Ausgang der Italien-Wahl schickt Börsen auf Talfahrt | Reuters
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Markte | Dienstag, 26. Februar 2013, 14:06 Uhr

Ausgang der Italien-Wahl schickt Börsen auf Talfahrt

Frankfurt Das Schreckgespenst einer wieder aufflammenden Schuldenkrise sorgt nach dem unsicheren Ausgang der Wahl in Italien weltweit für Unruhe an den Börsen.

Aus Furcht vor einem Abrücken Italiens von seinem Spar- und Reformkurs warfen Anleger am Dienstag vor allem italienische Aktien und Anleihen aus ihren Depots. In deren Sog rauschten auch spanische Wertpapiere in die Tiefe. Dax und EuroStoxx50 verloren in der Spitze zwei beziehungsweise drei Prozent. Der Euro kostete mit 1,3095 Dollar rund zwei US-Cent weniger als zum EZB-Fixing am frühen Montagnachmittag.

"Das ist eine schöne Bescherung", kommentierte Stewart Richardson, der die Investitionsentscheidungen des Vermögensverwalters RMG verantwortet, die drohende politische Blockade im italienischen Parlament. "Es sieht nicht danach aus, dass wir eine arbeitsfähige Regierung bekommen." Ähnlich urteilte Commerzbank-Zinsstratege Michael Leister. "Wir stehen vor einem Patt mit allen Folgen für die Politik und die Reform-Fortschritte. Die Italiener haben klargemacht, dass sie keine Befürworter der Sparmaßnahmen und Struktur-Reformen sind, die für Italien mittelfristig notwendig sind."

Das reformorientierte Mitte-Links-Bündnis von Pier Luigi Bersani eroberte zwar mit hauchdünner Mehrheit das italienische Abgeordnetenhaus. Allerdings zeichnete sich in der gleichberechtigten zweiten Kammer, dem Senat, ein Patt mit dem Mitte-Rechts-Bündnis des ehemaligen Ministerpräsidenten und Sparkurs-Gegners Silvio Berlusconi ab. "Der Sieger heißt: Unregierbarkeit", titelte die römische Tageszeitung "Il Messagero" am Morgen nach der Wahl.

Volkswirt Tobias Blattner von Daiwa Securities sagte, er hoffe, dass eine Übergangsregierung zumindest das Wahlrecht reformieren und damit den Weg für einen neuen Urnengang frei machen könne. "Angesicht der langen Geschichte politischer Querelen um die überfällige Wahlrechtsreform ist dies aber alles andere als sicher."

AKTIENMÄRKTE UND EURO AUF TALFAHRT - ENDE NICHT IN SICHT

Vor diesem Hintergrund fiel der Leitindex der Mailänder Aktienbörse zeitweise auf ein Zweieinhalb-Monats-Tief von 15.530,14 Punkten und notierte am frühen Nachmittag noch 4,2 Prozent niedriger bei 15.660 Zählern. Parallel dazu brach der Terminkontrakt auf die italienischen Staatsanleihen in der Spitze um gut vier Prozent auf 107,89 Zähler ein. Das ist einer der größten Tagesverluste seiner Geschichte. Im Gegenzug stieg die Rendite für die zehnjährigen Bonds auf 4,79 Prozent von 4,371 Prozent am Vortag.

Italien riss die Börsen des ebenfalls hoch verschuldeten Spanien mit in die Tiefe. Der Leitindex Ibex verlor 2,5 Prozent und die Rendite der zehnjährigen Anleihen stieg auf 5,263 von 5,13 Prozent. Dax und EuroStoxx50 gaben 1,7 Prozent auf 7643 Punkte sowie 2,4 Prozent auf 2588 Zähler nach. Ein Ende der Talfahrt sei vorerst nicht in Sicht, betonte Terry Torrison, Geschäftsführer des monegassischen Brokerhauses McLaren Securities. "Die italienische Wahl hat kein klares Ergebnis gebracht und die Märkte hassen Unsicherheit."

Die Terminkontrakte auf die US-Indizes deuteten am Dienstag dagegen auf eine behauptete Eröffnung der Wall Street hin. Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 hatten schon am Vorabend als Reaktion auf das Wahlergebnis ins Minus gedreht und jeweils rund eineinhalb Prozent tiefer geschlossen.

Auf ihrer Suche nach einem "sicheren Hafen" nahmen Anleger unter anderem Kurs auf Bundesanleihen. Der Bund-Future legte mehr als einen vollen Punkt auf 144,70 Zähler zu. Einige Investoren flüchteten in die Weltleitwährung und verhalfen dem Dollar-Index zu einem Sechs-Monats-Hoch von 81,93 Stellen.

FINANZWERTE UNTER BESONDERS STARKEM VERKAUFSDRUCK

Europaweit waren die Finanzwerte, die üblicherweise besonders sensibel auf alle Nachrichten rund um die Schuldenkrise reagieren, die größten Verlierer. Der Index für die Banken der Euro-Zone rutschte um 4,3 Prozent ab. Schlusslicht war hier die italienische Bank Intesa Sanpaolo, deren Aktien um bis zu 12,2 Prozent einbrachen. Daraufhin verbot die italienische Börsenaufsicht bis einschließlich Mittwoch sogenannte Leerverkäufe von Intesa-Aktien. Dabei handelt es sich um Wetten auf einen weiteren Kursverlust.

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