Markte | Donnerstag, 28. Februar 2013, 17:05 Uhr

Fed-Aussagen stützen Europas Börsen - Italien bremst

Frankfurt Das Bekenntnis des US-Notenbankchefs Ben Bernanke zu weiteren Konjunkturhilfen der Fed hat den europäischen Börsen am Donnerstag Auftrieb gegeben.

In der Hoffnung auf eine anhaltende Erholung der Weltwirtschaft griffen sie vor allem bei Aktien zu. Die schwierige Regierungsbildung im Krisenland Italien bremste den Anstieg allerdings.

"Es ist beruhigend, dass die Fed das 'Quantitative Easing' auf absehbare Zeit nicht zurückfahren wird", sagte Joe Rundle, Chef-Händler des Brokerhauses ETX Capital. Von "Quantitative Easing" sprechen Börsianer, wenn Notenbanken die Notenpresse anwerfen, um mit dem zusätzlichen Geld der Konjunktur unter die Arme zu greifen. Bernanke hat in einer Anhörung vor dem US-Kongress die ultra-lockere Geldpolitik seines Hauses verteidigt und damit vorangegangene Spekulationen zerstreut, denen zufolge die Fed früher als bislang gedacht ihre Anleihe-Käufe zurückfahren oder sogar ganz aufgeben könnte.

DAX SETZT ERHOLUNGSKURS FORT - EURO SCHWÄCHER

Vor diesem Hintergrund gewann der Dax 0,4 Prozent auf 7713 Punkte. Der Eurostoxx50 legte leicht auf 2613 Zähler zu. Die Terminkontrakte auf die US-Indizes deuteten auf eine behauptete Eröffnung der Wall Street hin. Die Aussicht auf billiges Notenbank-Geld gab auch dem Ölpreis Auftrieb. Die richtungsweisende Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich um 0,2 Prozent auf 112,20 Dollar je Barrel (159 Liter).

Der Leitindex der Mailänder Aktienbörse gab dagegen 0,3 Prozent nach und der Euro notierte mit 1,3130 Dollar auf dem Niveau des New Yorker Vortagesschlusses. In kommenden Wochen werde die instabile politische Lage in Italien für einige Verunsicherung an den Finanzmärkten sorgen, warnte Chris Turner, Chef-Devisenstratege der ING. "Es wird eine Menge politischer Kuhhandel bis zum 15. März geben, wenn sich das Parlament konstituiert."

Am Rentenmarkt stiegen Investoren dennoch erneut bei italienischen Anleihen ein. Die Rendite der richtungsweisenden Zehnjährigen Titel verringerte sich auf 4,78 Prozent von 4,805 Prozent am Vortag. Italien bekomme offenbar von den Märkten eine Verschnaufpause zugebilligt, sagte Analystin Fiona Cincotta vom Brokerhaus City Index. "Zumindest, so lange die bereits umgesetzten Reformen zurückdrehen." Der Bund-Future behauptete seine Kursgewinne der vergangenen Tage und notierte kaum verändert bei 145,14 Punkten.

BAYER-AUSBLICK KOMMT GUT AN - RBS NACH ZAHLEN AUF TALFAHRT

Bei den Unternehmen zählte Bayer zu den Favoriten im EuroStoxx50. Die vorgelegten Geschäftszahlen hätten zwar nicht überrascht, schrieb DZ Bank-Analyst Peter Spengler. Die mittelfristigen Ziele für 2015 lägen allerdings über seinen und den Markterwartungen. Daraufhin stiegen Bayer-Titel zeitweise auf ein Rekordhoch von 76,33 Euro und notierten am frühen Nachmittag noch 2,1 Prozent im Plus bei 75,41 Euro.

Die Papiere der British-Airways- und Iberia-Mutter IAG gewannen an der Londoner Börse trotz eines operativen Verlustes von 613 Millionen Euro 8,1 Prozent auf 239,7 Pence. Abzüglich der Sanierungskosten fiel das Minus aber geringer aus als befürchtet. Die Analysten von Investec lobten zudem den geplanten Sparkurs. Im Fahrwasser der IAG-Rally gewannen Lufthansa 3,6 Prozent.

Unter Verkaufsdruck stand dagegen die Deutsche Telekom, die 2012 einen Milliardenverlust einfuhr. Vor allem das DSL-Geschäft in Deutschland sei enttäuschend, monierte MM Warburg-Analyst Jochen Reichert. Die T-Aktie gab 0,7 Prozent auf 47,48 Euro nach.

Die Aktien der Royal Bank of Scotland (RBS) verloren angesichts eines milliardenschweren Verlustes 4,8 Prozent auf 330,2 Pence. Da hellte auch die Verdoppelung des operativen Gewinns und die Aussicht auf eine Dividende die Stimmung der Anleger nicht auf.

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