Opel-Bieter RHJ umwirbt Bundesregierung und Belegschaft

Dienstag, 14. Juli 2009, 20:18 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Im Bieterrennen um Opel wirbt der Finanzinvestor RHJ um die Gunst der Bundesregierung und der Belegschaft.

Die Beteiligungsgesellschaft wolle am Mittwoch im Wirtschaftsministerium Details ihres neuen Angebots für den Rüsselsheimer Autobauer erläutern, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen am Dienstag zu Reuters. Damit will der belgische Ripplewood-Ableger seine Chancen gegenüber dem als Favoriten gehandelten Zulieferer Magna und dem konkurrierenden chinesischen Autohersteller BAIC verbessern. Kreisen zufolge wollen RHJ und Magna möglichst noch bis zum Wochenende unterschriftsreife Vorverträge vorlegen. Laut "Bild"-Zeitung will RHJ zudem noch in dieser Woche Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern führen.

Während Magna im Rennen um Opel die Unterstützung von Belegschaft sowie Bund und Ländern hat, stößt RHJ hier auf Widerstand. Das Unternehmen habe kein schlüssiges Angebot, sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) Reuters TV. "Das ist nur Störfeuer." Bund und Länder hätten sich klar für das Konsortium um Magna entschieden. Die vier Länder mit Opel-Standorten haben in dem Prozess ein wichtiges Wort mitzureden, weil sie die milliardenschweren Staatshilfen bereitstellen sollen, auf die alle Opel-Interessenten ihre Konzepte bauen.

Kreisen zufolge will RHJ mehr als 50 Prozent an Opel kaufen und benötigt dafür Staatsgarantien von 3,8 Milliarden Euro. Die restlichen Anteile sollen GM und die Belegschaft halten. Dabei plane RHJ mit einem Eigenkapitalanteil von rund 300 Millionen Euro, sagten mehrere Personen. Magna will 500 bis 700 Millionen Euro an Eigenkapital investieren, der chinesische Hersteller BAIC 660 Millionen Euro.

ANALYST - VERKAUF AN RHJ KÄME GM ENTGEGEN

Weniger Überzeugungskraft als in der Politik dürfte RHJ bei der ehemaligen Opel-Mutter General Motors benötigen. "Aus der Perspektive von GM ist ein Verkauf an RHJ am einfachsten zu verstehen", sagte Autoanalyst Christoph Stürmer vom Prognoseinstitut Global Insight. Bei einem Finanzinvestor habe GM die Aussicht auf einen späteren Rückkauf von Opel. Damit würde GM den Zugriff auf Opel und somit auf die Entwicklung von neuen spritsparenden Technologien behalten. Zudem könnte GM mit Opel auch im Wettbewerb mit Toyota um die Vorherrschaft am Weltmarkt besser bestehen. "Deshalb möchte man gerne die Finger beherrschend auf Opel draufhaben", sagte Stürmer.

Nach Ansicht des Opel-Betriebsrats handelt RHJ bei Opel im Interesse von GM und will Opel so schnell wie möglich wieder an den US-Autobauer verkaufen. Damit "könnte GM das Ziel realisieren, alles beim Alten zu lassen" und sich über vom Steuerzahler verbürgte Kredite Zeit erkaufen, heißt es in einer Mitteilung. GM hält derzeit nur noch 35 Prozent an Opel, führt aber auch seit der Abgabe der restlichen 65 Prozent an eine Treuhandgesellschaft weiterhin die Verkaufsverhandlungen.

Magna will gemeinsam mit der russischen Sberbank bei Opel die Mehrheit erlangen. Nach Angaben von Beck gibt es in den Verhandlungen noch offene Punkte. "Ich gehe aber davon aus, dass die mit dem Willen zur Einigung angegangen werden", sagte er. Sberbank-Finanzchef Anton Karamzin sagte am Dienstag in Moskau, es gebe intensive Verhandlungen, die aber nicht an einen Stichtag gekoppelt seien.

 
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