Markte | Mittwoch, 20. Februar 2013, 18:12 Uhr

Kauflust am Aktienmarkt verfliegt kurz vor Italien-Wahl

Frankfurt Die Kauflust der Aktienanleger ist am Mittwoch verflogen.

Der Dax beendete den Handel 0,3 Prozent im Minus bei 7729 Zählern. Auch beim EuroStoxx50 machten Investoren Kasse und zogen den Index um 0,8 Prozent nach unten auf 2640 Zähler. Am Vortag hatten die Indizes dank optimistischer Konjunkturerwartungen für Deutschland satte Gewinne verbucht.

"Der Fokus der Investoren richtet sich jetzt auf die Wahl in Italien", sagte Robert Halver, der für die Baader Bank die Kapitalmarktanalyse leitet. Die große Unsicherheit sei, wie es mit der Reformpolitik des Landes weitergehe. Die Italiener entscheiden Sonntag und Montag über ihre neue Regierung, und es scheint möglich, dass Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi es noch einmal an die Macht schafft. Der 76-Jährige ist gegen etliche Reformvorhaben. Er hat der EZB erst jüngst ein Versagen ihrer Krisenpolitik vorgeworfen und sogar schon über einen Austritt Italiens aus dem Euro spekuliert. "Schlimmstenfalls könnte der Berlusconi-Effekt den Draghi-Effekt überlagern", so Halver. Notenbankchef Mario Draghi hatte im Sommer mit seiner Aussage, alles Nötige zur Rettung des Euro zu tun, eine monatelange Börsen-Rally in Gang gesetzt.

LUFTHANSA ERSCHRECKT MIT STREICHUNG DER DIVIDENDE

Am deutschen Aktienmarkt sorgte die Dividendenstreichung der Lufthansa für Wirbel. Anleger stießen die Aktien ab und verursachten so einen 6,2-prozentigen Kursrutsch. Börsianer sprachen von einer "bösen Überraschung". DZ Bank und Equinet bekräftigten dennoch ihre Kaufempfehlungen. Lufthansa sei mit den Restrukturierungen auf dem richtigen Weg, sagte Equinet-Analyst Jochen Rothenbacher.

Gesucht waren dagegen HeidelbergCement, die um knapp zwei Prozent stiegen. Zum einen wirkte sich eine Kursziel-Anhebung der Citigroup positiv aus. Zum anderen animierte der Zwischenbericht des weltgrößten Zementherstellers Lafarge die Anleger zum Kauf. Die Franzosen rechnen für das laufende Jahr mit einem Marktwachstum von einem bis vier Prozent, wovon auch die Konkurrenz profitieren dürfte. Die in Paris gelisteten Lafarge-Aktien verteuerten sich um 5,8 Prozent.

CREDIT AGRICOLE STELLT POSITIVES ERGEBNIS IN AUSSICHT

Zu den großen Gewinnern im französischen CAC40 zählten auch die Titel der Credit Agricole mit einem Plus von 3,9 Prozent. Das Institut hat im vergangenen Jahr 6,5 Milliarden Euro Verlust geschrieben - das schlechteste Ergebnis seit dem Börsengang vor elf Jahren. Anleger konzentrierten sich nun darauf, dass im laufenden Jahr ein "signifikant positives" Ergebnis angepeilt werde.

An der Börse in Amsterdam bot das Telekom-Unternehmen KPN Gesprächsstoff. Milliardär und Großaktionär Carlos Slim hat dem Konzern Rückendeckung gegeben und angekündigt, sich an der geplanten Kapitalerhöhung zu beteiligen. Den knapp zehnprozentigen KPN-Kursrutsch begründeten Börsianer mit absehbaren Verwässerungseffekten.

WALL STREET WARTET AUF FED-PROTOKOLL

Die US-Börsen lagen zum europäischen Handelsschluss ebenfalls im Minus. Anleger warteten auf das Protokoll der jüngsten Sitzung des für die Zinspolitik zuständigen Offenmarktausschusses der US-Notenbank Fed, das im weiteren Handelsverlauf veröffenlicht werden soll. Sie erhofften sich davon Hinweise auf die weitere Geldpolitik. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte lag 0,2 Prozent niedriger, die Technologiebörse Nasdaq 0,5 Prozent.

Bei den Einzelwerten standen erneut die Büroartikel-Händler im Mittelpunkt. Office Depot teilte mit, für knapp 1,2 Milliarden Dollar den kleineren Konkurrenten OfficeMax zu übernehmen und bestätigte damit entsprechende Spekulationen am Markt. Die Aktien des Branchenzweiten fielen um zehn Prozent, die Papiere von OfficeMax notierten 0,7 Prozent niedriger. Am Vortag waren beide Titel nach oben geschnellt.

STEIGENDE EXPORTE AUS SAUDI-ARABIEN DRÜCKEN ÖLPREIS

Ordentlich Bewegung kam am Nachmittag am Rohstoffmarkt auf, wo die Aussicht auf steigende Exporte aus Saudi-Arabien den Preis für die amerikanische Öl-Sorte WTI um mehr als zwei Prozent auf 93,92 Dollar sinken ließ. Die europäische Sorte Brent verbilligte sich um ein Prozent auf 115,05 Dollar.

Auch die Edelmetall-Preise setzten zur Talfahrt an. Gold und Silber waren so günstig wie seit einem halben Jahr nicht mehr. Gold kostete pro Feinunze noch 1578 Dollar, Silber 28,45 Dollar. "Immer weniger Geld findet seinen Weg in den Goldmarkt", sagte Rohstoffanalyst Tobias Merath von der Credit Suisse. Seit ein paar Jahren hänge die Entwicklung des Goldpreises zunehmend von der allgemeinen Marktstimmung ab. Und zuletzt seien andere Anlageklassen für die nicht mehr so stark auf Sicherheit bedachten Investoren immer attraktiver geworden.

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