Kriselnde US-Autobauer bitten um Staatshilfen

Mittwoch, 19. November 2008, 15:24 Uhr
 

Washington (Reuters) - Mit dramatischen Appellen haben die drei großen amerikanischen Autokonzerne vor dem US-Senat um Staatshilfen gebeten.

Der angeschlagene Opel-Mutterkonzern General Motors(GM) warb um Kredite zwischen zehn und zwölf Milliarden Dollar. Eindringlich bat GM-Chef Rick Wagoner zusammen mit seinen Kollegen von Ford, Alan Mulally, und Chrysler, Robert Nardelli, am Dienstag vor dem Bankenausschuss des Senats um Unterstützung. Eine Rettung der Unternehmen sei nötig, um die US-Wirtschaft vor einem "katastrophalen Kollaps" zu bewahren, sagte Wagoner. Die drei Autobauer erhoffen sich weitere Staatshilfen von insgesamt 25 Milliarden Dollar.

Ford benötigt nach eigenen Angaben rund acht Milliarden Dollar, um wieder auf die Beine zu kommen. Chrysler strebt sieben Milliarden Dollar an. Chrysler-Chef Bob Nardelli sagte, er sei bereit, im Gegenzug für Finanzhilfen völlige Transparenz zu gewährleisten und begrüße in diesem Zusammenhang auch Staatsbeteiligungen. Die Kosten eines Konzernumbaus im Zuge einer Pleite seien erheblich höher als eine Kapitalspritze zum jetzigen Zeitpunkt. Ford-Chef Mulally räumte Fehler der Branche in der Vergangenheit ein. Zugleich warnte er für die erste Jahreshälfte vor einem deutlichen Absatzeinbruch. Ford werde daher seine Produktion im vierten Quartal um 210.000 Fahrzeuge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum drosseln.

Auch der Chef der Branchengewerkschaft UAW, Ron Gettelfinger, mahnte rasche Staatshilfen an. Wenn die Regierung den Unternehmen nicht schnell unter die Arme greife, seien sie zur Geschäftsauflösung gezwungen. Ein Kollaps der Autoindustrie würde den Abschwung der US-Wirtschaft zudem massiv verschärfen. GM, Ford und Chrysler beschäftigen in den USA fast 250.000 Menschen. Ein Kollaps eines der Autogiganten würden zudem die Zulieferer erheblich belasten.

KONGRESS UND REGIERUNG UNEINS

Weitere staatliche Hilfen für die Autoindustrie sind allerdings zwischen der Regierung sowie den Republikanern und Demokraten umstritten. Die Demokraten, die im Kongress die Mehrheit haben, wollen dazu 25 Milliarden aus dem 700 Milliarden Dollar schweren Bankenrettungspaket abzweigen. Die Republikaner favorisieren dagegen die Erweiterung eines bereits bestehenden Kreditpaketes für die Autobauer über 25 Milliarden Dollar, das das Energieministerium den Konzernen zur Umstellung ihrer Produktion auf spritsparende Fahrzeuge bereitstellt. Die Regierung unter dem scheidenden Präsidenten George W. Bush wiederum sperrt sich gegen jegliche weitere Rettungsmaßnahmen aus Steuergeldern. Notfalls könnte Bush sein Veto gegen Hilfszusagen des Kongresses einlegen. Sein Nachfolger, der Demokrat Barack Obama, hat Hilfen für die Autobauer zu einer seiner dringlichsten Aufgaben erklärt.

Im Zuge der Probleme bei GM hat auch die Tochter Opel die Bundesregierung um eine Bürgschaft gebeten, über die Kanzlerin Angela Merkel bis Weihnachten entscheiden will. In das Ringen um den angeschlagenen Autobauer Opel mischte sich am Mittwoch überraschend der Bonner Solartechnikkonzern Solarworld ein: Das Unternehmen schlägt vor, die vier deutschen Opel-Werke und das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim zu übernehmen.