11. August 2017 / 07:41 / vor einem Monat

HINTERGRUND-Nordkorea: rohstoffreich und wirtschaftsschwach

Soldiers walk in front of the Monument to the Foundation of the Workers' Party in Pyongyang, North Korea April 16, 2017. REUTERS/Damir Sagolj

Berlin (Reuters) - Nordkorea ist einer der am meisten abgeschotteten Staaten. “Verlässliche Handelsdaten sind in Nordkorea praktisch nicht erhältlich”, heißt es im Bundeswirtschaftsministerium, wenn man nachfragt.

Seit den 60er Jahren seien in absoluten Zahlen keine Statistiken mehr herausgegeben worden. Das Land ist zwar reich an Bodenschätzen - etwa Gold oder seltene Metalle - aber wirtschaftlich ein Winzling, in dem Hunger und Armut das Dasein von Millionen Menschen prägen. Dennoch gibt es zumindest auf einem Mininiveau Handelsgeschäfte zwischen Deutschland und der Volksrepublik, die mit zahlreichen Sanktionen belegt ist.

Dem Statistischen Bundesamt zufolge beliefen sich die deutschen Ausfuhren in das Land im vergangenen Jahr auf 5,7 Millionen Euro. Eingeführt wurden Güter im Wert von 4,1 Millionen Euro. Vor wenigen Jahren lag der Austausch noch doppelt so hoch. Nordkorea rangiert damit in der Rangliste der deutschen Handelspartner auf Platz 182. Zum Vergleich: Das gesamte Handelsvolumen zwischen der Bundesrepublik und Südkorea beträgt 25 Milliarden Euro.

Bei den Einfuhren aus Nordkorea geht es vor allem um Textilien, bei den Ausfuhren dominieren Pharmaprodukte. Staatliche Absicherungen von Nordkorea-Geschäften gibt es keine. Wegen offener Forderungen von etwa 260 Millionen Euro besteht für Hermes-Ausfuhrkreditbürgschaften eine Sperre. Bilaterale Kooperationsabkommen existieren nicht. Seit 2001 unterhalten beide Länder aber diplomatische Beziehungen.

Die größten Handelspartner des Landes mit seinen rund 25 Millionen Einwohnern sind nach Informationen des Auswärtigen Amtes China und Russland. Mit einem Anteil von 70 bis 85 Prozent - die CIA spricht von rund drei Vierteln - ist China der wichtigste Partner. Ausländische Investoren gibt es kaum. Der direkte Nachbar Russland allerdings hat in der jüngeren Vergangenheit versucht, seine Position als Partner auszubauen - vor allem über Infrastrukturprojekte wie eine Eisenbahnverbindung zwischen beiden Ländern.

Normale Geschäfte lassen sich mit Nordkorea seit langem nicht machen. Ein ganzes Bündel von Sanktionen, die der UN-Sicherheitsrat in den vergangenen Jahren wegen der Raketen- und Atomtests verhängt hat, verhindert dies. Erst vor wenigen Tagen wurden die Strafmaßnahmen verschärft. Seitdem sind dem Land Ausfuhren von Kohle, Eisen oder Fisch verboten. Vom internationalen Zahlungsverkehr ist Nordkorea ohnehin schon länger praktisch ausgeschlossen. Kaum eine internationale Bank wickelt mit dem Land Geldtransfers ab - auch nicht bei humanitären Projekten.

USA: GROSSTEIL DES GELDES GEHT IN MILITÄRPROGRAMME

Nordkorea produziert dem deutschen Außenministerium zufolge kaum wettbewerbsfähige Güter. Es mangele an Devisen und Investitionsgütern. Die Infrastruktur wird von Experten als marode beschrieben. Zahlreiche Industrieanlagen seien seit Jahren nicht mehr in Betrieb oder würden nur notdürftig in Betrieb gehalten. Das deckt sich mit Informationen der USA. Der Auslandsnachrichtendienst CIA spricht von chronischen wirtschaftlichen Problemen. Der Ausrüstungsstand der Industrie liege mittlerweile unterhalb der Schwelle, bis zu der Reparaturen noch lohnten. Der Großteil des Geldes gehe eben in militärische Programme, insbesondere das Atomprogramm.

Die Wirtschaftsleistung wird von der CIA mit geringen Abweichungen auf jährlich rund 40 Milliarden Dollar geschätzt. Damit würde das Land in der IWF-Rangliste jenseits der Position 200 liegen - in der Nachbarschaft von Laos oder Senegal. Aber Nordkorea kommt in der Liste gar nicht vor: Es fehlen belastbare Zahlen.

Unsere WerteDie Thomson Reuters Trust Principles
0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below