Opel will Staatshilfen wegen GM-Krise

Freitag, 14. November 2008, 19:54 Uhr
 

Rüsselsheim (Reuters) - Der Autobauer Opel sieht ohne Staatshilfe seine Zukunft gefährdet. Angesichts der drohenden Schieflage seines US-Mutterkonzerns General Motors hat der Rüsselsheimer Traditionskonzern einen Hilferuf an die Politik gerichtet.

Opel habe sich an die Bundesregierung und alle Bundesländer, in denen es Opel-Werke gibt, mit der Bitte um eine Staatsbürgschaft gewandt, sagte ein Sprecher des Autobauers am Freitag. Damit soll ein Weiterbetrieb im Falle größerer wirtschaftlicher Schwierigkeiten von GM gesichert werden.

Der geschäftsführende hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sagte in Wiesbaden, es gehe um eine Bürgschaft in der Größenordnung von einer Milliarde Euro für Opel. Davon werde der Bund voraussichtlich zwei Drittel übernehmen. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) gab für den Autobauer in der "Bild am Sonntag" laut Vorabbericht eine Überlebensgarantie ab.

GM hatte vergangene Woche erklärt, dass ihm im ersten Halbjahr das Geld auszugehen drohe, falls es nicht zu weiteren Hilfen oder drastischen Schritten komme. In den USA bemüht sich die Regierung bereits unter Hochdruck, ein milliardenschweres Hilfspaket für die notleidende Automobilindustrie zu schnüren.

"Opel muss nun konkrete belastbare Zahlen auf den Tisch legen, damit wir die Situation analysieren können", erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. Auf dieser Basis würden dann Gespräche innerhalb der Bundesregierung und mit den betroffenen Bundesländern geführt. "Das Problem kann nur gemeinsam mit den betroffenen Standorten angegangen werden", sagte eine Ministeriumssprecherin. Das Bundesfinanzministerium kündigte für kommende Woche Gespräche mit allen Beteiligten an.

Rüttgers sagte der "Bild am Sonntag": "Wir lassen Opel nicht untergehen. Nordrhein-Westfalen wird gemeinsam mit dem Bund und den anderen Ländern Bürgschaften gewähren." Der Politiker forderte Gegenleistungen für die staatliche Hilfe: "Dafür muss es aber Standortsicherheit auch in NRW geben. Wir wollen die Arbeitsplätze in Bochum sichern."

ARBEITNEHMER SAGEN UNTERSTÜTZUNG ZU

Opel-Chef Hans Demant sagte, er habe in den vergangenen Wochen Kontakt zur Bundesregierung und den Landesregierungen aufgenommen. "Wir haben bei der Politik offene Ohren vorgefunden. Wir wollen die Wettbewerbsfähigkeit von Opel auch in dieser global schwierigen Situation sichern." Die eventuell benötigten Mittel und Bürgschaften würden in die deutschen Werke investiert und keinesfalls außerhalb Europas eingesetzt, betonte er.

Opel-Betriebsratschef Klaus Franz sagte der Firmenleitung die volle Unterstützung der Arbeitnehmer zu. "Wir werden als Arbeitnehmer einen Beitrag leisten, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern." Opel beschäftigt in Deutschland 25.700 Mitarbeiter. Ziel der Gespräche mit der Bundesregierung und den Ländern sei, Vorbereitungen für die Absicherung zusätzlicher Darlehen zu treffen, da sich die globale Finanzsituation des Mutterkonzerns General Motors verschlechtert habe.   Fortsetzung...

 
<p>A traffic sign is seen in front of the headquarters of German car manufacturer Opel in Ruesselsheim November 14, 2008. General Motors Corp's Adam Opel unit has asked the German federal and state governments for guarantees to help it weather tough times for the automotive industry, an Opel spokesman said on Friday. REUTERS/Alex Grimm (GERMANY)</p>