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Inland | Montag, 18. Februar 2013, 08:16 Uhr

Pferdefleisch-Skandal weitet sich immer mehr aus

Berlin Der Pferdefleisch-Skandal nimmt immer größere Dimensionen an: Am Wochenende wurden im großen Maßstab weitere verdächtige Fertiggerichte aus den Regalen genommen.

Zudem wurde bekannt, dass massenweise verdächtige Lebensmittelprodukte nach Deutschland importiert wurden. Erstmals waren nicht nur Tiefkühlprodukte sondern auch Döner-Fleisch betroffen. In Verdacht gerieten auch deutsche Lebensmittelproduzenten. Aus Großbritannien wurde bekannt, dass es bereits 2011 Hinweise auf Unregelmäßigkeiten mit Pferdefleisch gegeben hatte, die jedoch ignoriert wurden.

Das Bundesverbraucherschutzministerium bestätigte, dass 179.000 verdächtige Lasagne-Packungen nach Deutschland importiert wurden. Sie sollen entgegen den Angaben auf der Verpackung auch Pferdefleisch enthalten haben. "Spiegel-Online" berichtete unter Berufung auf EU-Lieferlisten, dass knapp 360.000 Packungen Lasagne und Cannelloni von einem verdächtigen Luxemburger Betrieb an den deutschen Lebensmittelhandel geliefert wurden. Der Sender RTL fand nach eigenen Angaben bei Stichproben in 20 Imbissbuden in Leipzig und Berlin in einem Fall einen geringen Pferdefleisch-Anteil. Zudem seien in drei Proben von Lebensmittel-Experten bis zu sieben Prozent Schweinefleisch nachgewiesen worden. Gläubigen Moslems ist der Verzehr von Schweinefleisch untersagt, weil es als unrein gilt.

Die Londoner "Sunday Times" berichtete, der Mitarbeiter der Lebensmittelaufsicht FSA, John Young, habe bereits 2011 das zuständige Ministerium gewarnt, es könnte Pferdefleisch mit unzulässigen Medikamentenrückständen in die Lebensmittelkette gelangen. Es sei aber nichts geschehen. Die britischen Behörden versuchen nun aufzuklären, warum vor 18 Monaten diese Warnungen ignoriert wurden. Bei den Medikamentenrückständen handelt es sich im Phenylbutazon, das Sportpferden verabreicht wird. Diese Tiere sind dann nicht für den menschlichen Verzehr geeignet.

DEUTSCHE LEBENSMITTELHERSTELLER ZIEHEN FERTIGSPEISEN ZURÜCK

In Deutschland gab die Supermarktkette Rewe am Sonntag bekannt, die Produkte "Rewe Chili con carne 350gr" und Rewe Spaghetti Bolognese 400gr" aus dem Verkauf entfernt zu haben. Der Hersteller SGS Geniesser Service aus Laage-Kronskamp in Mecklenburg-Vorpommern habe nicht ausschließen können, dass die Mahlzeiten Pferdefleisch enthalten.

Zuvor hatte die Brandenburger Firma Dreistern-Konserven eingeräumt, Rindergulasch eigener Herstellung enthalte Spuren von Pferdefleisch. Auf ihrer Internet-Seite teilte die Neuruppiner Firma mit, Pferde-DNA sei in Konserven mit der Bezeichnung "Rindergulasch 540g Omnimax" nachgewiesen worden. Das Brandenburger Verbraucherschutzministeriums teilte am Sonntag mit, Dreistern sei von vier deutschen, einem belgischen und einem niederländischem Betrieb mit Fleisch beliefert worden.

Mit der Hilcona AG war ein weiterer deutscher Fleischverarbeiter in den Skandal verwickelt. Im vom Discounter Lidl verkauften Nudelprodukt "Combino Tortelloni Rindfleisch" hatten österreichische Behörden Pferdefleisch entdeckt. Hilcona teilte mit, der Betrieb beziehe sein Frischfleisch von einem deutschen und einem Schweizer Hersteller. "Mit beiden steht Hilcona AG in engem Kontakt und setzt alles daran, den Sachverhalt lückenlos aufzuklären", hieß es in einer Stellungnahme.

Die im niedersächsischen Buchholz ansässige Betz Holding hatte am Freitag über Aldi Süd verkaufte Ravioli-Konserven zurückgezogen. Eine Stichprobe habe eine "Kontamination mit Pferdefleisch" ergeben, teilte das Unternehmen mit.

In Frankreich bekräftigte die Regierung ihre Vorwürfe gegen die Firma Spanghero im Südwesten des Landes. Sie soll Pferdefleisch aus Rumänien zu Rinderfleisch umetikettiert und damit Hersteller von Fertigspeisen beliefert haben. Ermittlungen hätten ergeben, dass es schwerwiegende Gründe gebe, dass Spanghero bewußt Käufer getäuscht und Pferde- als Rindfleisch verkauft habe, teilte die Regierung mit.

Spanghero belieferte den ebenfalls französischen Fleischbearbeiter Comigel. Comigel wiederum ist Zulieferer großer deutscher Handelsketten. Sowohl Spanghero wie Comigel bestreiten, die Inhaltsangaben ihrer Produkte wissentlich gefälscht zu haben. Kaiser's Tengelmann hatte am Freitag bekanntgegeben, eine Lasagne von Comigel habe Pferdefleisch enthalten.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner legte am Sonntag einen Nationalen Aktionsplan vor, der über die von der Europäischen Union beschlossenen Maßnahmen hinausgehen soll. Der Entwurf sieht unter anderem vor, eine Internet-Seite einzurichten, auf der sich Verbraucher künftig über zurückgerufene Lebensmittel informieren können.

Außerdem drängt Aigner darauf, dass in Deutschland Lebensmittel auf mehr Zutaten hin untersucht werden sollen als dies die EU vorgesehen hat. Zudem fordert die CSU-Politikerin eine EU-weit verbindliche Herkunftsbezeichnung für Fleisch auf Lebensmittelpackungen. An diesem Montag will Aigner den Aktionsplan und das weitere Vorgehen mit ihren Ressortkollegen aus den Bundesländern beraten.

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