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Markte | Freitag, 22. Februar 2013, 17:55 Uhr

Ifo-Index hilft Europas Börsen - VW-Aktie stürzt ab

Frankfurt Ermuntert von der überraschend positiven Stimmung der deutschen Unternehmen haben Anleger am Freitag bei europäischen Aktien zugegriffen.

Ein zurückhaltender Ausblick und eine enttäuschende Dividende von Volkswagen dämpften die Stimmung am Nachmittag allerdings.

Finanzmarkt-Experte Richard Griffiths von Berkeley Futures wertete es als positive Signal, dass sich die Aktienmärkte nach ihrem rund zweiprozentigen Rückgang vom Vortag wieder etwas erholten. "Die Tatsache, dass Händler Rücksetzer zum Einstieg nutzen, zeigt, dass sie an eine Fortsetzung der weltweiten Konjunkturerholung glauben, auch wenn sie einige Zeit dauern wird", sagte Griffiths.

Die gute Stimmung in den deutschen Unternehmen habe den Optimismus verstärkt, betonte Kapitalmarktanalyst Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co. "Der Ifo ist ein sehr guter Indikator, auch für die Weltwirtschaft, weil er auch die Einschätzung vieler Export-Unternehmen widerspiegelt." Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Institutes stieg im Februar auf 107,4 Punkte. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit 105 Zählern gerechnet.

VW-AKTIE FÄLLT AUF ZWEIEINHALB-MONATS-TIEF

Am Nachmittag drehten VW-Aktien nach der Vorlage der Jahresbilanz deutlich ins Minus und brachen um bis zu 7,1 Prozent ein. Mit 163,55 Euro waren sie damit so billig wie zuletzt Anfang Dezember. "Die Dividende ist nicht der Knaller", kommentierte Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler, die geplante Ausschüttung von 3,56 Euro je Vorzugsaktie. "Ich hatte mit fünf Euro gerechnet. Beim Ausblick haben sich viele mehr versprochen, der Markt hat eine Zunahme des operativen Gewinns um zehn Prozent eingepreist." Das Unternehmen stellte dagegen für 2013 ein operatives Ergebnis auf Vorjahresniveau in Aussicht.

VW-Aktien schlossen sieben Prozent tiefer bei 163,80 Punkten und waren damit Schlusslicht um EuroStoxx50. In ihrem Sog gaben die Titel des größten VW-Aktionärs Porsche Holding um 5,1 Prozent auf 61 Euro nach.

DAX UND EUROSTOXX IM AUFWIND - BUND-FUTURE EBENFALLS FESTER

Vor diesem Hintergrund verabschiedete sich der Dax mit einem Plus von einem Prozent bei 7661,91 Punkten in den Feierabend. Dies entspricht in etwa auch seinem Wochengewinn. Der EuroStoxx50 legte sogar 1,9 Prozent auf 2628,81 Zähler zu. An der Wall Street standen die Zeichen ebenfalls auf Kauf. Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 notierten jeweils 0,4 Prozent fester. Der Euro lag dagegen am Abend mit 1,3165 Dollar unter seinem New Yorker Vortagesschluss.

Einige Anleger nahmen unterdessen Kurs auf den "sicheren Hafen" Bundesanleihe. Der Bund-Future legte 26 Ticks auf 143,64 Punkte zu. Grund hierfür war unter anderem die Prognose der EU-Kommission, dass sich die Euro-Zone 2013 nicht aus der Rezession befreien dürfte. Außerdem erwartet sie, dass Spanien und Frankreich ihre Defizit-Ziele verfehlen werden. Die Aktienindizes in Madrid und Paris folgten dennoch dem allgemeinen Aufwärtstrend und gewannen zwei beziehungsweise 2,3 Prozent.

BERLUSCONI ANTE PORTAS?

Der Leitindex der Mailänder Börse legte 1,4 Prozent zu, wobei die bevorstehende Parlamentswahl am Sonntag und Montag erneut für reichlich Diskussionsstoff sorgte. Börsianer befürchten bei einem politischen Comeback des ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi ein Abrücken Italiens von seinem Reformkurs. "Im schlimmsten Fall steht alles wieder in Frage - das italienische Sparprogramm und der hart errungene Fiskalpakt", sagte Marcard-Experte Rahn. "Ich glaube aber nicht, dass Berlusconi tatsächlich so hart agieren würde, wie er es jetzt verspricht."

SANIERUNGSKURS ZAHLT SICH FÜR HP AUS

An der Wall Street stachen die Aktien von Hewlett-Packard mit einem Kursplus von rund zehn Prozent heraus. Der Computerkonzern hatte auch dank seines Sanierungskurses am Vorabend ein Quartalsergebnis über Markterwartungen vorgelegt und mit dem Ausblick auf das laufende Vierteljahr ebenfalls positiv überrascht.

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