20. April 2011 / 12:59 / vor 7 Jahren

Märkte lassen Spanien in Schuldenkrise nicht vom Haken

Madrid (Reuters) - Die Debatte um eine Umschuldung Griechenlands weckt Ängste vor einer Ausweitung der Schuldenkrise und rückt Spanien wieder stärker in den Blick der Finanzmärkte.

Hatte sich die Lage Anfang des Jahres noch beruhigt, so verlangen Investoren inzwischen wieder spürbar höhere Zinsen von der Regierung in Madrid. Für eine zehnjährige Anleihe musste Spanien am Mittwoch knapp 5,5 Prozent bezahlen. Das ist weit unter dem Niveau, das als kritisch gilt: Die entscheidende Schwelle wird wohl bei sieben Prozent überschritten. Dennoch sehen Analysten die steigenden Zinsen als Alarmzeichen, dass die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone noch nicht aus dem Gröbsten heraus ist.

Für ein 13-jähriges Papier musste Spanien 5,7 Prozent Zinsen zahlen. Bei beiden Anleihen war die Nachfrage mehr als doppelt so hoch wie das Angebot, was als Erfolg gewertet wurde. “Die Probleme bleiben aber dennoch bestehen, und neuerliche Gerüchte um Griechenland dürften die Risikoaufschläge wieder steigen lassen”, sagte ein Experte.

Dabei gilt weniger eine Umschuldung in dem Land im Südosten der Euro-Zone als Risiko: Sollte Griechenland alleine seine Schulden nicht mehr vollständig bezahlen, wäre das nach einhelliger Meinung kein Problem für die spanische Bankenbranche. Die Gefahr besteht vielmehr darin, dass auch andere Krisenländer angesichts der massiven Sparanforderungen ihr Heil im Zahlungsausfall suchen. Kritisch würde es bei Portugal: Ende 2010 hatten die spanischen Banken nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsverkehr (BIZ) etwa 80 Milliarden Euro in dem Nachbarland investiert. Auch die Regierung in Lissabon musste am Dienstag bei der Ausgabe von Geldmarktpapieren spürbar höhere Zinsen zahlen.

BANKEN NACH PLATZEN DER IMMOBILIENBLASE IN SCHWIERIGKEITEN

Zudem könnte bei einer Pleite Griechenlands der Appetit der Investoren auf Anleihen aus Euro-Peripheriestaaten schwinden. Das könnte es für Spanien schwieriger und teurer machen, genügend Geld für die Rekapitalisierung der Banken aufzunehmen. Um sich von den anderen Staaten am Rande der Euro-Zone dauerhaft zu lösen, müsste die Regierung in Madrid nach Einschätzung von Fachleuten das Bankenproblem schnell lösen. Derzeit haben die Kreditinstitute noch bis September Zeit, frisches Geld am Markt aufzunehmen.

Vor allem die Sparkassen sind in Schwierigkeiten, weil sie zu Boomzeiten besonders viele Immobilien finanziert haben. Nach dem Platzen der Blase am Wohnimmobilienmarkt sitzen sie nun auf vielen faulen Krediten. Die Preise für Häuser und Wohnungen sind seit 2008 um 17 Prozent gefallen. Weitere Rückgänge sind wahrscheinlich. Derzeit suchen mehr als eine Million Immobilien nach einem Käufer. Allerdings würde selbst im schlimmsten Fall eine neue Finanzierung für die Banken den Schuldenstand des Landes in Verhältnis zum BIP lediglich um zehn Prozentpunkte steigen lassen - in Irland haben die Schwierigkeiten der Kreditinstitute die Verschuldung um die Hälfte der Wirtschaftsleistung nach oben getrieben.

Trotz der Probleme unterscheidet sich die Lage in Spanien aber stark von der Situation der unter die Rettungsschirme geflüchteten Euro-Krisenstaaten Griechenland, Irland und Portugal. Spaniens Schuldenstand liegt nach Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) in diesem Jahr bei gerade einmal 64 Prozent - das ist zwar über dem Wert von 60 Prozent, der in den Stabilitätskriterien für die Euro-Zone vorgesehen ist, aber weit unter dem Niveau der anderen Länder. In Griechenland sind es zum Vergleich 152 Prozent. Irland ist mit 114 Prozent seiner Wirtschaftsleistung verschuldet, Portugal mit 90 Prozent - und in Deutschland waren es schon 2010 gut 83 Prozent.

Der riesige Schuldenberg der Griechen schürt die Angst vor einer Staatspleite. Die Regierung in Athen bekräftigte am Mittwoch aber erneut, dass sie nicht umschulden wird und wie geplant spätestens Anfang kommenden Jahres an den Kapitalmarkt zurückkehren will. “Unsere Schuldenlast ist vollständig tragbar”, betonte Finanzminister Giorgos Papakonstantinou.

SPANIEN HAT SCHMERZHAFTE REFORMEN EINGELEITET

Anders als bei den anderen angeschlagenen Euro-Staaten ist auch das Haushaltsdefizit in Spanien mit 6,2 Prozent vergleichsweise moderat; in Irland liegt es bei 10,8 Prozent. Die Regierung in Madrid hat eine Reihe von Reformen angestoßen, darunter auch Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst oder Veränderungen des Rentensystems. Portugal kämpft dagegen noch mit seinem Reformkurs. “Wir sprechen hier von einer völlig unterschiedlichen Lage”, sagte der zuständige IWF-Direktor Jose Vinals.

So gänzlich aus den Fängen der Märkte kann sich Spanien aber wohl nur dann lösen, wenn die Konjunktur wieder Fuß fasst und das Wachstum stabil bei mehr als zwei Prozent liegt. Nach Vorhersage der Regierung dürfte die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 1,3 Prozent zulegen, bis 2014 dürften es 2,6 Prozent werden. Experten halten das aber für zu optimistisch. Die Sorgen vor einem Ausweiten der Schuldenkrise auf Spanien dürften daher zumindest vorerst nicht ganz verschwinden.

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