Unternehmen | Dienstag, 11. Dezember 2012, 15:42 Uhr

IG-Metall-Chef droht Opel offenen Konflikt an

Hamburg Nach dem angekündigten Aus für das Bochumer Opel-Werk verlangt die IG Metall von dem Autobauer ultimativ Beschäftigungsgarantien für die übrigen deutschen Werke.

"GM muss endlich eine tragfähige Gesamtlösung für Opel in Deutschland vorlegen, sonst gibt es einen offenen Konflikt", kündigte IG-Metall-Chef Berthold Huber am Dienstag an. Die Gewerkschaft forderte Opel auf, "schnellstens" konkrete Vorschläge für die Zukunft der Werke zu machen. "Solange nichts auf dem Tisch liegt, leisten wir Gegenwehr." Bislang habe das Management keine konkreten Pläne vorgelegt, wie es die seit Jahren Verluste schreibende GM-Tochter profitabel machen wolle. Diese Unternehmenspolitik zerstöre das Ansehen der Marke.

Opel hatte am Montag angekündigt, das Bochumer Automobilwerk mit 3365 Beschäftigten dichtzumachen. Die Entscheidung begründete Interims-Chef Thomas Sedran mit dem dramatisch geschrumpften Automarkt in Westeuropa und den hohen Überkapazitäten in der gesamten Branche.

Huber forderte Opel zu Milliardeninvestitionen auf, um den Marktanteil von zuletzt sechs Prozent deutlich zu steigern. Mehr Modelle mit hochwertiger Technik und niedrigem Verbrauch seien nötig. Sonst gerieten weitere Standorte in Bedrängnis. Opel hatte vor einigen Jahren bereits eine Fabrik in Antwerpen geschlossen. GM müsse sich uneingeschränkt zu Opel als "hochwertiger Volumenmarke" bekennen.

TARIFKOMMISSION GIBT DEN WEG VOR

Die Tarifkommission der Gewerkschaft soll am Mittwoch über den Stand der seit Monaten laufenden Verhandlungen mit dem Opel-Vorstand über ein Sanierungspaket beraten und das weitere Vorgehen beschließen. "Wir verlangen ein Zukunftskonzept für alle Standorte und den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen", betonte ein Sprecher der IG Metall in Nordrhein-Westfalen. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler warf GM indirekt vor, Opel durch Missmanagement der Krise ausgeliefert zu haben. Es sei ein Fehler gewesen, dass Opel kaum Autos im wichtigsten Wachstumsmarkt China verkaufen durfte. Staatshilfen für Opel lehnte Rösler erneut ab.

Die IG Metall zeigte sich entschlossen, am Standort Bochum weiter für den Erhalt der Autoproduktion zu streiten. Die Frage sei jedoch, wie groß die Durchsetzungschancen nach der Ankündigung des Managements seien, die Produktion des Familienwagens Zafira in Bochum der Ruhrgebietsstadt 2016 auslaufen zu lassen.

Offen blieb zunächst, ob die Gewerkschaft dem Unternehmen weiterhin die branchenweit ausgehandelte Lohnerhöhung von 4,3 Prozent stunden wird. Auch darüber soll die Tarifkommission beraten. IG Metall, Betriebsrat und Opel-Vorstand hatten sich bei ihren Verhandlungen über eine Sanierung der kriselnden GM-Tochter im Oktober angenähert. Zu einem Abschluss kam es damals aber nicht. Mit Spannung wird erwartet, ob die Gewerkschaft auch nach der Bekanntgabe der Schließung von Bochum am Verhandlungstisch bleibt.

Die IG Metall in Nordrhein-Westfalen moniert, bislang gebe es "keine klare Ansage, was mit den Werken in Eisenach, Kaiserslautern und Rüsselsheim geschieht". Auch in den Verhandlungen mit dem französischen Autobauer Peugeot sei noch vieles offen. Es stelle sich die Frage, wie zuverlässig Zusagen des Opel-Managements seien. Der Rüsselsheimer Autobauer hatte bereits im Juni angekündigt, Bochum eine Galgenfrist von vier Jahren zu geben. Im Gegenzug sollten bis dahin für alle Standorte der verlustreichen GM-Tochter in Deutschland betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden.

HEFTIGE KRITIK AN GM

Gewerkschaft und Politik quittierten die seit Monaten erwartete Schließungsentscheidung für Bochum mit heftiger Kritik am Opel-Mutterkonzern General Motors. "Es ist eine strategische unternehmerische Fehlentscheidung gewesen, dem Unternehmen Opel die Märkte in China, Brasilien zu verschließen", sagte Rösler in Berlin. Er erwarte von GM, dass das Unternehmen seiner Verantwortung gerecht werde und mithelfe, die Folgen der Werksschließung für die Beschäftigen abzumildern. Staatliche Hilfen lehnte Rösler allerdings erneut ab.

Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) forderte von der Opel-Mutter eine Beschäftigungsgarantie für die gut 3000 Arbeiter am Standort Bochum. "Niemand von den Beschäftigten darf in die Arbeitslosigkeit gehen, auch nicht nach 2016", sagte er im Deutschlandfunk. Die Landesregierung setze sich dafür ein, dass sich auf den Werksflächen in Bochum neue Unternehmen ansiedeln, um dort eine Perspektive für industrielle Produktion zu entwickeln. Bislang fehle ein klares Bekenntnis von GM dazu.

Nach den Worten Duins will die Landesregierung dem Unternehmen nicht mit finanziellen Hilfen entgegenkommen. Dies sei Sache von GM. Opel könne sich für einen sehr teuren Sozialplan entscheiden oder sich daran beteiligen, die vorgeschlagenen Industrieansiedlungen zu realisieren. Auch Duin warf dem GM-Management Versagen vor. "Bochum ist denen völlig egal, die wissen wahrscheinlich noch nicht mal, wo das liegt", sagte er.

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