Neuer Datenskandal erschüttert die Deutsche Telekom
Köln (Reuters) - Nur gut vier Monate nach Bekanntwerden der Spitzelaffäre erschüttert ein neuer Datenskandal die Deutsche Telekom.
Der Bonner Konzern räumte am Samstag ein, dass sich persönliche Daten von Millionen Kunden der Tochter T-Mobile in fremden Händen befinden. "Der Spiegel" hatte zuvor berichtet, er habe bei einem Mainzer Jungunternehmer Einsicht in Datensätze von über 17 Millionen T-Mobile-Kunden nehmen können, die "ganz offenbar" aus den Rechenzentren der Telekom-Tochter stammten.
Der Fall ist brisant, weil laut "Spiegel" auch persönliche Angaben prominenter Politiker, Wirtschaftsführer oder Kirchenvertreter betroffen sind. Deren Sicherheit könnte potenziell gefährdet sein. Daher sei auch das Kanzleramt informiert worden. Das Bundesinnenministerium habe das Bundeskriminalamt mit der Erstellung einer Gefährdungsanalyse beauftragt, berichtete das Magazin. Täter und Hintermänner seien bislang nicht bekannt.
Das Bundeskrimininalamt hat die Gefährdungssituation prominenter Politiker und Wirtschaftsführer als Konsequenz aus dem Datendiebstahl neu bewertet. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums bestätigte, dass in mehreren Fällen Gefährdungsanalysen in Auftrag gegeben worden seien. Die Ergebnisse lägen auch bereits vor. Zu den Schlussfolgerungen des Bundeskriminalamtes und den betroffenen Personenkreis wollte sie keine Angaben machen.
TELEKOM - KEINE HINWEISE AUF DATENMISSBRAUCH
Laut Telekom umfassen die Datensätze neben Namen und Anschrift die Mobilfunknummer, teils das Geburtsdatum und in einigen Fällen auch die E-Mail-Adresse. Es seien keine Bankverbindungen, Kreditkartennummern oder Verbindungsdaten weitergegeben worden. Die Daten wurden laut Telekom bereits 2006 gestohlen. Der Konzern habe den Vorfall damals bei den zuständigen Staatsanwaltschaften angezeigt. Recherchen im Internet und in Datenbörsen hätten der Telekom keine Anhaltspunkte geliefert, dass die Daten im Schwarzmarkt angeboten worden seien, erklärte die Telekom. "Wir gingen bisher davon aus, dass diese Daten im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in vollem Umfang sichergestellt wurden", erklärte T-Mobile-Deutschland-Chef Philipp Humm. "Wir haben weder aus unseren Servicebereichen noch sonst Hinweise, dass diese Daten zum Nachteil unserer Kunden genutzt wurden", beschwichtigte er. Die Telekom habe seit 2006 ihre Sicherheitsmechanismen deutlich verstärkt.
Der Konzern bietet T-Mobile-Kunden an, kostenlos ihre Mobilfunknummern ändern zu lassen. Zudem hat der Konzern eine Hotline unter der Nummer 0800 330 034505 eingerichtet.
TELEKOM-IMAGE DURCH SPITZELAFFÄRE ANGEKRATZT
Der Skandal wirft erneut ein schlechtes Licht auf die Telekom, deren Image durch die Spitzelaffäre arg angekratzt ist. Der Bonner Konzern hatte Ende Mai eingeräumt, dass es 2005 und möglicherweise auch 2006 zu Fällen missbräuchlicher Nutzung von Verbindungsdaten gekommen war. Ziel soll es nach Informationen aus dem Konzernumfeld hauptsächlich gewesen sein, Kontakte von Aufsichtsräten zu Journalisten auszuspähen, um die Veröffentlichung vertraulicher Informationen zu unterbinden.
Die Telekom selbst hatte Anzeige erstattet, um das Ausmaß des Missbrauchs und den oder die Auftraggeber herauszufinden. Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt im Kern gegen acht Beschuldigte, unter anderem gegen den früheren Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke und den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Zumwinkel. Es geht unter anderem mögliche Verstöße gegen das Fernmeldegeheimnis und den Datenschutz.
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