Schwedische GM-Tochter Saab beantragt Gläubigerschutz

Freitag, 20. Februar 2009, 15:35 Uhr
 

Stockholm (Reuters) - Mit der schwedischen General-Motors-Tochter Saab hat der erste namhafte Autobauer im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise Gläubigerschutz beantragt.

Auf diese Weise solle Saab saniert und ein unabhängiges und profitables Unternehmen werden, das für Investoren und Käufer interessant sei, erklärte der Konzern am Freitag in Stockholm. Saab gehört wie der deutsche Hersteller Opel zu dem in Schieflage geratenen US-Konzern GM.

Im Rahmen der Reorganisation - nach schwedischem Recht eine Vorstufe zu einem Insolvenzantrag - hofft Saab auf die Unterstützung von privaten Investoren und dem schwedischen Staat, der einen Einstieg bisher wiederholt abgelehnt hatte. Am Freitag schloss der Staatssekretär im schwedischen Industrieministerium, Joran Hagglund, Kreditgarantien für Saab jedoch nicht aus, falls die Firma eine Zukunftsperspektive habe.

"Alles hängt davon ab, wie die Pläne aussehen", sagte Hagglund zu Reuters. GM will den Gerichtsakten zufolge Mittel für die Umstrukturierung zur Verfügung stellen, jedoch nicht weiterhin alle Verluste übernehmen. Den Angaben zufolge rechnet Saab 2008 und 2009 mit einem Fehlbetrag von jeweils umgerechnet rund 270 Millionen Euro. Der Betrieb werde dennoch normal weitergehen, erklärte Saab.

LAGE BEI SAAB SCHLECHTER ALS BEI DEUTSCHER GM-TOCHTER OPEL

GM hatte am Mittwoch angekündigt, die finanzielle Unterstützung für Saab zurückzufahren und die schwedische Tochter 2010 aus dem Konzern herauszulösen. GM droht, zur Sanierung auch in Europa Fabriken zu schließen und will weltweit 47.000 Stellen streichen, 26.000 davon außerhalb der USA. In Deutschland sorgen sich Arbeiter und Politiker um die Zukunft von Opel. Das Traditionsunternehmen steht aber offenbar besser das als Saab. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers, der zu einem Gespräch mit GM-Chef Rick Wagoner in die USA gereist war, plant der angeschlagene US-Mutterkonzern bisher keine Werkschließungen in Deutschland. (siehe: )

Der Aufsichtsrat von Saab hatte in einer außerordentlichen Sitzung am Donnerstag fieberhaft nach einer Lösung gesucht. "Wir haben alle möglichen Optionen überprüft und werden das weiterhin tun, um die Finanzierung sicherzustellen oder Saab zu verkaufen", erklärte der geschäftsführende Saab-Direktor Jan-Ake Jonsson. "Wir haben beschlossen, dass eine Reorganisation der beste Weg ist, um eine wirklich unabhängige Einheit zu schaffen, die attraktiv ist für Investoren." Ein vom Gericht bestellter Aufseher soll den Restrukturierungsprozess überwachen, in dessen Rahmen die Produktion stärker gebündelt werden soll.

SCHWEDISCHE AUTOINDUSTRIE DROHT AUSRADIERT ZU WERDEN

Laut einem Bericht der schwedischen Zeitung "Dagens Industri" will GM rund 400 Millionen Dollar in Saab pumpen und hofft auf Kreditgarantien des schwedischen Staats über 590 Million Dollar. Mit dem Geld sollten Verluste ausgeglichen und neue Modelle entwickelt werden, damit Saab ab 2011 oder 2012 Gewinne schreiben könne. Dazu müssen bei den Schweden der Zeitung zufolge 120.000 bis 130.000 Autos vom Band laufen. 2007 verkaufte Saab 93.000 Fahrzeuge. Analysten befürchten, dass Saab deutlich mehr Geld benötigt, um die Gewinnschwelle zu erreichen.

Saab leidet besonders unter der weltweiten Absatzkrise, weil es eine vergleichsweise alte Modellpalette hat. Außerdem kämpft der Konzern mit Überkapazitäten und hohen Kosten. Durch die Krise von Saab und die zum Verkauf gestellte Ford-Tochter Volvo droht der schwedischen Autoindustrie das Aus. Mehr als 20.000 Menschen arbeiten bei den beiden Hersteller, außerdem stehen Tausende Jobs in der Zulieferindustrie auf dem Spiel.

 
<p>An emblem of a Saab car is covered with raindrops at an car dealership in Hamburg February 20,2009. General Motors' loss-making carmaker Saab Automobile on Friday sought legal protection from creditors to allow it to restructure and seek new funding for continued production. REUTERS/Christian Charisius (GERMANY)</p>