Porsche in fortgeschrittenen Gesprächen mit Katar
Hamburg (Reuters) - Der hoch verschuldete Sportwagenbauer Porsche befindet sich in fortgeschrittenen Verhandlungen über einen Einstieg des Emirats Katar.
"Es gibt Gespräche nur noch mit Katar", sagte ein Porsche-Sprecher am Dienstag. Finanzkreisen zufolge geht es dabei um einen Anteil von bis zu 25 Prozent an der Porsche Automobil Holding SE. Eine Entscheidung noch im Juni sei "sehr gut möglich", sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person.
Die "Financial Times" berichtete am Dienstag unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Kreise, sollten die Gespräche erfolgreich abgeschlossen werden, könnte die Transaktion binnen Wochen öffentlich gemacht werden. Der Stuttgarter Konzern sitzt seit dem Einstieg bei Volkswagen auf einem Schuldenberg von neun Milliarden Euro.
Unternehmenskreisen zufolge verhandelt Porsche-Chef Wendelin Wiedeking mit dem Investmentfonds Qatar Investment Authority (QIA) sowohl über einen Einstieg im Zuge einer Kapitalerhöhung in Stammaktien bei der Porsche Holding als auch alternativ über den Verkauf von Optionen auf VW-Aktien. Bei einer Kapitalerhöhung müssten die Porsche-Eigner, die Familien Porsche und Piech, erstmals Macht abgeben. In ihrem Besitz liegen alle Stimmrechte. An der Börse notiert sind lediglich die stimmrechtslosen Porsche-Vorzugsaktien.
Unklar war zunächst, wie sich VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigner Ferdinand Piech im Fall einer Einigung mit Katar verhalten würde. Der VW-Patriarch hatte sich jüngst bei einem Auftritt auf Sardinien skeptisch zu einem möglichen Investor geäußert. Porsche und VW verhandeln derzeit über einen Zusammenschluss. Piech favorisiert die Eingliederung von Porsche als zehnte Marke bei Volkswagen. Vorher müsse Porsche aber die eigenen Finanzprobleme lösen.
Wiedeking hatte sich in den vergangenen Wochen mehrfach in Katar aufgehalten, um Chancen für eine Finanzhilfe auszuloten. Umgekehrt waren Vertreter des Golfstaats in Zuffenhausen, um die Bücher von Porsche zu sichten. Dies deutet darauf hin, dass Katar eher an einer in Arabien als prestigeträchtig geltenden Beteiligung an Porsche interessiert ist. Bei einer Beteiligung an der Porsche Holding wäre das Emirat zudem automatisch Miteigner an Europas größtem Autobauer VW mit seinen insgesamt acht Pkw- und Transporter-Marken und dem schwedischen Lkw-Bauer Scania, darunter auch die Luxushersteller Bentley, Bugatti und Lamborghini.
Porsche ist mit rund 51 Prozent größter VW-Eigner und hat über Optionen Zugriff auf weitere 24 Prozent. Der Sportwagenbauer hatte bei seinem Einstieg bei Volkswagen darauf gesetzt, dass das VW-Gesetz fällt, dass für wichtige Entscheidungen wie einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag eine Mehrheit von 80 Prozent vorschreibt. Üblicherweise sind dafür 75 Prozent nötig. Als klar wurde, dass die EU-Kommission ihren Widerstand gegen das Gesetz vorerst nicht weiter verfolgt, wurden die Aussichten für Porsche schlechter. Am Ende musste der Sportwagenbauer den Versuch, den um ein Vielfaches größeren Wolfsburger Autobauer zu kontrollieren aufgeben, weil die Verlängerung der Kredite wegen der Finanzkrise- und Wirtschaftskrise immer teurer wurde.
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