Exporteinbruch stürzt deutsche Wirtschaft in die Krise

Mittwoch, 25. Februar 2009, 15:02 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Ein massiver Exporteinbruch hat die deutsche Wirtschaft Ende 2008 in die schwerste Krise seit der Wiedervereinigung gestürzt.

Das Bruttoinlandsprodukt sank von Oktober bis Dezember um 2,1 Prozent im Vergleich zum dritten Quartal. Das war das größte Minus seit 1987, bestätigte das Statistische Bundesamt am Mittwoch eine erste Schätzung. Der Konjunktureinbruch hinterließ Spuren im Staatshaushalt: Sinkende Steuereinnahmen trugen dazu bei, dass das Defizit 2008 mit 3,3 Milliarden Euro gut doppelt so hoch ausfiel wie angenommen.

Eine Konjunkturerholung ist Experten zufolge frühestens in der zweiten Jahreshälfte zu erwarten. Die in Rekordtempo sinkenden Industrieaufträge und das unter der globalen Rezession leidende Auslandsgeschäft ließen für das erste Quartal eine "ähnlich hässliche Zahl" wie am Jahresende erwarten, sagte UniCredit-Ökonom Alexander Koch. Der Deutschland-Chefvolkswirt der Citigroup, Jürgen Michels, rechnet mit einem Minus von etwa 1,5 Prozent. "Eine Stabilisierung ist erst am Jahresende in Sicht", sagte Michels. Bereits im Frühjahr und Sommer war die Wirtschaftsleistung geschrumpft - um jeweils 0,5 Prozent.

Die Wirtschaftskrise verursachte am Jahresende Steuerausfälle in dreistelliger Millionenhöhe. Auch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Pendlerpauschale belastete den Haushalt: Die Rückzahlungen mussten teilweise schon Ende 2008 verbucht werden. Dadurch fiel das Staatsdefizit gut doppelt so hoch aus wie im Januar mit 1,6 Milliarden Euro gemeldet.

Allein der Bund kam auf einen Fehlbetrag von 15,8 Milliarden Euro, die Länder verbuchten ein Minus von 3,6 Milliarden Euro. Dagegen meldeten die Gemeinden einen Überschuss von 8,4 Milliarden Euro und die Sozialversicherungen ein Plus von 7,7 Milliarden Euro. Trotzdem blieb Deutschland mit einem Defizit von 0,2 Prozent das dritte Jahr in Folge unter der Maastricht-Grenze, die eine Verschuldung von maximal drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes erlaubt. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hofft, trotz der milliardenschweren Konjunkturprogramme die Defizitgrenze auch in diesem Jahr einzuhalten. Für 2010 wird allerdings ein Minus von mindestens vier Prozent erwartet.

STÄRKSTER EXPORTEINBRUCH SEIT 1991

Der Einbruch am Jahresende ist vor allem der Exportschwäche geschuldet. Die Ausfuhren sanken im vierten Quartal um 7,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Das war das größte Minus seit 1991. Die Einfuhren gingen um 3,6 Prozent zurück. Exportweltmeister Deutschland leidet stärker als andere Staaten unter der globalen Rezession. Der Branchenverband BGA rechnet für 2009 mit einem Exporteinbruch von bis zu acht Prozent. Das wäre der größte Rückgang seit Bestehen der Bundesrepublik.

Wegen des schwachen Auslandsgeschäfts stoppten viele Unternehmen ihre Investitionen. Sie gaben 4,9 Prozent weniger für Maschinen, Fahrzeuge und andere Ausrüstungen aus. Die Bauinvestitionen sanken um 1,3 Prozent. Auch die Verbraucher hielten sich zurück: Die privaten Konsumausgaben sanken um 0,1 Prozent. Der Staatskonsum blieb dagegen stabil.

Dank des guten Jahresauftakts reichte es für 2008 trotzdem noch zu einem Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent. Für dieses Jahr erwartet die Bundesregierung einen Rückgang um rund 2,25 Prozent - das wäre das größte Minus seit Bestehen der Bundesrepublik. Vielen Bankenanalysten sind noch pessimistischer. Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter befürchtet sogar ein Minus von mindestens fünf Prozent.