20. März 2012 / 12:57 / in 5 Jahren

Schwere Foltervorwürfe gegen syrische Rebellen

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A Syrian woman walks at Reyhanli refugee camp in Hatay province on the Turkish-Syrian border March 19, 2012.Murad Sezer (TURKEY - Tags: POLITICS SOCIETY IMMIGRATION CIVIL UNREST)

Beirut (Reuters) - Entführungen, Folter und Hinrichtungen von Gefangenen: Nach Darstellung von Human Rights Watch hat sich auch die bewaffnete syrische Opposition schwerer Menschenrechtsverletzungen schuldig gemacht.

Die Menschenrechtsorganisation verwies am Dienstag unter anderem auf Filmaufnahmen, in denen gefangengenommene Angehörige der Sicherheitskräfte offenkundig unter Folter Verbrechen eingestanden. Auch auf militärischem Gebiet erlitten die Rebellen einen Rückschlag und gaben die im Osten des Nahost-Landes gelegene Stadt Deir al-Sor auf. Neue Bewegung kam in die diplomatischen Bemühungen des Konflikts, der in einen Bürgerkrieg auszuarten droht.

"Das brutale Vorgehen der syrischen Regierung darf für die bewaffnete Opposition keine Rechtfertigung für Übergriffe sein", erklärte die in New York ansässige Menschenrechts-Organisation Human Rights Watch. Deren für den Nahen Osten zuständige Direktorin Sarah Leah Whitson forderte die Opposition auf, Menschenrechtsverletzungen zu unterbinden. "Die Oppositionsführer müssen ihren Anhängern klar machen, dass sie unter allen Umständen Folterungen, Entführungen oder Hinrichtungen unterlassen müssen."

Menschenrechtsverletzungen wurden bisher nur den Truppen von Präsident Baschar al-Assad vorgeworfen. Assad geht seit einem Jahr gewaltsam gegen eine Volkserhebung vor. Dabei wurden nach Berechnungen der Vereinten Nation mehr als 8000 Zivilisten getötet.

Die bewaffnete Opposition ist schlecht organisiert und den Regierungstruppen an Feuerkraft weit unterlegen. Unter dem Druck massiver Angriffe gab die vornehmlich aus Deserteuren bestehende Freie Syrische Armee die Stadt Deir al-Sor auf, wie Vertreter der Opposition berichteten. Panzer seien in Wohngebiete eingedrungen. "Um ein Massaker an der Zivilbevölkerung zu vermeiden zog sich die Freie Syrische Armee zurück", erklärte das örtliche Revolutionskomitee. Die Staatschef Assad ergebenen Kräfte nahmen die Rebellen-Hochburgen Hama und Homs sowie Rastan ins Visier und töteten der Opposition zufolge mindestens zehn Menschen.

Westerwelle Trifft Kollegen Aus Russland Und Polen

Die Kämpfer der Opposition wurden bereits aus mehreren Städten und Regionen vertrieben. Weil es den Rebellen nicht gelungen ist, Gelände zu halten, haben sie nach Einschätzung von Experten ihre Taktik geändert. Zum Beleg verweisen die Fachleute auf die jüngsten Bombenanschläge in Damaskus und Aleppo, bei denen am Wochenende Dutzende Menschen getötet wurden. "Die syrische Opposition hat voreilig versucht, Gelände zu halten und die Armee zu bekämpfen. Das hat sich als schlimmer und teurer Fehler erwiesen", sagte der Nahost-Experte Joshua Landis von der Universität von Oklahoma.

Der Westen unternahm derweil einen neuen Versuch, die Blockade des UN-Sicherheitsrats im Syrien-Konflikt zu durchbrechen. Frankreich legte am Montag den Entwurf einer Stellungnahme des Rates vor, mit dem dieser seine Unterstützung für die Arbeit des Sondergesandten von Vereinten Nationen und der Arabischen Liga, Kofi Annan, erklären soll. Russland stellte für seine Zustimmung Bedingungen: Zum einen dürfte kein Ultimatum gestellt werden, zum anderen müsse Annan seinen Friedensplan vollständig offenlegen. An der Seite von China hatte die Regierung in Moskau unlängst mit ihrem Veto eine Syrien-Resolution verhindert.

Der Machtkampf in Syrien dürfte am Mittwoch auch beim Treffen von Bundesaußenminister Guido Westerwelle mit seinen Kollegen aus Russland und Polen, Sergej Lawrow und Radoslaw Sikorski, am Mittwoch in Berlin diskutiert werden.

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