Markte | Mittwoch, 27. Februar 2013, 18:01 Uhr

Börsen gehen nach Italien-Schock auf Erholungskurs

Frankfurt Nach den Kursturbulenzen im Zuge der Italien-Wahl haben sich die Börsen in Europa und den USA am Mittwoch etwas beruhigt.

Dax und Euro stabilisierten sich, die Mailänder Börse schloss nach ihrem rund fünfprozentigen Absturz vom Dienstag 1,8 Prozent fester. Dass Italien bei einer Anleihe-Emission höhere Zinsen berappen musste, beeindruckte die Märkte kaum. Die Auktion sei insgesamt gut verlaufen, wenn man sich anschaue, in welch einem angespannten Umfeld sie stattgefunden habe, urteilte Analyst Luca Cazzulani von der UniCredit.

Unterstützung für die Börsen kam auch aus den USA, wo Notenbankchef Ben Bernanke die lockere Geldpolitik erneut verteidigte. Zudem stieg die Zahl der sich abzeichnenden US-Hausverkäufe im Januar stärker als erwartet. "Es liegt eine Menge Geld bereit, um in einen schwächeren Markt einzusteigen", begründete Investmentchef Peter Clark von Ingenious Asset Management die Kurserholung. Die Anleger erinnerten sich daran, dass sich die Börsen zuletzt gut entwickelt hätten und fassten deshalb wieder Mut.

Der Dax schloss ein Prozent fester bei 7675,83 Zählern. Die Umsätze lagen mit 2,7 Milliarden Euro allerdings deutlich unter denen der vergangenen beiden Handelstage. Der EuroStoxx50 gewann 1,5 Prozent auf 2611 Punkte. An der Wall Street stieg der Dow Jones mit den 30 Standardwerten um 0,7 Prozent auf 13.996 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 rückte um 0,8 Prozent auf 1509 Zähler vor. Der Nasdaq kletterte um ein Prozent auf 3160 Punkte.

Der Euro, der im Sog der italienischen Wahlen seit Montag rund zwei US-Cent eingebüßt hatte, notierte bei 1,3103 Dollar nach 1,3061 Dollar am Vorabend in New York.

In Italien zeichnete sich auch am zweiten Tag nach den Wahlen keine Zusammenarbeit zwischen den politischen Lagern ab, von denen keines in beiden Kammern des Parlaments über eine Mehrheit verfügt.

Am Rentenmarkt zogen die Kurse der zehnjährigen Bonds trotzdem leicht an, so dass die Rendite auf 4,81 von 4,90 Prozent am Vorabend rutschte. Doch blieben einige Anleger skeptisch und gingen mit dem Kauf von Bundesanleihen auf Nummer sicher. Der Bund-Future notierte mit 145,03 Punkten 13 Ticks höher.

Bei der ersten Versteigerung einer zehnjährigen Staatsanleihe nach der Italien-Wahl kletterte die Rendite auf 4,83 Prozent - und damit auf den höchsten Wert seit Oktober 2012. Im Januar hatten Investoren nur 4,17 Prozent verlangt. Allerdings blieb der Zins unter der psychologisch wichtigen Marke von fünf Prozent. Auch waren die Papiere bei Investoren gefragter als erwartet.

BANKENWERTE HOLEN IM HANDELSVERLAUF AUF

Die am Vortag arg gebeutelten Aktien der europäischen Banken machten im Handelsverlauf etwas Boden gut. Die Titel der Deutschen Bank drehten ins Plus und schlossen 1,5 Prozent fester, Commerzbank gewannen 1,2 Prozent. Der Stoxx-Banken-Branchen-Index legte sogar 2,1 Prozent zu.

Größte Gewinner waren im Dax die Autowerte. Daimler, Continental und Volkswagen schlossen mit Aufschlägen zwischen 2,8 und 2,1 Prozent. Die Werte waren in den vergangenen Tagen unter Druck geraten, bei VW hatten am Freitag ein verhaltener Ausblick und eine enttäuschende Dividende zu einem Kurseinbruch der Aktie geführt.

Daneben standen die im MDax gelisteten Aktien von Kabel Deutschland mit einem Abschlag von bis zu 5,4 Prozent im Fokus. Händler begründeten die Verluste mit einem Agenturbericht, die geplante Übernahme durch Vodafone liege auf Eis. Wie die Nachrichtenagentur Reuters von einem mit dem Vorhaben vertrauter Banker erfuhr, schätzt das Vodafone-Management einen Kauf von Kabel Deutschland aber immer noch als sinnvoll ein. Die Briten dächten aber derzeit über ihre Herangehensweise nach, nachdem der Plan öffentlich bekanntgeworden sei. "Es dauert einfach noch ein wenig länger", sagte der Insider. Die Titel von Kabel Deutschland schlossen 3,7 Prozent im Minus, die Aktien von Vodafone gewannen in London zwei Prozent.

In Paris und Frankfurt sorgte EADS für Furore: Die Aktien des Luft- und Raumfahrtkonzerns zogen nach der Vorlage von Geschäftszahlen und einer kräftigen Dividendenerhöhung um 6,5 Prozent an.

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