IBM hebt trotz Umsatzrückgang Prognose an
New York (Reuters) - Der weltgrößte IT-Dienstleister IBM zeigt sich krisenfest: Kostensenkungen und die Verlagerung auf profitablere Geschäftsfelder verhalfen IBM zu einem überraschend hohen Gewinn im zweiten Quartal.
Trotz eines deutlichen Umsatzrückgangs schraubte der US-Konzern seine Jahresprognose kräftig hoch. Finanzchef Mark Loughridge rechnet auch in einem noch rauen wirtschaftlichen Umfeld mit weiterem Spielraum für eine Steigerung der Rentabilität. Zudem dürften das staatliche Konjunkturprogramm und ein schwächerer Dollar dem Unternehmen zusätzlichen Rückenwind geben, sagte Loughridge bei der Vorlage der Bilanz am Donnerstagabend. Einige Experten sahen in Ergebnis und Ausblick ein Indiz dafür, dass die Technologiebranche das schlimmste hinter sich haben könnte.
IBM verdiente im zweiten Quartal 3,1 Milliarden Dollar, ein Plus von knapp elf Prozent. Je Aktie waren dies 2,32 Dollar - Analysten hatten lediglich 2,01 Dollar erwartet. Der Umsatz sank um 13 Prozent auf 23,3 Milliarden Dollar. Hier hatten Experten mit etwas mehr gerechnet. Für das Gesamtjahr peilt IBM nun einen Gewinn je Aktie von mindestens 9,70 Dollar an. Bislang hatte der Konzern 9,20 Dollar als Ziel ausgegeben. IBM-Chef Samuel Palmisano bezeichnete die Zahlen als einen Beleg für den Erfolg des Konzernumbaus. "Auf dem Weg zu unserem Ziel für 2010 von einem Gewinn von zehn bis elf Dollar je Aktie kommen wir schneller voran als geplant", sagte er.
UNEINIGKEIT AM MARKT ÜBER AUSLEGUNG DER ZAHLEN
In Anbetracht der Wirtschafts- und Finanzkrise seien dies unglaublich gute Zahlen, bewertete Analyst Mike Holland von der Investmentfirma Holland & Co die Ergebnisse. Auch seine Kollegin Kim Caughey von Fort Pitt Capital zeigte sich angetan: Nach den guten Zahlen von IBM und des Chip-Giganten Intel blicke sie nun optimistischer in die Zukunft. Insgesamt traue sie dem Technologiesektor nun wieder mehr zu.
Andere Branchenexperten hingegen zweifelten, ob die Zahlen auf eine Erholung der Branche hindeuteten, da der kräftigere Gewinn zum Großteil das Resultat von Kostensenkungen und einer geringeren Abhängigkeit vom krisengeschüttelten Geschäft mit Hardware. Wenn der Umsatz gestiegen wäre, dann könnte man von einer breiteren Basis sprechen, sagte Fred Weiss von Atlantic Trust. "Das Unternehmen war erfolgreich beim Kostenmanagement. Daher handelt es sich hier um eine Verbesserung der Margen und das ist IBM-spezifisch."
IBM ist im vergangenen Jahr besser als viele andere Unternehmen der Technologiebranche gesteuert. Dabei konzentrierte sich der Konzern auf das Geschäft mit Software und Dienstleistungen mit dem Schwerpunkt Ausgliederung, Automatisierung und technischer Unterstützung bei Firmenkunden. Dies ist ein Bereich, der in der weltweiten Wirtschaftskrise auf rege Nachfrage stieß
Von den Anlegern wurden die Zahlen positiv aufgenommen: IBM-Aktien legten am Freitag drei Prozent zu. Bereits vor Börsenschluss am Donnerstag hatten sie sich in Erwartung eines guten Ergebnisses um gut drei Prozent verteuert.
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