Edition:
Deutschland
Markte | Dienstag, 19. Februar 2013, 17:52 Uhr

Börsianer vertrauen auf Wachstumslokomotive Deutschland

Frankfurt Überraschend optimistische Konjunkturerwartungen für Deutschland haben Investoren am Dienstag zu Aktienkäufen animiert.

Der Dax ging 1,6 Prozent höher bei 7752 Punkten aus dem Handel, das ist der höchste Schluss seit zwei Wochen. Der EuroStoxx50 legte um 1,8 Prozent auf 2664 Punkte zu.

Vom Mannheimer Zentrum für Wirtschaftsforschung (ZEW) zur absehbaren konjunkturellen Entwicklung der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone befragte Anleger und Analysten waren im Februar so zuversichtlich gestimmt wie seit April 2010 nicht mehr. "Die Finanzmarktexperten haken das schwache vierte Quartal 2012 ab", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Sie gingen davon aus, dass der deutschen Wirtschaft der durch die Euro-Krise verursachte Gegenwind inzwischen weniger stark ins Gesicht blase als noch vor wenigen Monaten.

Die Hoffnung auf eine wieder in Fahrt kommende Wachstumslokomotive Deutschland übertrug sich auf andere Börsen. So schaffte der französische Leitindex ein Plus von 1,9 Prozent, und die Börsen in Mailand und Madrid legten um 1,6 und 1,4 Prozent zu.

ÜBERNAHME-FANTASIEN BELEBEN WALL STREET

"Der Markt befindet sich derzeit in einer Art Patt-Situation", sagte ein Händler. "Konjunkturhoffnung und billiges Geld geben Rückenwind." Als Dämpfer kämen aber immer wieder die Schuldenkrise, der Währungskrieg oder die US-Haushaltskrise ins Spiel. "In diesem Umfeld ist die Gefahr ziemlich gering, dass die Kurse durch die Decke gehen."

Anleger in den USA nahmen nach dreitägiger Pause die Geschäfte recht gut gelaunt wieder auf. Angespornt von Übernahmefantasien stieg der Dow-Jones-Index der Standardwerte bis zum europäischen Handelsschluss um 0,3 Prozent auf 14.025 Zähler. Er setzte damit seine seit sieben Wochen andauernde Gewinnserie fort. Die Technologiebörse Nasdaq rückte ebenfalls um 0,3 Prozent vor. Im Fokus stand eine mögliche Groß-Fusion zweier Büroartikel-Händler. Der Branchenzweite Office Depot verhandelt nach Reuters-Informationen eine Fusion mit dem kleineren Rivalen OfficeMax. Der Deal könnte noch im Lauf der Woche bekanntgegeben werden, hieß es. Anleger reagierten begeistert: Die Aktien der Firmen schnellten in der Spitze um jeweils mehr als 30 Prozent nach oben.

INFINEON ÜBERZEUGT MIT NEUER FERTIGUNGSTECHNIK

Hierzulande sorgte der Einstieg eines Baustoff-Milliardärs beim Stahlhändler KlöCo für Furore. Der Dortmunder Unternehmer Albrecht Knauf erklärte, sein Firmen-Imperium im Stahlhandel voranbringen zu wollen. Die Beteiligung von fast acht Prozent an Klöckner & Co sei eine strategische Investition. KlöCo-Anleger schwelgten in Übernahmefantasien und hievten den Kurs um 15,7 Prozent nach oben auf 10,88 Euro, den höchsten Stand seit April 2012.

Auf ein ebenfalls sattes Kursplus von 5,8 Prozent schaffte es der Anlagen- und Maschinenbauer Dürr dank einer kräftigen Erhöhung der Dividende.

Im Dax konnten Infineon-Aktien ein Plus von 4,7 Prozent vorweisen. Anleger honorierten die Einführung einer neuen Fertigungstechnik des Halbleiter-Herstellers, die dem Konzern mittelfristig einen Renditeschub bringen kann. Bayer profitierten Händlern zufolge von einem positiven Kommentar der UBS und stiegen um 3,6 Prozent.

In Paris setzten sich Danone nach überraschend starken Umsatzzahlen mit einem Plus von 5,9 Prozent an die Spitze des CAC40. Im Schlepptau stiegen die Aktienkurse der Rivalen Nestle und Unilever um 1,6 und 1,8 Prozent.

ABSAGE AN AUSLÄNDISCHE BOND-KÄUFE STÄRKT YEN

Am Devisenmarkt drehte sich nach wie vor alles um die Abwertungspolitik Japans zur Ankurbelung der heimischen Exportwirtschaft. Nachdem Finanzminister Taro Aso beteuerte, sein Land plane keinen Ankauf ausländischer Staatsanleihen, zog der Yen spürbar an. Erst am Vortag hatte Ministerpräsident Shinzo Abe dies als eine Option im Kampf gegen die flaue Konjunktur bezeichnet. Zum Dollar gewann der Yen 0,4 Prozent, zum Euro 0,3 Prozent.

Das Währungspaar Euro-Dollar hielt sich stabil, die Gemeinschaftswährung war zu 1,3360 Dollar zu haben.

X