30. Dezember 2013 / 12:06 / vor 4 Jahren

Sorge um Olympia nach Doppel-Anschlag in Wolgograd

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Wolgograd (Reuters) - Eine zweite Bombenexplosion binnen weniger als 24 Stunden im südrussischen Wolgograd schürt Befürchtungen vor einer konzertierten Anschlagswelle rund um die Olympischen Winterspiele in Sotschi.

Am Montagmorgen zerfetzte ein Sprengsatz einen Linienbus in der Stadt, die rund 700 Kilometer von den Austragungsstätten des sportlichen Großereignisses im Februar entfernt liegt. Mindestens 14 Menschen starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums, nachdem am Sonntag bereits 17 Menschen bei einem Selbstmordanschlag im Hauptbahnhof der Ein-Millionen-Einwohner-Stadt am Rande des Nordkaukasus getötet wurden. Als Drahtzieher stehen islamistische Rebellen im Verdacht, die für einen eigenen Staat in der Region kämpfen. Im Sommer hatten sie dazu aufgerufen, die Spiele in Sotschi, die als Prestigeprojekt von Präsident Wladimir Putin gelten, mit "maximaler Gewalt" zu verhindern.

Putin beauftragte einen Ausschuss zur Koordinierung der Anti-Terrorbekämpfung damit, die Sicherheitsmaßnahmen landesweit und speziell in Wolgograd zu verschärfen. Details nannte der Kreml nicht. Eine Sprecherin des Internationalen Olympischen Komitees sagte, die russischen Behörden seien für die Sicherheit während der am 7. Februar beginnenden Wettkämpfe zuständig, und das IOC zweifele nicht daran, dass sie dieser Aufgabe gewachsen seien. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich nach einem Telefonat mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow bestürzt. "Wir verurteilen diese terroristischen Untaten in aller Schärfe", erklärte er. Bundeskanzlerin Angela Merkel schickte ein Kondolenztelegramm an Putin. "Wir setzen darauf, dass die russischen Sicherheitsbehörden alles tun werden, um die Sicherheit der Olympischen Spiele zu gewährleisten. Wir haben auch Vertrauen, dass dies gelingt", sagte ein Regierungssprecher in Berlin.

Ein Terror-Experte sagte, es müsse mit weiteren Anschlägen gerechnet werden. "Die Bedrohung ist jetzt am größten, weil die Terroristen am meisten Eindruck machen können", sagte Alexej Filatow, der stellvertretende Vorsitzende des Veteranenverbands der russischen Elite-Terrorbekämpfungseinheit Alfa. Da rund um Sotschi die Sicherheit verstärkt worden sei, werde in nahegelegenen Städten wie Wolgograd zugeschlagen. Von dort waren etwa 600 Polizisten nach Angaben eines Mitarbeiters der örtlichen Polizei in den vergangenen Monaten nach Sotschi verlegt worden.

"Es Ist Ein Alptraum"

"Den zweiten Tag hintereinander sterben wir. Es ist ein Alptraum", sagte eine Frau mit tränenerstickter Stimme am Ort des Anschlags vom Montag. Der blau-weiße Oberleitungsbus war vollkommen zerstört. Auf der Straße lagen Leichen und Trümmerteile. Die Wucht der Explosion war so gewaltig, dass sogar die Fenster im dritten Stock eines nahegelegenen Wohnhauses zersplitterten. Ein Augenzeuge sagte, die Busfahrerin sei weit aus dem Fahrzeug geschleudert worden. Sie habe aber überlebt. Insgesamt wurden mindestens 28 Menschen verletzt.

Der Anschlag am Sonntag wurde vor einer Metalldetektor-Schleuse des Bahnhofs verübt. Zunächst hieß es, eine Frau habe den Sprengsatz gezündet, später schlossen die Behörden aber nicht aus, dass auch ein Mann der Attentäter gewesen sein könnte. Zu beiden Taten bekannte sich zunächst niemand. Sie wiesen Ähnlichkeiten zu einem Anschlag im Oktober auf. Damals hatte sich eine Selbstmordattentäterin aus der russischen Region Dagestan in einem Linienbus in Wolgograd in die Luft gesprengt und sechs Menschen mit in den Tod gerissen. Am Freitag war in der Stadt Pjatigorsk - knapp 300 Kilometer von Sotschi entfernt - eine Autobombe detoniert. Dabei wurden drei Menschen getötet. In den Kaukasus-Provinzen, zu denen auch Tschetschenien gehört, kämpfen Extremisten für einen islamistischen Staat.

Putin hatte seine Popularität zu Beginn seiner ersten Amtszeit auch seiner Haltung im Tschetschenienkonflikt zu verdanken. Die Anschläge kommen für ihn zur Unzeit, machte er doch umfangreiche Sicherheitszusagen, um die Olympischen Winterspiele und auch die Fußball-Weltmeisterschaft 2018, bei der Wolgograd ein Austragungsort sein wird, nach Russland zu holen. Auch die überraschende Begnadigung des Kreml-Kritikers Michail Chodorkowski und der Pussy-Riot-Musikerinnen soll Putin vor allem deshalb veranlasst haben, um internationale Kritik an der Menschenrechtslage in Russland im Vorfeld von Olympia zu dämpfen.

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