Terrorangriffe in Indonesien - Acht Tote in Hotels
Jakarta (Reuters) - Der Terror ist nach vierjähriger Pause mit offenkundig koordinierten Anschlägen auf zwei Luxushotels nach Indonesien zurückgekehrt.
In der Hauptstadt Jakarta wurden am Freitag acht Menschen bei Explosionen in den von Ausländern frequentierten Ritz-Carlton und im Marriott getötet. Über 60 wurden verletzt. Nach Polizeiangaben führten zwei Selbstmordattentäter die Angriffe aus. Das Auswärtige Amt hatte zunächst keine Erkenntnisse, ob auch Deutsche starben.
Der Präsident des bevölkerungsreichsten muslimisch geprägten Landes, Susilo Bambang Yudyhono, sagte, eine Terrorgruppe wolle ganz Indonesien beschädigen: "Die sind nicht ein bisschen human und die Zerstörung unseres Landes ist denen egal." Die Anschläge würden große Auswirkungen auf Wirtschaft, Tourismus und Image Indonesiens haben.
ATTENTÄTER ÜBERWANDEN SICHERHEITSVORKEHRUNGEN
Wie die Attentäter die Sicherheitsvorkehrungen in den Hotels, die zu den höchsten in Indonesien zählen, überwinden konnten, was zunächst unklar. Spekuliert wurde, die Attentäter hätten als normale Gäste eingecheckt. Der Sender TVOne strahlte das Video einer Überwachungskamera aus dem Ritz-Carlton mit einem der mutmaßlichen Selbstmordattentäter aus. Zu sehen ist ein Mann mit Baseball-Mütze auf dem Kopf, der einen Rollen-Koffer durch die Lobby zieht. Im Marriott fand die Polizei im 18. Stock eine Bombe, die unschädlich gemacht wurde.
Die beiden Sprengsätze wurden nach Zeugenaussagen in Minutenabständen gezündet. In beiden Hotels hätten die Attentäter die Restaurants zur Frühstückszeit aufgesucht, um sich in die Luft zu sprengen. "Es war sehr laut, wie ein Donner", sagte Vidi Tanza, der nahe der Hotel arbeitet. Hunderte Polizisten, einige Soldaten und Krankenwagen wurden vor den Hotels zusammengezogen.
Beide Hotels liegen unweit voneinander im Geschäftsviertel Kuningan. In der bei Ausländern und Indonesiern gleichermaßen beliebten Gegend gibt es viele Bars, Büros und Botschaften. Bei den Anschlägen starb auch der Chef der indonesischen Tochter des Schweizer Zementherstellers Holcim, Tim Mackay, wie der Konzern mitteilte. Die Angriffe ähnelten den Anschlägen im indischen Mumbai im November. Auch dort wurden bei Ausländer beliebte Hotels angegriffen.
VERDACHT FÄLLT AUF ISLAMISTENGRUPPE JEMAAH ISLAMIAH
Das Marriott war bereits 2003 Ziel eines Autobombenanschlags. Damals wurde die militante Islamisten-Gruppe Jemaah Islamiah als Urheber vermutet. Auch jetzt steht die Gruppe nach Expertenmeinung wieder in Verdacht. Sie soll auch für die Anschläge 2002 in Bali verantwortlich sein, bei denen 202 Menschen getötet wurden. Die Gruppe, die einen islamischen Staat in Südostasien erzwingen will, soll bis 2005 zahlreiche Anschlägen ausgeübt haben. In den vergangenen Jahren wurden ihre Führungskräfte verhaftet, die Organisation dadurch sehr geschwächt. Fortsetzung...

