Neuer Datenskandal erschüttert die Telekom

Sonntag, 5. Oktober 2008, 16:20 Uhr
 

Köln (Reuters) - Nur gut vier Monate nach Bekanntwerden der Spitzelaffäre erschüttert ein neuer Datenskandal die Deutsche Telekom.

Der Bonner Konzern räumte am Samstag ein, dass sich persönliche Daten von Millionen Kunden der Tochter T-Mobile in fremden Händen befinden. "Der Spiegel" hatte zuvor berichtet, er habe bei einem Mainzer Jungunternehmer Einsicht in Datensätze von über 17 Millionen T-Mobile-Kunden nehmen können, die "ganz offenbar" aus den Rechenzentren der Telekom-Tochter stammten.

Der Datendiebstahl ist besonders brisant, weil laut "Spiegel" auch persönliche Angaben prominenter Politiker, Wirtschaftsführer oder Kirchenvertreter betroffen sind. Deren Sicherheit könnte potenziell gefährdet sein. Das Bundesinnenministerium gab beim Bundeskriminalamt in mehreren Fällen Gefährdungsanalysen in Auftrag, wie eine Sprecherin bestätigte. Die Ergebnisse lägen auch bereits vor. Zu den Schlussfolgerungen des Bundeskriminalamtes und den betroffenen Personenkreis wollte sie keine Angaben machen. Täter und Hintermänner des Datenklaus sind laut "Spiegel" bislang nicht bekannt. Die Bonner Staatsanwaltschaft war zunächst nicht zu erreichen.

"Das ganze ist ein sehr ärgerlicher Vorfall", sagte Telekom-Chef Rene Obermann der "Bild am Sonntag". "Wir können uns bei unseren Kunden nur entschuldigen." Er sei vor zweieinhalb Jahren von dem Datendiebstahl informiert worden, sagte Obermann, damals noch Chef der Tochter T-Mobile. Die Telekom habe sich inzwischen wegen Datenmissbrauchs von Mitarbeitern getrennt.

Nach Aussage eines Telekom-Sprechers wurden die Daten 2006 entwendet. Das habe die Telekom damals bei der Staatsanwaltschaft Bonn angezeigt. Zugleich habe der Konzern die Sicherheitsmaßnahmen deutlich verschärft. Jetzt müssten die Untersuchungen abgewartet werden. An die Öffentlichkeit sei die Telekom bislang nicht gegangen, um die Ermittlungen der Strafverfolger nicht zu behindern, sagte der Sprecher. Die Telekom habe keine Hinweise, dass die Daten für Belästigungen oder anderweitig unerlaubt genutzt wurden.

TELEKOM: KEINE BANKVERBINDUNGEN IN DEN DATEN

Laut Telekom umfassen die Datensätze neben Namen und Anschrift die Mobilfunknummer, teils das Geburtsdatum und in einigen Fällen auch die E-Mail-Adresse. Es seien keine Bankverbindungen, Kreditkartennummern oder Verbindungsdaten weitergegeben worden, sagte der Sprecher. Recherchen im Internet und in Datenbörsen hätten keine Anhaltspunkte geliefert, dass die Daten im Schwarzmarkt angeboten worden seien.

"Wir haben den Markt genau beobachtet in den vergangenen zwei Jahren", sagte der Sprecher. Die Zahl der Kundenbeschwerden oder Anfragen nach Rufnummernwechsel habe nicht merklich zugenommen. Dies hätte ein Signal für eine Datenweitergabe sein können, erläuterte der Sprecher.

"Wir gingen bisher davon aus, dass diese Daten im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in vollem Umfang sichergestellt wurden", erklärte T-Mobile-Deutschland-Chef Philipp Humm. Der Konzern bietet T-Mobile-Kunden an, kostenlos ihre Mobilfunknummern ändern zu lassen. Zudem hat der Konzern eine Hotline unter der Nummer 0800 330 034505 eingerichtet.   Fortsetzung...