Experten erwarten neue Abschreibungen bei Deutscher Bank

Mittwoch, 1. Oktober 2008, 15:37 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der Deutschen Bank und anderen europäischen Großbanken drohen nach Einschätzung von Analysten in der zweiten Hälfte dieses Jahres erneut Milliardenabschreibungen.

Die Experten der US-Investmentbank JP Morgan gehen davon aus, dass auf Großbanken in Europa im dritten und vierten Quartal Wertberichtigungen von insgesamt 28,4 Milliarden Euro zukommen. Die Deutsche Bank müsse mit 4,5 Milliarden Euro rechnen, schrieben die JP-Morgan-Analysten in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie. Bis zum Ende des ersten Halbjahres summierten sich die Gesamtbelastungen für die Deutsche Bank aus der Krise bereits auf 7,3 Milliarden Euro.

Den Anlegern drückten die düsteren Aussichten auf die Laune: Die Deutsche-Bank-Aktie verlor 0,3 Prozent auf 49,39 Euro. Andere Banktitel wie Commerzbank oder Postbank lagen dagegen deutlich im Plus. Nach den dramatischen Rettungsaktionen von mehreren Banken in den vergangenen Tagen waren Finanzaktien weltweit massiv unter Druck geraten.

Nach Einschätzung der Analysten von JP Morgan kommen auf die britische Bank Lloyds, die kürzlich ihren Rivalen HBOS übernommen hatte, Wertkorrekturen von 5,7 Milliarden Euro zu. Der ebenfalls in Grossbritannien ansässigen Barclays drohten 3,7 Milliarden Euro, der Schweizer UBS 2,7 Milliarden Euro und der französischen Societe Generale 2,6 Milliarden Euro. Das größte Risiko für weitere Abschreibungen liege in strukturierten US-Papieren aus dem gewerblichen Immobilienkreditbereich sowie in Krediten für Übernahmen und Fusionen.

JP Morgan ist von der Kreditkrise auch selbst betroffen und musste Milliarden-Abschreibungen vornehmen. Insgesamt leidet das Institut jedoch nicht so stark unter dem Einbruch wie viele seiner amerikanischen Konkurrenten. Der Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers vor gut zwei Wochen hatte die seit über einem Jahr an den weltweiten Kapitalmärkten lodernde Finanzkrise nochmals befeuert. In Deutschland musste deswegen der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate von anderen Banken und vom Staat mit Krediten von 35 Milliarden Euro gestützt werden.