Fed erwartet trotz Milliardenprogramm Konjunktureinbruch

Donnerstag, 19. Februar 2009, 07:40 Uhr
 

Washington (Reuters) - Trotz gigantischer Konjunkturpakete werden die USA laut Notenbank vorerst nicht aus der Rezession herauskommen.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde 2009 um zwischen 0,5 und 1,3 Prozent schrumpfen, heißt es in den am Mittwoch veröffentlichten Projektionen der Notenbank. 2008 war das BIP noch um 1,3 Prozent gewachsen. Die düsteren Prognosen wurden gemeinsam mit dem Sitzungsprotokoll der Fed vom 28. Januar veröffentlicht. Darin warnten viele Notenbanker vor dem Risiko einer zu niedrigen Inflation. Einige sprachen sogar von der Gefahr einer Deflation - also einem Preisverfall auf breiter Front.

Zugleich kündigte die Fed Reformen an. Sie hat bereits konkret über die Festlegung eines Inflationsziels gesprochen. Wegen der akuten Wirtschaftskrise scheute sie jedoch vorerst vor einer Entscheidung zurück. Wie Fed-Chef Ben Bernanke ankündigte, wird die Zentralbank aber ihre Langfristvorhersage ausweiten: Statt drei will die Fed dann bis zu sechs Jahre in die Zukunft blicken.

Dabei soll ihre Prognose zur mittelfristigen Preisentwicklung als eine Art Richtschnur für das angestrebte Inflationsniveau dienen, wie es etwa die Bank von England und die Europäische Zentralbank (EZB) mit einem festen Inflationsziel bereits haben. Das mittelfristig angestrebte US-Inflationsniveau soll dabei sowohl Preisstabilität als auch ein nachhaltiges Beschäftigungsniveau sichern - diesen beiden Zielen ist die Fed gemäß dem vom US-Kongress erteilten Auftrag verpflichtet.

Die USA stecken seit mehr als einem Jahr in der Rezession. Die Finanzkrise hat die größte Volkswirtschaft der Welt in die schwächste wirtschaftliche Phase seit den 30er Jahren gestürzt. Die Notenbank stemmt sich mit einer Quasi-Nullzinspolitik gegen den Abschwung. Präsident Barack Obama hat zudem ein 787 Milliarden schweres Konjunkturpaket aufgelegt, das die Folgen der Finanz- und Immobilienkrise abfedern soll. Mehr als eine halbe Billion Dollar entfallen auf Ausgaben zur Schaffung von Arbeitsplätzen.

Die USA müssen sich laut Bernanke darauf einstellen, dass die Arbeitslosenrate auf über acht Prozent steigen wird. Laut Fed-Mitglied Charles Evans ist sogar bis ins Jahr 2010 hinein mit steigenden Arbeitslosenzahlen zu rechnen. Der Notenbanker nannte das Tempo des Abschwungs "beunruhigend". Im November hatte die Fed für 2009 noch ein Wachstum oder schlimmstenfalls ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,2 prognostiziert. Zum Jahresende 2008 war die US-Wirtschaft aber so stark eingebrochen wie seit Jahrzehnten nicht mehr: Im vierten Quartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 3,8 Prozent. Laut Evans zeichnet sich jedoch ab, dass die Wirtschaft nicht ganz so stark geschrumpft ist wie zunächst angenommen.

 
<p>US Federal Reserve Chairman Ben Bernanke speaks at a luncheon at the National Press Club in Washington, February 18, 2009. REUTERS/Jonathan Ernst (UNITED STATES)</p>