Bislang über 100 Tote nach Islamisten-Angriff in Bombay

Donnerstag, 27. November 2008, 12:06 Uhr
 

Bombay (Reuters) - Auch fast 24 Stunden nach den Anschlägen auf Luxushotels und andere Touristenzentren in der indischen Finanzmetropole Bombay hat die Polizei die Lage noch immer nicht unter Kontrolle.

Zwar beendeten Spezialeinheiten am Donnerstag die Geiselnahme in dem von vielen Ausländern bewohnten Hotel "Taj Mahal", doch dauerten im "Trident/Oberoo" die Kämpfe mit den Extremisten an. Bei den gezielt verübten Anschlägen wurden nach offiziellen Angaben mindestens 100 Menschen getötet.

Im ebenfalls von vielen Ausländern frequentierten Hotel "Trident/Oberoi" wurden nach Polizeiangaben offenbar noch Gäste als Geiseln gehalten. "Um sicherzustellen, dass unschuldige Menschen nicht zu Schaden kommen, müssen wir sehr vorsichtig vorgehen", sagte der Chef der Staatspolizei vom Bundesstaat Maharashtra, A. N. Roy. Eine Reuters-Reporterin hatte zuvor berichtet, in dem Fünf-Sterne-Hotel habe es eine laute Explosion gegeben.

Auch nach dem Ende des Polizeieinsatzes im "Taj Mahal" hatte sich nach Behördenangaben eine unbekannte Zahl von Gästen in ihren Zimmern verschanzt. Außerdem kam es laut Augenzeugen auch nach der Befreiungsaktion zu Schusswechseln.

Unter den Toten sind nach indischen Angaben mindestens sechs Ausländer. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte, bislang gebe es noch keine Klarheit, ob Deutsche getötet oder verletzt seien. Unklar war zunächst auch, ob unter den Hotelgästen auch zwei deutsche Europa-Abgeordnete waren. In Berlin und Bombay wurden deutsche Krisenstäbe eingerichtet.

Nach bisherigen Erkenntnissen griffen die Attentäter am späten Mittwochnachmittag Luxushotels, den Touristen-Treffpunkt Cafe "Leopold", Krankenhäuser und einen Bahnhof an. Die Männer sollen dabei wahllos in die Menge geschossen und auch Handgranaten geworfen haben. Am Donnerstagmorgen ging die Polizei von rund 300 Verletzten aus.

Ein deutscher Staatsbürger, der aus dem "Taj Mahal" fliehen konnte, berichtete, zwei seiner Kollegen seien noch in dem Hotel. Andere Hotelgäste konnten mit ihren Handys eine Verbindung nach außen herstellen. Einer sagte, am Hotelpool lägen zwei Leichen.

Einer der Angreifer "Trident/Oberoi" forderte in einem Telefoninterview mit einem TV-Sender, alle in Indien inhaftierten islamistischen Kämpfer müssten freigelassen werden. Der Mann, der sich selbst Sahadullah nannte, sagte, einer von sieben Angreifern in dem Hotel zu sein. Die kaum bekannte Gruppe Deccan Mujahideen erklärte, Urheberin der Angriffe zu sein.

Die Angreifer, deren genau Zahl noch nicht feststeht, waren über das Meer gekommen. In Booten fuhren sie zu den Touristenzentren auf der Halbinsel, auf der die Altstadt von Bombay liegt.

 
<p>Firemen try to douse out a fire at the Taj hotel in Mumbai November 27, 2008. - Suspected Islamist gunmen launched waves of attacks in the heart of India's financial capital, killing at least 101 people and taking many foreigners hostage in two of the city's plushest hotels, police said on Thursday. REUTERS/Stringer</p>