Leiden der Zivilbevölkerung im Gazastreifen immer größer

Montag, 5. Januar 2009, 17:45 Uhr
 

Gaza/Jerusalem (Reuters) - Angesichts immer größerer Leiden der Zivilbevölkerung im Gazastreifen forcieren Politiker aus Europa und der Region die Bemühungen um einen Waffenstillstand.

Neben Wasser, Lebensmitteln und Medikamenten würden inzwischen auch Leichensäcke knapp, teilte das Rote Kreuz am Montag mit. Den schweren Kämpfen fielen am Wochenbeginn mindestens ein Dutzend Zivilisten zum Opfer. Die Europäische Union (EU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy versuchten bei getrennten Reisen in die Region einen Waffenstillstand zu vermitteln. Israel will aber kämpfen, bis die Gefahr durch den Beschuss mit Raketen aus dem Gazastreifen dauerhaft gebannt ist. Die radikal-islamische Hamas kündigte dagegen an, den Grundstein für "ein Morgen ohne Zionisten" legen zu wollen.

Im Flüchtlingslager Beach bei Gaza-Stadt seien sieben Angehörige einer Familie bei einer Explosion getötet worden, berichteten palästinensische Ärzte. Drei Kinder und deren Mutter starben, weil eine Panzergranate in ihr Haus in Gaza-Stadt einschlug. Die Lage sei sehr gefährlich geworden, erklärte das Rote Kreuz. Die Angriffe behinderten die Arbeit der Helfer. Die mitunter schon durch die Luftangriffe beschädigten Krankenhäuser seien mit den Mengen von Verletzten überfordert.

Die Zahl aller Opfer seit Beginn der Kämpfe vor zehn Tagen stieg auf über 530. Die UN gehen davon aus, dass ein Viertel davon Zivilisten sind. Das israelische Militär erklärte, seit Beginn der Bodenoffensive am Samstag seien "viele Dutzend" Hamas-Kämpfer getötet worden. Bislang kam ein israelischer Soldat ums Leben. "Die Hamas hat einen sehr harten Schlag durch uns erlitten, aber wir müssen unser Ziel noch erreichen", sagte Verteidigungsminister Ehud Barak im israelischen Rundfunk. "Deshalb geht die Operation weiter."

DIPLOMATISCHE FORTSCHRITTE ZEICHNEN SICH NICHT AB

Bei den diplomatischen Bemühungen um eine Beilegung des Konflikts zeichneten sich indes keine Fortschritte ab. Die Hamas entsandte zwar erstmals eine Delegation zu Gesprächen nach Ägypten. Gleichzeitig verteidigte sie aber Angriffe auf israelische Schulen und Synagogen als Antwort auf die israelischen Angriffe. Israels Außenministerin Zipi Livni lehnte den europäischen Vorschlag zur Entsendung von UN-Beobachtern in den Gazastreifen nach einem Waffenstillstand als nicht hilfsreich ab.

Seit Sonntag bereisen Tschechiens Außenminister Karel Schwarzenberg und der EU-Außenbeauftragte Javier Solana als Teil einer EU-Delegation die Region, um zu vermitteln. Tschechien hält seit 1. Januar die EU-Ratspräsidentschaft, die es von Frankreich übernommen hatte. Der Nahostbeauftragte des Auswärtigen Amtes, Andreas Michaelis, reist am Dienstag nach Nahost, um sich an den Bemühungen zu beteiligen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier sondierten in Gesprächen mit hochrangigen Politikern aus Europa, den USA und aus der Region Wege zu einer Lösung des Konflikts.

Frankreichs Präsident Sarkozy sollte am Montag zunächst mit Ägyptens Staatspräsidenten Husni Mubarak zusammenkommen, dann im Westjordanland mit Palästinenser-Vertretern beraten und schließlich zu einem Arbeitsessen mit Israels Ministerpräsident Ehud Olmert reisen. In Zeitungsinterviews hatte Sarkozy erklärt, Frankreich habe wegen seiner besonderen Beziehungen in die Region auch eine besondere Verantwortung zur Vermittlung. Er hatte von der Hamas den Stopp der Raketenangriffe gefordert, aber auch die israelische Bodenoffensive verurteilt.

Auch der Iran schaltete sich in den Konflikt ein und bot Ägypten Hilfe bei der Behandlung verletzter Palästinenser aus dem Gazastreifen an. Der iranische Außenminister Manuchehr Mottaki bat seinen ägyptischen Kollegen zudem um Erlaubnis, ein Feldlazarett nahe der Grenze zum Gazastreifen zu errichten. Die Hamas wird vom Iran unterstützt und soll schätzungsweise 25.000 Kämpfer haben.   Fortsetzung...

 
<p>A Palestinian woman walks past a house destroyed after an Israeli air strike in Rafah in the southern Gaza Strip January 5, 2009. Israeli tanks, planes and ground forces pounded Gaza on Monday and Israeli Defence Minister Ehud Barak said the offensive against Hamas militants in the Palestinian enclave would go on until Israel was safe. REUTERS/Ibraheem Abu Mustafa (GAZA)</p>