Umfragen: Biden schlägt Palin in Rededuell

Freitag, 3. Oktober 2008, 17:34 Uhr
 

St. Louis (Reuters) - Aus dem Rededuell der US-Vize-Kandidaten ist der Demokrat Joe Biden als Sieger hervorgegangen.

Zwei Blitzumfragen nach der Debatte in der Nacht zum Freitag zeigten allerdings auch, dass die Republikanerin Sarah Palin deutlich besser abschnitt als von der Bevölkerung erwartet worden war. Bei dem lebhaften, aber höflich geführten Schlagabtausch vermieden der 65-jährige Senator aus Delaware und die 44-jährige Gouverneurin von Alaska größere Patzer. Ob das Duell Auswirkungen auf den Wahlverlauf haben würde, blieb indes offen. Fast genau einen Monat vor der Abstimmung liegt der Demokrat Barack Obama knapp vor dem Republikaner John McCain.

Die zwei Hauptthemen der Debatte in St. Louis in Missouri bildeten die Finanzkrise und der Irakkrieg. Biden gab der Politik von Präsident George W. Bush, einem Parteifreund von McCain, eine Mitschuld an der wirtschaftlichen Situation. Zudem habe der Senator aus Arizona die Lage falsch eingeschätzt. "Vor zwei Montagen sagte John McCain um neun Uhr morgens, dass die Fundamentalwerte der Wirtschaft stark seien", sagte Biden. Um elf Uhr habe er dann von einer Wirtschaftskrise gesprochen. "Das macht John McCain nicht zu einem schlechten Kerl, aber es zeigt, dass er nicht auf der Höhe ist."

"Wir haben John McCain zu verdanken, dass die Menschen wenigstens gewarnt wurden", konterte Palin. Der Republikaner habe sich für eine Lösung der Krise über Parteigrenzen hinweg stark gemacht und als Folge davon werde es eine bessere Überwachung des Marktes geben. "Es gab Täuschung und es gab Gier und es gibt Korruption an der Wall Street. Und dem müssen wir ein Ende setzen." Zudem warf sie den Demokraten vor, mit ihren Vorwürfen ständig in die Vergangenheit zu schauen statt sich auf die Zukunft zu konzentrieren.

"WIR BEENDEN DIESEN KRIEG" - "FLAGGE DER KAPITULATION"

Deutlich wurden die Unterschiede beim Thema Irakkrieg. Obama habe einen Plan vorgelegt, der ironischerweise auch von Bush und Iraks Regierung mitgetragen werde, sagte Biden. Nur McCain verschließe sich dem. "Wir beenden diesen Krieg. Für John McCain ist kein Ende in Sicht." Palin wies die Vorstellungen der Demokraten als unverantwortlich zurück. "Ihr Plan ist eine weiße Flagge der Kapitulation", sagte sie. Obama habe immer noch nicht eingestanden, dass die von Bush angeregte Truppenverstärkung zum Sieg führe.

Bei anderen Themen zeigten sich Biden und Palin grundsätzlich einer Meinung. Dazu gehörte die Notwendigkeit, in Extremfällen Interventionen in anderen Staaten zu erwägen. "Wenn ein Staat einen Völkermord begeht, wenn ein Land Terroristen Schutz gewährt und nichts gegen sie unternimmt, dann hat dieses Land aus meiner und Baracks Sicht das Recht verwirkt zu sagen, dass man dort nicht intervenieren dürfe", sagte der Demokrat. Biden wies auch darauf hin, dass er und Obama die Homo-Ehe ablehnten. "Meine Antwort ist die gleiche wie seine", sagte Palin dazu.

EXPERTE - DER VERKEHRSUNFALL BLIEB AUS

Beide Lager beanspruchten nach der Debatte den Sieg für sich. "Sie hat McCain wieder ins Rennen gebracht", sagte der republikanische Stratege Scott Reed zu Palin. Die Gouverneurin hatte vor dem Treffen kaum mit der Presse gesprochen und zog für ein Interview mit CBS Kritik auf sich. Der Demokrat David Axelrod räumte ein, dass Palin ein großes Talent dafür gezeigt habe, den Bürger anzusprechen. "Es ist immer schön, wenn einem zugezwinkert wird", sagte er zu der Art, wie Palin auf die Bühne gekommen war. "Aber es ist auch schön, einen Gehaltscheck zu bekommen, und darüber machen sich die meisten Leute Sorgen."

Die Zahl der Fernsehzuschauer könnte die der ersten Debatte zwischen Obama und McCain von 52 Millionen überstiegen haben. Das Treffen wurde dabei nicht nur wegen Palin mit Spannung erwartet. Biden hat den Ruf, zu redselig zu sein und zu Patzern zu neigen. Experten bescheinigten auch ihm einen glänzenden Auftritt. Bruce Merrill von der Arizona State University verglich das Interesse an der Debatte mit dem an einem Formel-1-Rennen. "Ich glaube, viele Leute haben eingeschaltet, um einen Unfall zu sehen", sagte er. "Es gab keinen."

 
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