Hoffnung auf rasches Ende des russischen Gaslieferstopps

Freitag, 9. Januar 2009, 17:58 Uhr
 

Moskau/Kiew (Reuters) - Nach der Ankunft internationaler Gasbeobachter in der Ukraine haben sich am Freitag die Anzeichen für ein Ende des russischen Lieferstopps verstärkt.

Gazprom-Chef Alexej Miller sagte in Moskau, sobald eine Vereinbarung für den Einsatz der Experten unterzeichnet sei, werde Russland den Gashahn wieder aufdrehen. Nach Angaben des ukrainischen Versorgers Naftogaz könnte danach das Gas binnen zwei Tagen in Europa ankommen.

Miller sagte, die Ukraine habe bereits mündlich dem Einsatz zugestimmt, mit einer Unterzeichnung der Vereinbarung sei noch im Laufe des Tages zu rechnen. Auch die Bundesregierung berichtete über Fortschritte bei den Bemühungen, den Lieferstopp zu beenden, der in zahlreichen europäischen Ländern mitten im Winter zu massiven Lieferausfällen geführt hat. Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin habe in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ihrem Vorschlag zur Entsendung von Beobachtern an die Kontrollstellen an den Grenzen der Ukraine zugestimmt, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm.

BEOBACHTER SOLLEN TRANSITFLUSS RUSSISCHEN GASES ÜBERWACHEN

Der tschechische Ministerpräsident Mirek Topolanek reiste nach Kiew, um die Vereinbarung über den Beobachtereinsatz endgültig zu besiegeln, wie aus Regierungskreisen in Prag verlautete. Am Mittag waren in Kiew die ersten Experten der von der EU-Kommission geführten Beobachterdelegation eingetroffen. Die Experten hätten erste Gespräche mit Naftogaz und Gazprom geführt, sagte ein Sprecher von E.ON Ruhrgas. Wann der Einsatz an den Messstationen beginne, sei noch offen. Ruhrgas hat die technische Leitung der 20-köpfigen Gruppe übernommen, der auch Mitarbeiter anderer europäischer Gasversorger wie RWE, ENI und GDF Suez sowie der EU-Kommission angehören. Die Beobachter sollen an der russisch-ukrainischen Grenze und an der ukrainisch-slowakischen Grenze den Transitfluss russischen Gases überwachen.

PREISFRAGE ZWISCHEN RUSSLAND UND UKRAINE WEITER UNGELÖST

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso hatte sich noch am Vormittag nicht zu einem konkreten Zeitpunkt äußern wollen, ab dem das Gas wieder strömen werde. Die Wiederaufnahme der Lieferungen werde wegen technischer Gegebenheiten noch etwas Zeit brauchen, sagte Barroso im bayerischen Wildbad Kreuth, wo er Gast der Klausurtagung der CSU-Bundestagsabgeordneten war.

Das Kernproblem des Disputs zwischen Russland und der Ukraine war weiter ungelöst. Seit Wochen streiten sich beide Seiten über Schulden, höhere Preise und Transitgebühren für Gaslieferungen. Gazprom hatte der Ukraine deswegen zu Jahresbeginn den Gashahn zugedreht und Naftogaz vorgeworfen, für Westeuropa bestimmten Brennstoff aus den Transit-Pipelines zu stehlen. Gazprom hatte daraufhin kein Gas mehr in die Leitung eingespeist.