Amokläufer kündigte Tat im Internet an
Waiblingen (Reuters) - Der Amokläufer von Winnenden hat die Bluttat im Internet angekündigt und war zeitweise in psychiatrischer Behandlung.
"Ich werde morgen früh an meine frühere Schule gehen und mal so richtig gepflegt grillen", schrieb der 17-jährige Tim Kretschmer keine sieben Stunden vor der Tat am Mittwochmorgen in einem Internet-Chat. Teilnehmer des Forums nahmen die Drohung nicht Ernst, wie Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech am Donnerstag mitteilte. Kretschmer war zudem 2008 fünf Mal wegen Depressionen in Behandlung. Ansonsten habe der Amokschütze "eine einigermaßen normale Entwicklung", sagte der Leiter der Stuttgarter Staatsanwaltschaft, Siegfried Mahler.
KEINE HINWEISE AUF AMOKLAUF
Einen Tag nach dem Amoklauf mit 16 Toten hatten die Behörden noch keine endgültige Klarheit über das Motiv. "Wir gehen von einem Minderwertigkeitskomplex aus", sagte Kriminaldirektor Ralf Michelfelder. Der Täter habe sich nicht anerkannt gefühlt. Sein Kraftsport könne ein Hinweis auf eine Kompensation der Komplexe sein. "Alle lachen mich aus. Niemand erkennt mein Potenzial", schrieb Kretschmer wenige Stunden vor seinem Amoklauf.
"Die bisherigen Zeugenvernehmungen zeigen keine Hinweise auf eine Amoktat", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Mahler. Auf dem Computer des Jungen seien Gewaltspiele und Pornobilder gefunden worden, aber nicht in einem besonders bemerkenswerten Umfang. Die Eltern wurden von der Tat vollkommen überrascht. "Sie hätten ihrem Sohn eine solche Tat nicht zugetraut", sagte Thomas Schöllhammer, Kripochef in Waiblingen.
Die Ankündigung im Internet wurde bekannt durch einen 17-jährigen Jungen aus Bayern, dessen Vater sich nach der Tat am Mittwochabend bei der Polizei meldete. Der Sohn habe die Drohung, die gegen 02.45 Uhr am Mittwochmorgen in einem Internet-Chat eingestellt worden sei, aber nicht Ernst genommen, sagte Innenminister Rech. Der spätere Täter kündigte darin ausdrücklich Winnenden als Ort seiner Bluttat an, versah dies aber mit dem Hinweis, er wolle nur Diskussionen provozieren.
Aus einem im Zimmer des Täters gefundenen Musterungsbescheid für den Wehrdienst ging nach Angaben der Behörden hervor, dass er zwischen April und September 2008 fünf Mal in Heilbronn in psychiatrischer Behandlung gewesen sei. Die Behandlung hätte in Winnenden fortgesetzt werden sollen, was aber nicht geschah.
TÄTER FEUERTE ÜBER 100 SCHÜSSE AB
Der jugendliche Attentäter war nach Polizeiangaben mit etwa 250 Schuss Munition ausgerüstet. Mindestens 112 Schüsse habe er abgegeben. Polizeipräsident Erwin Hetger zeigte sich überzeugt, dass die Polizei mit ihrem raschen Eintreffen am Tatort "ein größeres Blutbad an der Schule" verhindert habe. Beim Eintreffen der Polizisten war der Täter aus dem Schulzentrum geflohen. Fortsetzung...

