Überlebenskampf der US-Autobauer spitzt sich zu
Detroit/Washington (Reuters) - Nach einem herben Absatzeinbruch im November hat sich die Lage der schwer angeschlagenen US-Autobauer weiter verschärft.
Die Opel-Mutter General Motors (GM), Ford und Chrysler benötigen nach eigener Darstellung inzwischen 34 Milliarden Dollar vom US-Staat, um eine bis Jahresende drohende Insolvenz abzuwenden. Das sind neun Milliarden mehr als die Chefs der "Großen Drei" noch vor zwei Wochen im US-Kongress gefordert hatten.
Die Kongressabgeordneten wollen sich von den Konzernmanagern in den nächsten Tagen die Sanierungspläne erläutern lassen, bevor sie entscheiden wollen. Vertreter von Demokraten und Republikanern haben bereits erkennen lassen, dass sie keinen der Autobauer in Konkurs gehen lassen wollen. Es werde aber länger dauern, bis über die Hilfen entschieden werde, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses.
Die Autobauer wollen mit weiteren tiefen Einschnitten bei Personal und Produktion, dem Verkauf von Marken sowie der Entwicklung spritsparender Kleinwagen aus der Krise kommen. Alleine der taumelnde Opel-Mutterkonzern GM benötigt dazu Finanzhilfen von bis zu 18 Milliarden Dollar. Vier Milliarden müssten bis Monatsende fließen, sonst drohe das Aus, sagte GM-Vizechef Fritz Henderson. "Es gibt keinen Plan B", machte er die verfahrene Lage des einstigen Weltmarktführers deutlich. GM verbrennt wegen Überkapazitäten jeden Monat Milliarden an Reserven.
Chrysler braucht zum Überleben bis Jahresende einen Überbrückungskredit von sieben Milliarden Dollar. Ford, das unter Experten noch als relativ stark eingeschätzt wird, beantragte für geplante Umstrukturierungen eine Kreditlinie von bis zu neun Milliarden. Die Nummer drei am US-Markt kündigte an, seine Produktion in Nordamerika in der ersten Jahreshälfte 2009 um fast 40 Prozent zu drosseln. 2011 will Ford schwarze Zahlen schreiben.
"TODKRANKE JUNKIES AM TROPF DES STAATES"
Branchenexperten sind skeptisch, ob die Konzerne selbst mit Staatshilfe überleben können. Den Konzernen werde dadurch lediglich etwas Zeit gegeben. "Das ist wie bei einem todkranken Junkie, der gerade noch am Leben gehalten wird. Die Chance, dass das aufgeht, ist gering", sagte Jürgen Pieper, Autoanalyst des Bankhauses Metzler. Er rechnet damit, dass Chrysler binnen fünf Jahren entweder in Konkurs geht oder übernommen wird.
Chrysler-Eigner Cerberus sucht bereits händeringend einen Partner. Der Konzern gilt als schwächster unter den drei US-Herstellern. Anders als GM mit Opel in Rüsselsheim und Ford mit den Kölner Ford-Werken verfügt der ehemals zu Daimler gehörende Autobauer über keine europäische Tochter, die ihm den Zugang zu spritsparenden Technologien ermöglicht.
Alle US-Autobauer haben nach einhelliger Expertenmeinung in den USA viel zu lange an ihren schweren Pick-ups und wuchtigen Geländewagen festgehalten, anstatt sparsame Kleinwagen zu entwickeln. Der Absatz wurde mit Rabatten künstlich hoch gehalten. Das rächt sich nun: Seit dem Anstieg der Benzinpreise stapeln sich die schweren Wagen auf den Händlerhöfen. Mit der Rezession kommt hinzu, dass kaum noch ein Amerikaner Geld für ein neues Auto hat. Fortsetzung...

