Israel setzt Luftangriffe auf Gazastreifen fort

Mittwoch, 31. Dezember 2008, 16:42 Uhr
 

Jerusalem (Reuters) - Israel will seine Angriffe auf den Gazastreifen fortsetzen und schließt eine Waffenruhe weiter aus.

Die Bedingungen dafür seien derzeit nicht gegeben, sagte Israels Ministerpräsident Ehud Olmert am Mittwoch. Sollten sich die Umstände verbessern und eine diplomatische Lösung möglich sein, die zur Sicherheit im Süden des Landes beitrage, werde Israel einen Waffenstillstand erwägen. "Aber im Moment gibt es das nicht", zitierte ein Berater Olmert. Die radikal-islamische Hamas würde nach eigenen Angaben Vorschläge für eine Feuerpause prüfen, sofern Israel seine Angriffe einstelle und seine "Blockade" des Gaza-Streifens vollständig beende. Die Palästinenser feuerten indes Raketen so weit auf israelisches Gebiet wie nie zuvor.

Die Zahl der Todesopfer der schwersten israelischen Luftangriffe auf den Gazastreifen seit dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 stieg auf 393. Mindestens ein Viertel davon waren nach UN-Angaben Zivilisten. Palästinensischen Medizinern zufolge wurden mehr als 1600 Menschen in dem dicht besiedelten Küstenstreifen verletzt. Vier Israelis kamen im palästinensischen Raketenbeschuss seit Beginn der Luftoffensive am Samstag ums Leben.

ANGRIFFSWELLE AM 5. TAG EBBT ZUNÄCHST AB

Israels Luftwaffe flog am fünften Tag der Offensive zunächst nur sechs Angriffe und damit deutlich weniger als zuletzt. Dies ermöglichte es vielen der 1,5 Millionen Menschen im Gaza-Streifen, erstmals seit dem Wochenende ihre Häuser zu verlassen, um sich mit Vorräten einzudecken. Das israelische Sicherheitskabinett beschloss jedoch die Fortsetzung der Angriffe. "Es gibt keine Absicht, die Militäraktion zu beenden", sagte Innenminister Meir Sheetrit. Eine Bodenoffensive werde weiter vorbereitet und sei noch nicht vom Tisch.

Seit Tagen fahren israelische Panzer an der Grenze auf, während nur wenige hundert Meter dahinter islamistische Kämpfer die Region mit Landminen und Sprengfallen vorbereiten. Regen könnte den Beginn einer Bodenoffensive verzögern. Ab Donnerstag soll sich die Wetterlage dann für einige Tage bessern.

Die Hamas feuerte nach israelischen Angaben erneut Raketen vom Gazastreifen aus weit auf israelisches Gebiet. Mehrere Geschosse schlugen der Polizei zufolge in der südlichen Stadt Beerscheba ein. Eine Rakete traf eine Schule, die zuvor geräumt worden war. Beerscheba liegt etwa 40 Kilometer vom Gazastreifen entfernt.

Während die Kämpfe weitergingen, setzte auch die internationale Gemeinschaft ihre Appelle für eine sofortige Waffenruhe fort. Dies forderte das Nahost-Quartett aus USA, UN, EU und Russland. Die französische EU-Ratspräsidentschaft schlug vor, Israel solle seine Luftangriffe für 48 Stunden stoppen, damit Hilfsorganisationen Lebensmittel und Medikamente in den Gazastreifen liefern können. Nach israelischen Militärangaben sollten noch im Laufe des Tages mehr als 100 Lkw-Ladungen mit Nahrungsmitteln und Hilfsgütern in die Konfliktregion gelangen.

ARABISCHE LIGA BERÄT ÜBER KONFLIKT

Auch die Arabische Liga beriet über den Konflikt. Zum Auftakt des Krisentreffens in Kairo warf Saudi-Arabien den Palästinensern eine Mitschuld an den israelischen Luftangriffen vor. "Dieses schreckliche Massaker wäre nicht passiert, wenn das palästinensische Volk vereinigt hinter einer Führung gestanden hätte", sagte der saudische Außenminister Saud Al-Faisal. Palästinensische Gruppen sollten zu einem Treffen zusammenkommen, das in einer Regierung der nationalen Einheit münden sollte. Die Hamas kontrolliert den Gazastreifen, während im Westjordanland die als gemäßigt geltenden Palästinenser unter Präsident Mahmud Abbas regieren.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad rief die arabischen Staaten zu einem schnellen Eingreifen auf. "Wenn die Arabische Liga jetzt nicht handeln will, wann will sie etwas unternehmen?" erklärte Ahmadinedschad in der iranischen Stadt Sahedan. Die arabischen Staaten sind in der Frage gespalten, inwieweit sie sich von der Hamas distanzieren sollen oder nicht.