Berichte: Nordkorea plant bald Langstreckenraketen-Test

Montag, 1. Juni 2009, 15:06 Uhr
 

Seoul/Singapur (Reuters) - Ungeachtet internationaler Proteste plant Nordkorea offenbar weitere Raketentests.

Die kommunistische Führung will nach Medienberichten womöglich schon Mitte Juni eine Interkontinentalrakete probeweise abfeuern, die auch die USA erreichen könnte. Die Waffe habe eine geschätzte Reichweite von 4000 bis 6500 Kilometern, berichtete die südkoreanische Tageszeitung "JoongAng Ilbo" unter Berufung auf Geheimdienstkreise am Montag. Alaska ist etwa 4800 Kilometer von Nordkorea entfernt, die Westküste der USA mindestens 8000 Kilometer. Dem Bericht zufolge schickte die Regierung in Pjöngjang vor zwei Wochen einen Zug mit einer Rakete in Richtung einer Abschussrampe an der Küste. Erst am Freitag hatte Nordkorea erneut eine Kurzstreckenrakete getestet.

Die USA und Japan erklärten am Montag gemeinsam, dass eine atomare Aufrüstung Nordkoreas inakzeptabel sei. Die jüngsten Aktionen des Staates gäben Anlass zu großer Sorge, sagte der japanische Vize-Außenminister Mitoji Yabunaka nach einem Treffen mit seinem amerikanischen Kollegen Jim Steinberg. US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte bei einer Sicherheitskonferenz in Singapur am Wochenende erklärt: "Wir werden nicht tatenlos zuschauen, wenn Nordkorea sich Fähigkeiten zulegt, Ziele in der Region oder bei uns zu zerstören."

Gates warnte die Regierung in Pjöngjang davor, Nuklearwaffen oder -material weiterzuverbreiten. Die USA würden dies als ernsthafte Bedrohung für sich und ihre Verbündeten ansehen und Nordkorea für die Konsequenzen zur Verantwortung ziehen. Falls der Norden an seinem Kurs festhalte, drohe ein Rüstungswettlauf in Asien, sagte Gates. Einem Resolutionsentwurf zufolge steht der UN-Sicherheitsrat vor einer scharfen Verurteilung Nordkoreas.

Als Reaktion auf eine Kriegsdrohung des Nordens hatten der Süden und die USA ihre militärische Alarmstufe in der Region hochgesetzt. US-Präsident Barack Obama hat Japans Ministerpräsident Taro Aso angesichts der zunehmenden Spannungen in der Region seine Unterstützung zugesagt.