Unternehmen | Donnerstag, 18. April 2013, 13:45 Uhr

Bosch will nach Gewinneinbruch das Geld zusammenhalten

Stuttgart Der Autozulieferer und Industrieausrüster Bosch kürzt wegen der Konjunkturflaute im Hauptmarkt Europa seine Ausgaben.

Im vergangenen Jahr war der operative Gewinn mit 1,3 Milliarden Euro nur noch halb so hoch wie im Vorjahr. "Auch für 2013 können wir nicht mit konjunkturellem Rückenwind rechnen", sagte Konzernchef Volkmar Denner am Donnerstag in Stuttgart. "Zudem bereiten wir uns auf das Risiko einer längeren Stagnation der Wirtschaft in Europa vor." Denner rechnet 2013 mit einem Umsatzplus von grob drei Prozent. Um den Gewinn zu steigern, werde Bosch an den Personalausgaben und Investitionen sparen. So sollen sich die Investitionen am unteren Ende der bisher üblichen Spanne von drei bis 3,5 Milliarden Euro bewegen. Stellenabbau sei möglich, solle aber "sozialverträglich" umgesetzt werden.

Den Gewinnrückgang bekommt auch das Management im Geldbeutel zu spüren: Die Gesamtbezüge der Geschäftsführung des im Stiftungsbesitz befindlichen Konzerns mit weltweit 306.000 Beschäftigten schrumpften 2012 um drei auf 15 Millionen Euro. Im Juli hatte Denner den Chefsessel bei Bosch von Franz Fehrenbach übernommen, der an die Spitze des Aufsichtsrats wechselte.

ERGEBNIS "UNBEFRIEDIGEND" - SOLARTECHNIK VERBRENNT GELD

Die Ergebnisentwicklung sei unbefriedigend, räumte der Denner ein. Das Umsatzwachstum sei 2012 mit 1,9 Prozent auf 52,5 Milliarden Euro schwächer als erwartet ausgefallen und ohne Wechselkursänderungen sogar geschrumpft. Zudem belasteten anhaltende Verluste und Abschreibungen der mit Milliardenaufwand zusammengekauften Solartechnik das Ergebnis. Die operative Rendite schrumpfte binnen Jahresfrist auf 2,5 von 5,3 Prozent des Umsatzes. Die Priorität legt Denner in diesem Jahr darauf, wieder näher an die Zielmarke von acht Prozent heranzurücken. "Wir wollen unser Ergebnis in diesem Jahr verglichen mit dem letzten erheblich verbessern", sagte er. Bosch strebt ein jährliches Umsatzplus von acht Prozent und eine Gewinnmarge vor Steuern und Zinsen von ebenfalls acht Prozent an, um sich aus eigener Kraft zu finanzieren. Diese Ziele würden aber auch 2013 verfehlt, räumte Denner ein.

FLAUTE AUF DEN EUROPÄISCHEN AUTOMÄRKTEN BELASTET BOSCH

Vor allem die Absatzkrise auf den europäischen Automärkten fordert von Bosch wie von anderen Autozulieferern Tribut. Die Stuttgarter kommen derzeit im Gegensatz zum Konkurrenten Continental aber ohne Kurzarbeit in der Auto-Sparte aus. "2013 rechnen wir bei Kraftfahrzeugtechnik mit einem leichten Umsatzplus", hatte der zum Sommer nach 20 Jahren aus privaten Gründen bei Bosch ausscheidende Kfz-Technik-Chef Bernd Bohr Reuters im März gesagt. "Im ersten Quartal hat sich unser Umsatz auf dem Niveau des Vorquartals bewegt, daher wird vor allem das zweite Halbjahr entscheidend sein."

In Europa werden derzeit so wenig Pkw verkauft wie seit fast 20 Jahren nicht mehr, die Marktschwäche in Südeuropa trifft Bosch als Dieseltechnik-Spezialisten hart. Auch die für Bosch wichtige Nutzfahrzeug-Produktion und die Investitionsgüter-Nachfrage erholten sich nur langsam. Die Fahrzeugproduktion werde weltweit mit drei Prozent nur noch schwach wachsen und in Europa erneut schrumpfen, sagte Denner.

Wachstum auf längere Sicht verspricht sich Denner von einem stärkeren Einsatz von Produkten über das Internet - etwa bei der Fahrzeugsicherheit oder zum Energiesparen in Gebäuden. So arbeitet Bosch an einem Staupilot, der den Wagen im Stop-and-Go automatisch in der Spur hält, sodass der Fahrer nebenbei lesen kann. Solche Assistenz- und Sicherheitssysteme bringen schon jetzt mit fünf Milliarden Euro knapp ein Zehntel des Umsatzes ein, jährlich sollen es zehn Prozent mehr werden.

SOLARTECHNIK STEHT ZUM VERKAUF

Der neue Bosch-Chef hat zudem die Expansion seines Vorgängers Fehrenbach in die Solartechnik gestoppt, wo Bosch seit 2008 rund 2,4 Milliarden Euro verbrannte. Bis zu 3000 Mitarbeiter könnten arbeitslos werden, sollte sich kein Käufer für die Werke in Arnstadt, Prenzlau und Frankreich finden. Damit droht der größte Arbeitsplatzabbau seit Jahren, der Bosch noch teuer zu stehen kommen könnte.

Geplant war ursprünglich, mit Solarmodulen die Palette an "grünen" Technologien auszubauen, da Bosch auch Gebäude- und Energietechnik produziert. Doch wegen des massiven Preisverfalls durch die Billigkonkurrenz aus China war die Produktion nicht rentable zu betreiben. Allein im vergangenen Jahr summierten sich die Verluste auf rund eine Milliarde Euro. Der Konzern versucht, die Solarsparte, zu der die börsennotierte Tochter Aleo gehört, zu verkaufen. Dafür gebe es mehrere Interessenten, sagte Denner. Bis zu einem Verkauf werde die Sparte weiter betrieben, auch wenn dies zusätzliche Verluste bedeute.

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