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Markte | Donnerstag, 21. Februar 2013, 18:42 Uhr

Verunsicherung an Märkten - Dax verliert deutlich

Frankfurt An den Finanzmärkten in Europa und den USA haben am Donnerstag die Pessimisten den Ton angegeben.

Neben der möglichen Abkehr der US-Notenbank Fed von ihrer ultralockeren Geldpolitik fürchteten die Anleger eine lahmende Konjunktur auf beiden Seiten des Atlantiks sowie ein Comeback des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi bei den bevorstehenden Parlamentswahlen.

In dieser Gemengelage schloss der Dax 1,9 Prozent niedriger bei 7583,57 Punkten. Der EuroStoxx verlor 2,3 Prozent auf 2580 Zähler. In Mailand gab der Leitindex sogar 3,1 Prozent nach. An den US-Börsen notierte der Dow-Jones-Index 0,4 Prozent niedriger bei 13.873 Zählern. Der S&P 500 verlor 0,6 Prozent auf 1503 Punkte. Der Technologie-Index Nasdaq sackte um 0,8 Prozent auf 3138 ab.

Neben der Unsicherheit über das weitere Vorgehen der Fed sorgten an der Wall Street durchwachsen ausgefallene Wirtschaftsdaten für schlechte Stimmung. So rutschte der Konjunkturindex der Federal Reserve von Philadelphia im Februar um 12,5 Punkte ab - Analysten hatten mit einem Anstieg gerechnet. Zudem meldeten sich in der vergangenen Woche mehr US-Amerikaner erstmals arbeitslos als angenommen. Der Absatz bestehender Eigenheime lag im Januar allerdings über den Erwartungen.

Börsianern zufolge erhöhten die Daten die Verunsicherung der Anleger. Denn schlechte Konjunkturzahlen aus den USA könnten die Fed davon abbringen, an der extrem lockeren Geldpolitik etwas zu ändern. "Die Anleger stecken in einem Zwiespalt", sagte ein Händler. "Entweder signalisieren derartige Daten, dass die Fed die Märkte weiter mit Geld fluten wird, um die Wirtschaft anzukurbeln. Oder sie zeigen, dass die US-Wirtschaft länger braucht, um wieder auf die Beine zu kommen."

Aus dem am Mittwochabend veröffentlichten Protokoll der Januar-Sitzung der Fed war hervorgegangen, dass einige Notenbanker Zweifel an Sinn und Wirksamkeit der aktuellen Geldpolitik hegen und eine Drosselung oder eine Einstellung des Anleihekaufprogramms für möglich halten.

Neben der Fed und den US-Daten verpassten auch die Umfragen des Markit-Instituts unter Einkaufsmanagern in Europa den Anlegern einen Dämpfer. Danach beschleunigte die Privatwirtschaft in der Euro-Zone im Februar überraschend ihre Talfahrt. Der Euro büßte zum späten Handel in New York zeitweise einen US-Cent ein und notierte später bei 1,3209 Dollar.

Auch die Angst vor einer Rückkehr Berlusconis bei den Wahlen am Sonntag und Montag in Italien belastete die Märkte. "Sollte der Cavaliere tatsächlich in Rom wieder an die Macht oder auch nur in ihre Nähe kommen, wird das nicht nur den italienischen Anleihen den Garaus machen. Dann wird die ganze Euro-Zone abgestraft und die Aktienkurse dürften in den Keller rauschen", sagte ein Börsianer. Berlusconi will viele Reformen zurückdrehen. In den jüngsten Umfragen Anfang Februar lag die Mitte-Links-Allianz von Pier Luigi Bersani vorne. Aber Berlusconis Mitte-Rechts-Bündnis gewinnt an Zustimmung, und wegen des großen Anteils unentschlossener Wähler schließen einige seinen Wahlsieg nicht ganz aus.

REIN IN BUNDESANLEIHEN - RAUS AUS DEN ROHSTOFFEN

Gegen den Trend stemmten sich nur wenige Titel - im Dax lagen schlossen lediglich die weniger konjunkturabhängigen Werte Fresenius, FMC und Linde mit Aufschlägen, die allerdings jeweils unter einem Prozent lagen.

Europaweit standen die Aktien großer Bankhäuser auf den Verkaufszetteln. Anleger fürchteten, dass den Instituten die Unterstützung durch die Notenbanken wegbrechen könnte. Im Dax verloren Deutsche Bank und Commerzbank 2,9 beziehungsweise 2,7 Prozent. Der Bankenindex für die Euro-Zone schloss 3,4 Prozent schwächer.

Das Streben nach Sicherheit war auch am Rentenmarkt ablesbar: So standen Bundesanleihen hoch im Kurs. Der Bund-Future stieg um 106 Ticks auf 143,48 Punkte, während die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen auf rund 1,579 von 1,66 Prozent am Vortag sank.

An den Rohstoffmärkten suchten die Anleger ihr Heil in Gold. Der Preis für das Edelmetall stieg um 1,1 Prozent auf 1578 Dollar pro Feinunze, hatte allerdings am Vortag deutlich nachgegeben.

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