Markte | Donnerstag, 31. Januar 2013, 19:09 Uhr

Aktienanleger machen Kasse - Deutsche Bank im Blick

Frankfurt Wegen wachsender Zweifel an einer Fortsetzung der Rally haben sich einige Anleger aus den europäischen Aktienmärkten verabschiedet.

Dabei drückten enttäuschende Bilanzen von Großkonzernen wie Shell oder Facebook auf die Stimmung. Bei der Deutschen Bank tröstete nur die deutliche Stärkung der Kapitaldecke Investoren über den Milliarden-Verlust im vierten Quartal hinweg. Die US-Konjunkturdaten boten am Nachmittag Licht und Schatten.

"Unglücklicherweise ergibt sich immer noch ein uneinheitliches Bild", sagte Jack Ablin, der bei der BMO Private Bank die Investitionsentscheidungen verantwortet. Daher bezweifle er ungeachtet einer Vielzahl von Konjunkturdaten und Firmenbilanzen, dass der Wille der Anleger zu weiteren Käufen derzeit vorhanden sei. Mike McCudden, Chef-Derivatehändler des Brokerhauses Interactive Investor, äußerte sich ähnlich und sagte weitere Gewinnmitnahmen voraus.

Der Anstieg der US-Konsumausgaben blieb im Dezember mit einem Plus von 0,2 Prozent hinter den Markterwartungen zurück. Darüber hinaus stieg die Zahl der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche stärker als gedacht. Für eine positive Überraschung sorgte hingegen der Konjunkturindex der Einkaufsmanager aus dem Großraum Chicago. Er stieg auf ein Neun-Monats-Hoch von 55,6 Punkten.

AKTIEN GEBEN NACH - KURZER HÖHENFLUG DES EURO

Dax und EuroStoxx50 verabschiedeten sich mit einem Minus von 0,5 Prozent bei 7776,05 Punkten beziehungsweise 1,1 Prozent tiefer bei 2702,98 Zählern in den Feierabend. An der Wall Street notierten Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 0,1 bis 0,2 Prozent schwächer.

Vor diesm Hintergrund nahmen einige Investoren Kurs auf den "sicheren Hafen" Staatsanleihen. Am Abend lagen der Bund-Future 45 Ticks im Plus bei 141,88 Zählern. Sein US-Pendant, der T-Bond-Future, notierte 10/32 höher bei 143-12/32 Punkten.

Das Chicagoer Stimmungsbarometer gab dem Euro vorübergehend Rückenwind. Die Gemeinschaftswährung stieg zeitweise auf ein 14-1/2-Monats-Hoch von 1,3593 Dollar. Offenbar wollten einige Anleger die Gelegenheit nutzen, die psychologisch wichtige Marke von 1,36 Dollar anzutesten, sagte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. Dafür reichte es dann doch nicht, am Abend lag der Euro bei 1,3583 Dollar.

DEUTSCHE BANK NACH ZAHLEN IM AUFWIND - SHELL TIEFER

Bei der Deutschen Bank währte der Schreck über den 2,2 Milliarden Euro-Verlust nur kurz. Analysten lobten durch die Bank den "beeindruckenden" Anstieg der Kernkapital-Quote. "Das sollte die Angst der Investoren vor einer Kapitalerhöhung lindern", schrieb Equinet-Analyst Philipp Häßler in einem Kommentar. Sein Kollege Andreas Pläsier von MM Warburg betonte, dank des schnelleren Aufbaus der Kapitaldecke schaffe sich das Geldhaus den Freiraum, mehr Geld in den Ausbau des Kerngeschäft zu stecken. Die Aktien der Deutschen Bank stiegen zeitweise auf ein Zehn-Monats-Hoch von 38,54 Euro und schlossen 2,9 Prozent fester bei 38,21 Euro. Damit waren sie Spitzenreiter im EuroStoxx50.

Mit Enttäuschung reagierten Anleger auf die Bilanz des britisch-niederländischen Ölkonzerns Royal Dutch Shell. Der Gewinn stieg zwar um 15 Prozent, blieb mit 5,6 Milliarden Dollar aber hinter der Markterwartung von 6,2 Milliarden Dollar zurück. Shell-Aktien verloren 2,8 Prozent auf 2249,46 Pence.

In den USA rutschten Facebook-Aktien um 2,8 Prozent auf 30,35 Dollar ab, obwohl das soziale Netzwerk seine Einnahmen durch Werbung auf Smartphones und Tablet-Rechnern auf 306 Millionen Dollar verdoppeln konnte. Anleger hätten jedoch mindestens 350 Millionen Dollar erwartet, schrieb Analyst Gene Munster von der Investmentbank Piper Jaffray.

Deutsche Post-Konkurrent UPS rutschte im vergangenen Quartal in die roten Zahlen und äußerte sich überraschend zurückhaltend zu den Aussichten für 2013. Die Papiere des US-Paketzustellers verloren daraufhin 1,9 Prozent. Deutsche Post büßten 1,1 Prozent ein.

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