Wulff dringt auf schnelle Entscheidung bei Porsche/VW
Hannover/Stuttgart (Reuters) - Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff dringt auf eine Entscheidung über die Zukunft von Porsche und Volkswagen noch in dieser Woche.
"Die niedersächsische Staatsregierung wünscht sich Klarheit möglichst vor der 100-Jahr-Feier von Audi", sagte der CDU-Politiker, der im Aufsichtsrat von VW sitzt, am Dienstag in Hannover. Auf der Veranstaltung der VW-Tochter in Ingolstadt träfen sich am Donnerstag alle, die über die Geschicke der beiden Autokonzerne zu entscheiden hätten. "Dort sollte klar sein, über welche Dinge wir uns jetzt sehr konkret einig geworden sind und uns einig werden wollen."
Der von den Familien Piech und Porsche kontrollierte Sportwagenbauer, der 51 Prozent an Volkswagen hält, hat sich mit der Übernahme des deutlich größeren Wolfsburger Konzerns verhoben und sucht nun nach Wegen, um die Schuldenlast von neun Milliarden Euro zu drücken. Dazu umwirbt Porsche unter Führung von Vorstandschef Wendelin Wiedeking das Emirat Katar, um mit geringeren Verbindlichkeiten in Fusionsverhandlungen mit VW einzutreten. VW mit Aufsichtsratschef Ferdinand Piech an der Spitze will hingegen zuvor einen Teil des Porsche-Sportwagengeschäfts übernehmen. In Porsche-Kreisen hieß es zuletzt, es sei auch vorstellbar, dass die Familien Porsche und Piech eine Mischform beider Wege anstrebten, damit beide Kontrahenten das Gesicht wahren könnten.
Katar will Kreisen zufolge sieben Milliarden Euro in das entstehende Gebilde aus VW und Porsche stecken. Davon sollen zwei Milliarden in eine Kapitalerhöhung bei der Porsche SE fließen, wodurch das Emirat auf einen Anteil von 25 Prozent käme. Fünf Milliarden sind für den Einstieg bei VW vorgesehen. Dabei soll Katar den Stuttgartern ein Optionspaket auf VW-Stammaktien abnehmen. Porsche hatte sich mit den Derivaten verpflichtet, VW-Aktien zu bestimmten Kursen zu übernehmen. Bei einer Weitergabe der Optionen würde das Geld für die VW-Aktienkäufe direkt an die Banken fließen und nicht an Porsche. Kreisen zufolge soll es sich um ein 20-prozentiges Optionspaket handeln, demzufolge würden die VW-Stammaktien in dem Deal mit je rund 85 Euro bewertet. An der Börse kosten VW-Stämme derzeit 228 Euro. Katar würde dann möglicherweise als weiterer Aktionär neben Niedersachsen eine Sperrminorität bei VW erhalten.
WULFF: DAS OBST IST REIF ZUM PFLÜCKEN
Der Zeitpunkt für eine Entscheidung über die Zukunft der beiden Autobauer ist aus Sicht Niedersachsens nun gekommen, da über die Ausgangslage Klarheit herrsche. "Wir rechnen damit, dass die Familien Porsche und Piech sich in diesen Tagen klar positionieren können, weil alle Fakten auf dem Tisch liegen, quasi das Obst reif ist, es muss es nur gepflückt werden", sagte Wulff. "Oder man verzichtet auf das Pflücken des reifen Obstes, dann muss die Porsche SE ihren Weg gehen und die VW AG ihren Weg." Wulff sagte, er rechne mit einer VW-Aufsichtsratssitzung zu diesem Thema um den 22. oder 23. Juli herum. Dann müsse beschlossen werden, ob es einen Konsens gebe oder beide Unternehmen eigenständig blieben. Am 23. Juli tagt der Aufsichtsrat von Porsche.
Als einen Grund für die Verzögerungen in der Entscheidung nannte Wulff Querelen über die Besetzung von Spitzenpositionen. Es gebe kaum ein Modell, das mit "kollektiven Doppellösungen" funktioniere. "Da liegen viele Gründe für die Irritationen der vergangenen Wochen." Die Eigentümer der Unternehmen müssten diese Probleme nun lösen. VW-Aufseher Piech favorisiert den VW-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn als Chef eines gemeinsamen Unternehmens, Porsche-Aufseher Wolfgang Porsche gilt als Unterstützer Wiedekings.
Bei Porsche will Betriebsratschef Uwe Hück die Belegschaft am Mittwoch und Donnerstag über die Entwicklung informieren. Auch der Vorstand komme zu den turnusmäßigen Belegschaftsversammlungen in Weissach und Zuffenhausen, sagte ein Sprecher. Hück steht in der Auseinandersetzung um VW hinter Wiedeking und hat sich mehrfach kritisch zu der Doppelrolle von VW-Aufseher und Porsche-Miteigner Piech geäußert.
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