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Ausland | Freitag, 9. Oktober 2009, 15:49 Uhr

US-Präsident Obama erhält Friedensnobelpreis 2009

Oslo US-Präsident Barack Obama wird für seinen Einsatz zur diplomatischen Konfliktlösung und für eine atomwaffenfreie Welt mit dem Friedensnobelpreis 2009 geehrt.

Obama erhalte die Auszeichnung "für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken", teilte das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo mit. Die überraschende Entscheidung für einen erst seit neun Monaten amtierenden Präsidenten rief weltweit Zustimmung, aber auch Skepsis hervor. Obama ließ erklären, er empfinde Demut angesichts der Ehrung.

Obama habe als Präsident eine neue Atmosphäre in der internationalen Politik geschaffen, begründete das Nobelkomitee seine Wahl aus der Rekordzahl von 205 Nominierungen. Er habe die Vereinten Nationen und andere internationale Institutionen wieder in den Mittelpunkt der Diplomatie gerückt. Selbst für die schwierigsten internationalen Konflikte seien nun Dialog und Verhandlungen die bevorzugten Lösungsinstrumente. Insbesondere habe Obamas Vision einer Welt ohne Atomwaffen den Verhandlungen über Abrüstung und Rüstungskontrolle einen kräftigen Schub gegeben. Auch in der Klimapolitik hätten die USA unter Obama eine konstruktive Rolle übernommen, und Demokratie und Menschenrechte würden durch seine Politik gestärkt.

"Nur sehr selten hat ein Mensch im gleichen Ausmaß wie Obama die Aufmerksamkeit der Welt gefesselt und seinem Volk Hoffnung auf eine bessere Zukunft gegeben", heißt es in der Begründung des Komitees. "Seine Diplomatie gründet auf der Vorstellung, dass diejenigen, die die Welt führen sollen, dies auf der Grundlage von Werten und Einstellungen tun müssen, die von der Mehrheit der Weltbevölkerung geteilt werden." Dies seien genau die Positionen, für die das Nobelkomitee seit 108 Jahren werbe.

MERKEL - ANSPORN FÜR ABRÜSTUNGSBEMÜHUNGEN OBAMAS

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einer "großartigen Auszeichnung", die Ansporn für die Abrüstungsbemühungen Obamas sein werde: "Es ist ihm in kurzer Zeit gelungen, weltweit einen neuen Ton zu setzen, Gesprächsbereitschaft zu schaffen." Der Chef der internationalen Atomenergiebehörde, Mohamed ElBaradei, erklärte, er könne sich keinen würdigeren Preisträger vorstellen. Obama habe binnen kurzer Zeit die Hoffnung auf eine friedliche Welt neu geweckt, sagte ElBaradei, der 2005 selbst den Friedensnobelpreis erhielt.

Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat sprach von einem guten Omen für Frieden im Nahen Osten. Sami Abu Suhr von der im Gazastreifen herrschenden militanten Hamas kritisierte dagegen, Obama müsse noch viel erreichen, bevor er eine Auszeichnung verdiene.

Der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow, Nobelpreisträger 1990, lobte die Auszeichnung als Stärkung für einen Politiker mit Vision, Engagement und politischem Willen. Die Stiftung des früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela erklärte, sie vertraue darauf, dass der Preis Obamas Verpflichtung auf Frieden und Armutsbekämpfung stärken werde.

Der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg nannte die Entscheidung überraschend und aufregend. Nun müsse sich zeigen, ob Obamas Bemühungen und Frieden und atomare Abrüstung Erfolg haben würden.

WERBEN FÜR ABRÜSTUNG UND EINE ATOMWAFFENFREIE WELT

Obama hatte im April in Prag erklärt, die USA strebten eine Welt ohne Atomwaffen an. Er verhandelt mit Russland über Abrüstung und hat den Plan aufgegeben, Teile eines Raketenabwehrschilds in Polen und Tschechien zu stationieren. Im September verabschiedete der Weltsicherheitsrat unter seinem Vorsitz einstimmig eine Resolution, in der die Atommächte zur Verschrottung ihrer Arsenale aufgerufen wurden.

Die Konfliktparteien im Nahen Osten drängt der US-Präsident zu entschlossenen Schritten für einen umfassenden Friedensschluss. Mit einer Rede in Kairo warb er im Juni um einen Abbau der Spannungen zwischen muslimischer Welt und Westen. Die Staaten Afrikas rief er zu größeren Eigenbemühungen im Kampf gegen Krieg, Korruption und Krankheiten auf.

Entscheidende Erfolge hat Obama bei großen internationalen Konflikten bislang aber nicht erreicht: Ein Durchbruch lässt im Nahost-Friedensprozess ebenso auf sich warten wie in den Atomverhandlungen mit dem Iran, dem der US-Präsident direkte Gespräche angeboten hat. In der Afghanistan-Politik steht Obama vor einer schwierigen und im eigenen Land heftig umstrittenen Entscheidung über die künftige Militärstrategie.

Obama ist der dritte hochrangige US-Politiker binnen eines Jahrzehnts, der mit dem Friedensnobelpreis geehrt wird: 2007 erhielt ihn der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore für sein Engagement zum Klimaschutz, 2002 Ex-Präsident Jimmy Carter, der einen Friedens zwischen Israel und Ägypten vermittelt hatte.

Der von Alfred Nobel gestiftete Preis wird seit 1901 jeweils am Todestag Nobels, dem 10. Dezember, in Oslo verliehen. Er ist mit zehn Millionen Schwedischen Kronen (972.000 Euro) dotiert.

- von Wojciech Moskwa -

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