Staatshilfe rettet Heidelberger Druck vor Insolvenz
Stuttgart (Reuters) - Der tief in den roten Zahlen steckende Maschinenbauer Heidelberger Druck hat eine drohende Insolvenz abgewendet.
Mit Hilfe von staatlichen Garantien und neuen Bankkrediten könne die Finanzierung über die nächsten drei Jahre sichergestellt werden, sagte Vorstandschef Bernhard Schreier am Dienstag in Heidelberg. Dennoch wird der Weltmarktführer in den kommenden Monaten voraussichtlich rund 3300 Mitarbeitern kündigen, da die Nachfrage nach neuen Druckmaschinen im Zuge der Finanzkrise weltweit zusammengebrochen ist. Der Stellenabbau soll die Kosten drastisch drücken und Heidelberger Druck die Rückkehr in die schwarzen Zahlen ermöglichen.
"Wir hätten ohne die Hilfe des Staates unsere Finanzierung nicht klar bekommen", räumte Schreier ein. Bund und Länder hätten "zu 98 Prozent" Bürgschaften in Höhe von 495 Millionen Euro zugesagt, die Kreditanstalt für Wiederaufbau wolle ein Darlehen über 300 Millionen Euro geben. Insgesamt könne sich Heidelberger Druck damit bei den Banken voraussichtlich Kreditlinien über 1,4 Milliarden Euro für drei Jahre sichern. "Mit dieser Unterstützung können wir den Zeitraum der Finanzmarktkrise überbrücken", sagte der seit 34 Jahren bei dem Traditionskonzern beschäftigte Schreier. Derzeit steht Heidelberger Druck bei den Banken mit 760 Millionen Euro in der Kreide. An der Börse gaben die Heidelberger-Druck-Aktien um rund sechs Prozent nach.
INVESTITIONSBEREITSCHAFT DER KUNDEN WEITER VERHALTEN
Der Konzern kämpft seit dem vergangenen Jahr mit einer flauen Nachfrage nach Bogendruckmaschinen für den Druck von Büchern und Verpackungen. Die zumeist mittelständischen Druckereien zögern wegen der Wirtschaftskrise und gestiegenen Kreditkosten rund um den Globus mit dem Kauf neuer Maschinen. Die Investitionsbereitschaft der Kunden werde weiter verhalten bleiben, räumte der Vorstand ein. Ein Ende der Krise sei nicht absehbar. Der im vergangenen Geschäftsjahr 2008/09 (31. März) um 18 Prozent auf drei Milliarden Euro eingebrochene Umsatz werde dieses Jahr nochmals nachgeben. Nach dem Verlust in Höhe von 249 Millionen Euro im zurückliegenden Geschäftsjahr wird Heidelberger Druck nach eigenen Angaben auch im laufenden Jahr rote Zahlen schreiben. Dazu dürften auch die steigenden Finanzkosten beitragen, die das Unternehmen für die Sicherstellung seiner Liquidität zahlen muss.
Nach dem absehbaren Abschluss der monatelangen Verhandlungen mit Bund und Ländern über die Staatshilfe steht bei dem 1850 gegründeten Unternehmen nun die Verkleinerung des Konzerns im Vordergrund. Bis Ende dieses Jahres sollen 5000 der zuletzt 20.000 Stellen gestrichen werden, 1700 Mitarbeiter gingen bereits von Bord. Zwar werde sich der weltweite Druckmarkt mit einem Volumen von rund 400 Milliarden Euro in einigen Jahren trotz der wachsenden Werbung in Online-Medien wieder erholen, sagte Konzernchef Schreier voraus. Gefragt seien dann aber voraussichtlich vermehrt Standard-Druckmaschinen, die von den Druckereien in den Schwellenländern für Verpackungen und Werbedrucke benötigt würden. Heidelberger Druck brauche daher künftig in Deutschland und anderen Industrieländern nicht mehr so viele Mitarbeiter in der Produktion. Statt dessen werde die Montage in China künftig weiter ausgebaut.
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