Abwrackprämie lässt deutsche Autoindustrie hoffen
Frankfurt (Reuters) - Die Deutschen lassen sich von der Verschrottungsprämie für Altautos in Scharen in die Autohäuser locken.
Schon in den ersten Tagen nach dem Beschluss der Bundesregierung habe die Nachfrage nach Neuwagen deutlich angezogen, berichteten der deutsche Herstellerverband VDA und der Importeursverband VDIK am Dienstag. Mit einem Zuwachs der Bestellungen um 16 Prozent in der letzten Januarwoche - dem ersten Plus seit September - hofft VDA-Präsident Matthias Wissmann auf eine Trendumkehr. "Dies sind erste ermutigende Signale", sagte er. Viele Käufer kaufen offenbar gleich vom Hof: Auch die Neuzulassungen haben nach den Beobachtungen des VDIK bereits spürbar zugelegt.
Um die Ende des Jahres eingebrochene Nachfrage anzukurbeln, hat die Bundesregierung eine Abwrackprämie von 2500 Euro für alle mindestens neun Jahre alten Personenwagen beschlossen, wenn zugleich ein neues oder bisher nur auf den Händler zugelassenes Auto gekauft wird. Sie gilt rückwirkend seit Mitte Januar. Damit dürfte sie erst im Februar ihre volle Wirkung entfalten. Österreich, Spanien, Frankreich und Rumänien haben ähnliche Prämien beschlossen.
Nach einem Absatzrückgang im Dezember um sechs Prozent im Inland und einem noch stärkeren Einbruch des Exports hatten die deutschen Hersteller die Produktion massiv gedrosselt. Im Januar seien in Deutschland nur 314.000 Pkw gebaut worden, 34 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, berichtete der VDA. Viele Hersteller hatten Weihnachtsferien verlängert oder Kurzarbeit angemeldet.
EU-Industriekommissar Günter Verheugen sagte Reuters, die Autoindustrie in Europa habe eine Überkapazität von 20 Prozent, die in der Krise abgebaut würde. Vor allem Westeuropa müsse mit dem Abbau von Arbeitsplätzen und Standortschließungen rechnen.
In Deutschland verkauft wurden im Januar nur noch 189.400 Autos, 14 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Um die geringere Zahl von Öffnungstagen in den Autohäusern bereinigt, lag das Minus bei sechs Prozent. Damit habe sich Deutschland wohl noch besser geschlagen als andere Märkte in Europa, schätzt der VDA. Die Bestellungen deutscher Autos aus dem Ausland brachen um 37 Prozent ein, im Inland wurden 13 Prozent weniger bestellt. Der US-Autobauer Chrysler meldete für den Januar ein Absatzminus von 35 Prozent auf seinem Heimatmarkt.
Viele Experten sehen vor allem die Importeure von günstigen Kleinwagen als Profiteure der Abwrackprämie, die eigentlich der heimischen Branche auf die Sprünge helfen soll. Der französische Autobauer PSA Peugeot Citroen schraubte prompt seine Absatzprognose für dieses Jahr um 12.000 auf 108.000 Fahrzeuge nach oben. Das wäre ein Plus von 14 Prozent. "Es ist schon jetzt offensichtlich: Die Umweltprämie zeigt Wirkung. Die Stimmung bei den Peugeot-Händlern ist derzeit so gut wie schon lange nicht mehr", sagte Deutschland-Chef Olivier Dardart in Frankfurt. Im Januar hätten sie beim größten Kleinwagen-Importeur Deutschlands 80 Prozent mehr Autos bestellt als ein Jahr zuvor.
ZUSÄTZLICHE RABATTE
Volkswagen registriert nach eigenen Angaben seit zwei Wochen 15 bis 20 Prozent mehr Kundschaft bei den Händlern. Die Kunden schauten sich vor allem nach Klein- und Kompaktwagen um. Sogar beim Oberklasse-Hersteller Daimler, dessen Absatz im Januar um 30 Prozent einbrach, ist wieder mehr los. "Wir haben unsere Marketingmaßnahmen darauf ausgerichtet", hieß es beim Deutschland-Vertrieb von Mercedes-Benz. Bis Ende März legt der Konzern für bereits auf dem Hof stehende Neuwagen 2500 Euro auf den Restwert des Altautos drauf, bei Smart kommen zur staatlichen Prämie 1100 Euro "Umweltbonus". Der VDA-Chef sagte, viele Hersteller unterstützten den Aufwärtstrend mit Rabatten.
Der Trend zum Kleinwagen scheint aber unumkehrbar. Im Januar feierten Hyundai (plus 51 Prozent) und Mazda (27 Prozent) die größten Zuwächse. Kleinstwagen legten insgesamt nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts um mehr als ein Drittel zu, Kleinwagen hielten sich auf dem Vorjahresniveau, während Oberklasse-Autos mit einem Minus von 48 Prozent dramatisch an Anziehungskraft verloren.
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