Kaufhof-Chef spricht Arcandor Recht auf Staatshilfe ab

Mittwoch, 27. Mai 2009, 08:32 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Vor einer möglichen Vorentscheidung über Staatshilfen für den Arcandor-Konzern hat sich der Rivale Metro erneut gegen öffentliche Bürgschaften ausgesprochen.

Unterstützung könne es nur für Firmen geben, die durch die Finanzkrise in Schieflage geraten seien, sagte der Chef der Metro-Tochter Kaufhof, Lovro Mandac, der "Süddeutschen Zeitung" (Mittwochausgabe). "Das ist bei Arcandor nicht der Fall", machte er deutlich. Mandac betonte zugleich, Galeria Kaufhof sei es gelungen, sich über Jahre auf veränderte Kundenwünsche einzustellen und das Ergebnis kontinuierlich zu steigern.

An diesem Mittwoch wollen Arcandor-Beschäftigte in Berlin vor dem Wirtschaftsministerium für die Staatshilfen demonstrieren. Die Gewerkschaft Verdi erwartet rund 5000 Teilnehmer. Karstadt-Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt wollte bis zu 250.000 Unterschriften von Bürgern und Kunden sammeln, die die Forderungen an die Regierung unterstützen. Der Bürgschaftsausschuss der Regierung wollte sich noch in dieser Woche mit dem Arcandor-Antrag befassen, eine endgültige Entscheidung wird noch nicht erwartet. Wegen dieser Sitzung hatte Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick ein für diesen Mittwoch geplantes Treffen mit Metro-Amtskollege Eckhard Cordes abgesagt.

Aus der Regierungskoalition gab es zuletzt unterschiedliche Signale. Während die Union einer Hilfe für Arcandor ablehnend gegenübersteht, hatte der Vize-Kanzler und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier vor einer voreiligen Absage gewarnt und darauf verwiesen, dass 50.000 Arbeitsplätze gefährdet seien.

Mitten im Überlebenskampf von Arcandor hatte Metro die Idee einer Deutschen Warenhaus AG ins Spiel gebracht, in der Kaufhof und Karstadt zusammengeschlossen werden sollen. Eick betrachtet den Vorstoß zwar als Störfeuer, hatte sich Gesprächen darüber aber nicht verweigert.

METRO WILL MEHRHEIT DER KARSTADT-STANDORTE ERHALTEN

Kaufhof-Chef Mandac warb in dem Interview für das Vorhaben. Das Metro-Konzept ermögliche es, die Mehrheit der Karstadt-Standorte und -Arbeitsplätze zu erhalten. "Die Überschneidungen zwischen beiden Unternehmen sind sehr viel geringer als immer wieder behauptet wird", sagte er.

Das Metro-Konzept sieht Medienberichten zufolge vor, dass sich Metro und die Karstadt-Vermieter mit je 49 Prozent an der Warenhaus AG beteiligen. Dem "Handelsblatt" zufolge halten die Karstadt-Vermieter aber wenig von diesen Plänen. "Es gibt keine Gespräche über eine Beteiligung an der geplanten Deutschen Warenhaus AG", wird aus Kreisen eines beteiligten Immobilienbesitzers zitiert.

Bedeckt zu den Überlebensaussichten von Arcandor hält sich die Touristiktochter und Ertragsstütze Thomas Cook. Cook-Chef Manny Fontenla-Novoa sagte der "Financial Times Deutschland", er verfolge die Entwicklung "natürlich mit einer gewissen Sorge", beteilige sich aber nicht an Spekulationen über die Zukunft des Mutterkonzerns. "Wir müssen uns jetzt auf unser operatives Geschäft konzentrieren, um unseren Beitrag zur Rettung von Arcandor zu leisten", sagte der Cook-Chef.