blick auf die enttäuschenden europäischen Konjunkturdaten vom Vortag. Die allseits für die zweite Jahreshälfte prognostizierte Erholung werde voraussichtlich bis zum vierten Quartal auf sich warten lassen. "Und die erhoffte Wachstumsrate dürfte gerade einmal ganz leicht über der Null-Marke liegen", fügten sie hinzu. "Der Weg aus Krise und Wachstumsschwäche ist noch weit."

Ein Aktienhändler wies auf einen weiteren Aspekt hin. "Die Abwertungsdebatte beim G20-Treffen ist zwar hauptsächlich ein Thema für den Devisenmarkt, aber wenn der Euro inzwischen rund 15 US-Cent teurer ist als noch im Sommer, dann wird das für unsere Exporteure irgendwann auch ein Thema."

Die Bank von Japan (BoJ) soll nach dem Willen des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe ihre Geldschleusen bis zum Anschlag öffnen, um Konjunkturprogramme zu finanzieren. Gleichzeitig soll damit der Wechselkurs des Yen gedrückt werden, um der exportabhängigen japanischen Wirtschaft unter die Arme zu greifen.

Vom G20-Treffen erwartet Commerzbank-Analystin Carolin Hecht lediglich "weichgespülte" Aussagen zur Wechselkurs-Entwicklung. Aber: "Solange die Industrienationen dieser Welt weiter kein nennenswertes Aufwärtsmomentum bei ihren Wachstumsraten vorweisen können und sich die Geldpolitik mit Nullzinsen und ineffektivem geldpolitischen Stimulus als impotent erweist, dürfte das Thema Abwertungswettlauf kaum an Faszinationskraft verlieren."

AKTIENMÄRKTE STABIL - YEN UND EURO TIEFER

Dax und EuroStoxx50 verabschiedeten sich mit einem Minus von jeweils etwa einem halben Prozent bei 7593,51 und 2615,26 Punkten in den Feierabend. Der Kursverlust im Vergleich zur Vorwoche bewegte sich in derselben Größenordnung. An der Wall Street notierten Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 knapp unter ihren Schlusskursen vom Vortag.

Der besser als erwartet ausgefallene Konjunkturindex der Federal Reserve Bank von New York sowie das überraschend starke US-Verbrauchervertrauen halfen dem Aktienmarkt kaum. Die US-Konjunktur erhole sich nach wie vor nur schleppend, betonte Eric Stein, der bei Eaton Vance Investment Managers die Anlage-Entscheidungen verantwortet.

Am Devisenmarkt gab der Yen nach. Der Dollar verteuerte sich auf 93,63 und der Euro auf 125,07 Yen. Der Euro kostete nach einem vorübergehenden Durchhänger als Reaktion auf die schwachen europäischen Konjunkturdaten am Abend mit 1,3359 Dollar ungefähr so viel wie zum New Yorker Vortagesschluss.

COMMERZBANK IM AUFWIND - PPR GLÄNZT MIT BILANZ

Zu den Favoriten im Dax zählte die Commerzbank mit einem Kursplus von 1,2 Prozent auf 1,49 Euro. Die vorgelegten Zahlen und der Ausblick für 2013 vermochten zwar keine Begeisterung auszulösen, sagten Börsianer. Positiv sei allerdings die Aussage von Finanzvorstand Stephan Engels, die Eigenkapitalquote werde 2013 "komfortabel über neun Prozent" liegen.

In Paris stiegen die Titel des Luxusgüter-Herstellers PPR zeitweise auf ein Rekordhoch von 174,75 Euro und schlossen 7,6 Prozent höher bei 172 Euro. Die Töchter Gucci und Bottega Veneta machten den Gewinneinbruch ihrer Schwester Puma mehr als wett. Im MDax retteten sich die Aktien der Herzogenauracher Sportartikel-Firma nach einem anfänglichen fünfprozentigen Kursrutsch ins Plus und gewannen 0,8 Prozent auf 234,05 Euro. Im Fahrwasser des PPR-Kurssprungs gewann Konkurrent LVMH 0,8 Prozent.

An der Wall Street gewannen Burger King 2,3 Prozent auf 16,96 Dollar. Die Schnell-Restaurant-Kette hatte dank des Verkaufserfolgs seiner Mini-Zimtschnecken und Lebkuchen-Shakes im vergangenen Quartal ein Ergebnis über Markterwartungen vorgelegt. Die Titel des Erz-Rivalen McDonald's gewannen 0,6 Prozent.

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