G20-Kompromiss lässt Europa-Anleger kalt | Reuters
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Markte | Montag, 18. Februar 2013, 16:00 Uhr

G20-Kompromiss lässt Europa-Anleger kalt

Frankfurt Beschwichtigende Äußerungen der G20 in der Wechselkursdebatte haben die Investoren am Montag relativ kalt gelassen.

Ungerührt setzten sie ihre Yen-Verkäufe fort, beim Euro tat sich dagegen kaum etwas. "Wie zu erwarten war, gab es keine Entschließung der G20, die in Richtung einer nennenswerten internationalen Politikkoordination zielen würde", sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. "Aber wie immer bei solchen Ereignissen waren alle Beteiligten groß darin, das Nicht-Ergebnis medienwirksam aufzubauschen." Die G20 hatten sich in ihrer Abschluss-Erklärung gegen Wechselkursziele ausgesprochen und damit die Debatte um einen Abwertungswettlauf im Keim zu ersticken versucht.

Zum Dollar verlor der Yen 0,4 Prozent an Wert, zum Euro 0,25 Prozent. Die Gemeinschaftswährung hielt sich dagegen zum Greenback unverändert um 1,3360 Dollar. Japan ist in den vergangenen Wochen in die Kritik geraten, weil die Notenbank des Landes die Geldschleusen bis zum Anschlag öffnen will. Damit sollen milliardenschwere Konjunkturprogramme finanziert und der Wechselkurs des Yen gedrückt werden. Letzteres macht die Produkte der exportabhängigen japanischen Unternehmen international wettbewerbsfähiger.

SCHULDENKRISE RÜCKT WIEDER INS BEWUSSTSEIN DER ANLEGER

Europäische Aktienanleger richteten ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Probleme vor der eigenen Haustür: Die am Sonntag beginnende Parlamentswahl in Italien schürt wegen der zunehmenden Popularität von Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi die Angst der Investoren vor einem Reform-Stopp, in Spanien belastet der Korruptionsskandal um Ministerpräsident Mariano Rajoy die Wirtschaft, und Frankreich sieht sich nicht in der Lage, die angepeilten Wachstumsziele zu erreichen.

In dieser Stimmung gab der EuroStoxx50 um 0,2 Prozent nach auf 2610 Punkte. Der italienische und der spanische Leitindex lagen jeweils 0,6 Prozent im Minus, und die französische Börse notierte nahezu unverändert. Lediglich der Dax schaffte es, sich mit einem Plus von 0,2 Prozent auf 7609 Zähler vom negativen Trend etwas abzuheben.

"Die Euphorie vom Jahresanfang, als jeder dachte, die Schuldenkrise liegt hinter uns, ist vorbei", sagte ein Händler. "Jetzt zieht Normalität ein, und die jüngsten Konjunktur- und Unternehmensdaten werden erst einmal verdaut."

An der Wall Street bleibt die Börse wegen eines Feiertags am Montag geschlossen.

ÜBERNAHMESPEKULATIONEN TREIBEN KABEL DEUTSCHLAND

Am deutschen Aktienmarkt sorgten Spekulationen über ein kurz bevorstehendes Übernahme-Angebot von Vodafone für ordentliche Kursgewinne von Kabel Deutschland. Sie setzten sich mit einem Plus von 3,8 Prozent an die Spitze des Nebenwerte-Index MDax. Einer Meldung der Nachrichtenagentur "Bloomberg" zufolge will das Management des britischen Mobilfunk-Konzerns noch die Quartalszahlen des deutschen Kabelnetzbetreibers am Mittwoch abwarten.

Stark gefragt waren auch Air Berlin und Lufthansa. Die Papiere der beiden Fluggesellschaften stiegen nach Kaufempfehlungen der Deutsche Bank um 9,5 beziehungsweise 1,2 Prozent. Für Gesprächsstoff am Markt sorgte die Nachricht vom Tod des Metro-Gründers und -Großaktionärs Otto Beisheim. Die Aktien der Einzelhandelskette drehten zunächst ins Minus. Nach der Ankündigung der Beisheim-Gruppe, wonach keine Verkäufe der knapp zehnprozentigen Metro-Beteiligung geplant seien, zogen die Titel wieder an und schafften es 0,2 Prozent ins Plus.

An der Börse in Kopenhagen brachen Carlsberg trotz eines 17-prozentigen Anstiegs des operativen Gewinns um bis zu sieben Prozent auf 560,50 dänische Kronen ein. Mit 2,15 Milliarden Kronen (288 Millionen Euro) war der Betriebsgewinn hinter den Markterwartungen zurückgeblieben. Außerdem schraubte der dänische Bierbrauer, der in Deutschland auch Produkte der Marke Holsten und Astra vertreibt, seine Renditeziele zurück.

Der niederländische Logistikkonzern TNT Express profitierte von der Ankündigung eines Sparprogramms mit einem Kursplus von 4,6 Prozent. Unter anderem will der Post-Rivale Unternehmensteile in China und Brasilien verkaufen. Stellenstreichungen sind möglich.

MÖGLICHES BERLUSCONI-COMEBACK MACHT ANLEGER UNRUHIG

Aus Sorge vor einem politischen Comeback von Berlusconi trennten sich einige Bond-Anleger von ihren italienischen Staatsanleihen. Die Rendite der zehnjährigen Titel stieg auf 4,428 Prozent von 4,373 Prozent am Freitag. Ihre spanischen Pendants standen ebenfalls unter Verkaufsdruck. Hier zogen die Renditen auf 5,269 von 5,198 Prozent an. Die geplanten milliardenschweren Einsparungen in Spanien könnten voraussichtlich nicht rechtzeitig umgesetzt werden, um sich bereits im Haushalt für 2013 positiv bemerkbar zu machen, schrieben die Analysten der Royal Bank of Scotland (RBS) in einem Kommentar.

Auf ihrer Suche nach einem "sicheren Hafen" nahmen Anleger Kurs auf Bundesanleihen. Der Bund-Future legte 44 Ticks auf 142,78 Punkte zu.

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