Großaktionär stoppt Sonderprüfung bei Krisenbank IKB

Donnerstag, 26. März 2009, 07:00 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Wer für die existenzbedrohende Krise bei der Mittelstandsbank IKB verantwortlich ist bleibt vorerst im Dunkeln.

Der IKB-Haupteigentümer Lone Star stoppte trotz heftigem Protest von Kleinaktionären die Sonderprüfung, die die Verantwortung des früheren Vorstands und Aufsichtsrats der Bank hätte klären sollen. Fast 98 Prozent der auf der außerordentlichen Hauptversammlung vertretenen Aktionärsstimmen votierten am Mittwoch in Düsseldorf für den Antrag von Lone Star auf Abberufung des Prüfers Harald Ring. Allerdings war sämtlicher Widerstand der Kleinanleger zwecklos: Lone Star selbst hält über 90 Prozent der Aktien an der Bank, die sich mit US-Ramschhypotheken verspekuliert hat und Mitte 2007 an den Rand der Pleite geraten war.

Der stellvertretende Aufsichtsratschef Karsten von Köller hatte den Plan vor etwa 600 anwesenden Aktionären verteidigt. Es gehe darum, Nachteile durch etwaige Klagen für die Bank zu verhindern. "Es kann nicht im Interesse der Gesellschaft sein, Dritten die Möglichkeit zu geben, etwaige Erkenntnisse aus solcher Aufklärung nutzen zu können und die Gesellschaft dadurch unnötigen Risiken auszusetzen", sagte von Köller. IKB-Chef Hans Jörg Schüttler betonte, selbst unbegründete Klagen könnten für die Bank existenzbedrohend sein. Es müsse nun primär darum gehen, die Bank in die Gewinnzone zurückzubringen und sie nicht mit Rückstellungen für mögliche Gerichtsverfahren zu belasten.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hatte schon im Vorfeld kräftig Stimmung gegen Lone Stars Pläne gemacht. Klagen gegen die jetzt beschlossene Abberufung des Sonderprüfers sind nicht auszuschließen.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, hat es bei der IKB intern schon frühzeitig Alarmsignale gegeben. Das gehe aus einem Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC hervor, der bislang nicht veröffentlicht wurde, schrieb die Zeitung. Bereits Anfang 2004 sei demnach auf die "Möglichkeit nicht unerheblicher Risiken" hingewiesen worden. Aufsichtsratsvize Köller erklärte, das Kontrollgremium und der Vorstand prüften pflichtgemäß, ob frühere Gremienmitglieder Pflichtverletzungen begangen hätten.