US-Regierung stockt Anteil an Citigroup massiv auf

Freitag, 27. Februar 2009, 18:57 Uhr
 

Washington (Reuters) - Die einst weltgrößte Bank Citigroup wird künftig von der US-Regierung kontrolliert.

Das Finanzministerium in den USA kündigte am Freitag an, bis zu 25 Milliarden Dollar Vorzugsaktien in Stammaktien umzuwandeln. Dadurch erhöhe sich die Beteiligung des Staates auf bis zu 36 Prozent. Durch mehrere Rettungsaktionen und Milliardenhilfen im vergangenen Jahr hält die Regierung bereits acht Prozent. Die Teilverstaatlichung der Citigroup zog Börsen weltweit nach unten, vor allem Bankentitel verloren. Die Aktie der Citigroup brach im frühen Handel an der Wall Street gut 30 Prozent ein.

Konzernchef Vikram Pandit betonte: "Wir bleiben voll verantwortlich für das Tagesgeschäft." Damit sollten sich auch die Spekulationen über eine Verstaatlichung legen, fügte er hinzu. Dies konnte die Börsianer aber nicht beruhigen. "Die Regierung ist der neue Boss", sagte Mike Holland, der Gründer des Vermögensverwalters Holland & Co in New York. "Jede wichtige Entscheidung wird nicht mehr aus der Park Avenue kommen, sondern aus Washington D.C.", fügte er hinzu.

Durch die Transaktion sei es nicht nötig, noch mehr Staatsgeld in das wegen der Finanzkrise ins Straucheln geratene Institut zu stecken, betonte das Finanzministerium. Die problematische Lage der Bank werde aber stabilisiert. Ende 2008 hatte die Regierung der Citigroup bereits mit einem gigantischen Hilfspaket von insgesamt 320 Milliarden Dollar unter die Arme gegriffen. 20 Milliarden davon waren direkte Kapitalspritzen, der Rest Bürgschaften für risikobehaftete Kreditpapiere.

Die Citigroup muss sich einem so genannten "Stress Test" unterziehen. Die Behörden begannen am Mittwoch mit Untersuchungen der rund 20 größten Institute mit jeweils mehr als 100 Milliarden Dollar an Vermögenswerten. Bis Ende April sollen die öffentlichen Prüfer klären, in welcher Verfassung sich die Institute befinden und welche Verluste noch drohen.

Im Zuge der Umstrukturierung der Bank sind auch personelle Änderungen im Direktorium geplant, wie die Citigroup mitteilte. Die Mehrheit in dem Gremium solle so bald wie möglich durch unabhängige Mitglieder ersetzt werden. Aus Kreisen hatte Reuters erfahren, dass Pandit seinen Job wohl behalten werde. Andere Aktionäre der Citigroup, darunter der Staatsfonds Government of Singapore Investment Corp (CIC), wollen die Wandlung der Vorzugsaktien in Stammaktien mittragen.

Die Citigroup ist weltweit eine der Banken, die am stärksten von der Finanzkrise betroffen sind. Allein im vierten Quartal 2008 verlor das Institut über acht Milliarden Dollar. Mehr als eine halbe Billion Dollar an risikobehafteten Papiere sollen nun ausgelagert werden. Die Bank hatte jahrzehntelang einen Expansionskurs gefahren und unüberschaubare Risiken angehäuft.

US-FINANZBRANCHE KOMMT NICHT AUS DEM KRISENSUMPF

Seit der Pleite der US-Bank Lehman Brothers im September 2008 reißen die schlechten Nachrichten aus der Finanzbranche nicht ab. Der ohnehin bereits von der US-Regierung kontrollierte Hypothekenfinanzierer Fannie Mae bekam nach einem Verlust von fast 60 Milliarden Dollar im Jahr 2008 erneut Kapital vom Staat. Für das laufende Jahr erwartet Fannie Mae weitere Belastungen, vor allem die Häuserpreise werden weiter sinken. Der Preisverfall am US-Wohnungsmarkt war einer der Auslöser für die seit Mitte 2007 lodernde Finanzkrise gewesen.

US-Präsident Barack Obama will im Kampf um die Stabilisierung der Finanzbranche weitere 250 Milliarden Dollar in das System pumpen. Seine Vorgängerregierung hatte bereits ein 700 Milliarden Dollar schweres Rettungspaket auf den Weg gebracht. Derzeit lässt Obama den Kapitalbedarf der führenden Banken prüfen. Auch die Citigroup werde diesem Test trotz der Staatsbeteiligung unterzogen, hieß es im Finanzministerium.