Ausgang der Italien-Wahl schickt Börsen auf Talfahrt | Reuters
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Markte | Dienstag, 26. Februar 2013, 11:28 Uhr

Ausgang der Italien-Wahl schickt Börsen auf Talfahrt

Frankfurt Die drohende Blockade in Italien nach der Wahl hat an den Börsen Furcht vor einem Wiederaufflammen der europäischen Schuldenkrise ausgelöst.

Die Anleger warfen am Dienstag vor allem italienische Aktien und Anleihen aus ihren Depots. In deren Sog rauschten auch spanische Wertpapiere in die Tiefe. In Frankfurt verlor der Dax zeitweise mehr als zwei Prozent. Der Euro kostete mit 1,3111 Dollar rund zwei US-Cent weniger als zum EZB-Fixing am frühen Montagnachmittag.

"Die Krise ist zurück", brachten die Analysten der Royal Bank of Scotland (RBS) die Stimmung auf den Punkt. Ähnlich urteilte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. "Eine stabile Regierung, die eine konstruktive Europa-, Stabilitäts- und Reformpolitik durchsetzen könnte, ist nur schwer vorstellbar. Schon werden Neuwahlen diskutiert."

Das reformorientierte Mitte-Links-Bündnis von Pier Luigi Bersani eroberte zwar mit hauchdünner Mehrheit das italienische Abgeordnetenhaus. Allerdings zeichnete sich in der gleichberechtigten zweiten Kammer, dem Senat, ein Patt mit dem Mitte-Rechts-Bündnis des ehemaligen Ministerpräsidenten und Sparkurs-Gegners Silvio Berlusconi ab. "Der Sieger heißt: Unregierbarkeit", titelte die römische Tageszeitung "Il Messagero" am Morgen nach der Wahl.

AKTIENMÄRKTE UND EURO AUF TALFAHRT - CDS STEIGEN

Vor diesem Hintergrund fiel der Leitindex der Mailänder Aktienbörse um bis zu fünf Prozent auf ein Zweieinhalb-Monats-Tief von 15.530,14 Punkten. Parallel dazu brach der Terminkontrakt auf die italienischen Staatsanleihen gut vier Prozent auf 107,89 Zähler ein. Das ist einer der größten Tagesverluste seiner Geschichte. Im Gegenzug stieg die Rendite für die zehnjährigen Bonds auf 4,745 Prozent von 4,371 Prozent am Vortag.

Die drohende Unregierbarkeit Italiens nährte zudem die Zweifel der Anleger an der Zahlungsfähigkeit des Landes. So verteuerte sich die Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets italienischer Anleihen per Credit Defaul Swaps (CDS) um 45.000 auf 290.000 Euro.

Italien riss die Börsen des ebenfalls hoch verschuldeten Spanien mit in die Tiefe. Der Leitindex Ibex verlor 2,7 Prozent und die Rendite der zehnjährigen Anleihen stieg auf 5,296 von 5,13 Prozent.

Aber auch an den anderen europäischen Finanzmärkten war die Verunsicherung mit Händen zu greifen. Die beiden Volatilitätsindizes VDax und VStoxx, die die Nervosität der Anleger messen, schossen um 13 beziehungsweise 17,2 Prozent in die Höhe. Die ihnen zugrunde liegenden Leitindizes Dax und EuroStoxx50 verloren 1,9 Prozent auf 7624 Punkte sowie 2,5 Prozent auf 2585 Zähler. Zuvor hatte bereits die Börse in Tokio mit kräftigen Kursverlusten auf das Wahlergebnis reagiert.

Auf ihrer Suche nach einem "sicheren Hafen" nahmen Anleger unter anderem Kurs auf Bundesanleihen. Der Bund-Future legte mehr als einen vollen Punkt auf 144,62 Zähler zu. Gold war ebenfalls gefragt und verteuerte sich um bis zu 0,5 Prozent auf 1601,80 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Einige Investoren flüchteten in die Weltleitwährung und verhalfen dem Dollar-Index zu einem Sechs-Monats-Hoch von 81,93 Stellen.

FINANZWERTE UNTER BESONDERS STARKEM VERKAUFSDRUCK

Europaweit waren die Finanzwerte, die üblicherweise besonders sensibel auf alle Nachrichten rund um die Schuldenkrise reagieren, die größten Verlierer. Mit Kursverlusten zwischen 3,5 und 8,3 Prozent gehörten Deutsche Bank, Unicredit, BNP Paribas & Co. zu den Top Ten der EuroStoxx50-Verlierer. Der Index für die Banken der Euro-Zone rutschte um 4,6 Prozent ab.

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